Bergstraße

Phänomen Drogen, Müdigkeit oder selbstmörderische Absichten gehören zu den Ursachen

Pro Jahr sterben 20 Menschen bei Unfällen mit Falschfahrern

Archivartikel

Als „Falschfahrer“ – im Volksmund auch „Geisterfahrer“ genannt – bezeichnet man jene Benutzer einer Autobahn oder einer Straße mit geteilten Richtungsfahrbahnen, die entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fahren und somit den Vertrauensgrundsatz brechen. Fahrer, welche eine Einbahnstraße missachten oder orientierungslos in eine nicht vorgesehene Richtung fahren, sind ebenso als Falschfahrer zu bezeichnen. Falschfahrer sind eine massive Gefahr für den Straßenverkehr und verursachen wiederkehrend schwere Verkehrsunfälle. Jährlich sterben im Durchschnitt 20 Menschen an den Folgen eines durch Falschfahrer verursachten Unfalls.

Die jährliche Anzahl an Geisterfahrern ist relativ konstant. Etwa 2400 bis 2700 Meldungen über Fahrer, die entgegen der vorgesehenen Richtung fahren, gibt es jährlich, jedoch erweisen sich etwa drei Viertel davon im Nachhinein als Falschmeldungen. Das liegt daran, dass man sich als Autofahrer, der einen vermeintlichen Falschfahrer entdeckt, leicht vertun kann, Mitteilungen an die Polizei jedoch aus Sicherheitsgründen sofort und ohne Überprüfung an die Radiosender weitergegeben werden, um die Unfallgefahr zu verringern.

Die Autobahnen A 255, A 980 und A 643 haben im Verhältnis zu ihrer Streckenlänge die meisten Falschfahrermeldungen. Darüber hinaus kommt es am häufigsten zwischen 22 und 5 Uhr zur Meldung von Geisterfahrern.

Über die Gründe des Falschfahrens lässt sich nur spekulieren – sicher spielen die Rückkehr von Partys und der Einfluss von Drogen und Alkohol ebenso eine Rolle wie Verwirrtheit, Unerfahrenheit, Müdigkeit oder – im schlimmsten Fall – selbstmörderische Absichten.

Falschfahrer sind unberechenbar. Deshalb sollte man wissen, was zu tun ist, wenn man in eine gefährliche Situation gerät. Wird im Radio ein Falschfahrer auf der eigenen Strecke gemeldet, sollte man in jedem Fall das Tempo drosseln, Abstand zu anderen Autos halten und nicht überholen, möglichst weit rechts fahren und an der nächsten Abfahrt oder einem Rasthof abfahren und dann im Verkehrsfunk auf Entwarnung warten.

Trifft man auf einen Falschfahrer, ohne davor durch eine Meldung gewarnt worden zu sein, sollte man das Tempo ebenfalls deutlich drosseln und mit Warnblinker und Lichthupe auf sich aufmerksam machen. Ist der Falschfahrer vorbeigefahren, empfiehlt es sich ebenfalls, schnellstmöglichst abzufahren und die Polizei zu verständigen.

Wird man einmal selbst versehentlich zum Falschfahrer, dann muss man in jedem Fall Ruhe bewahren und die Geschwindigkeit drosseln. In keinem Fall sollte man wenden. Betroffene Autofahrer sollten so weit wie möglich auf eine Seite fahren, sich hinter die Leitplanke begeben, eine Warnweste anziehen, den vorüberziehenden Verkehr auf das Auto aufmerksam machen und auf keinen Fall auf die andere Fahrbahnseite laufen. Auch hier muss unverzüglich die Polizei verständigt werden.

Das Strafmaß für Falschfahrer richtet sich danach, wie schnell man seinen Fehler bemerkt und ob es tatsächlich zu einem Unfall kommt. Fahrer, die ihren Fehler noch vor der Auffahrt auf die Autobahn bemerken, werden lediglich mit 75 Euro zur Kasse gebeten. Wer seinen Fehler erst auf der Autobahn bemerkt, muss bereits 200 Euro zahlen, während Unfallverursacher mit einem Strafverfahren und im schlimmsten Fall mit einer Gefängnisstrafe rechnen müssen.

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