Bergstraße

Soziales Gemeinsam bieten der Kreis Bergstraße und der Caritasverband Darmstadt ein Zuverdienstprojekt für Menschen mit seelischen Erkrankungen an

Raus aus der Isolation, rein ins Arbeitsleben

Archivartikel

Bergstraße.Im Kreis Bergstraße wird für Menschen, die an einer seelischen Erkrankung leiden, ein sogenanntes Zuverdienstprojekt angeboten. Dieses niederschwellige Beschäftigungsangebot soll Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ermöglichen, in regionalen Betrieben einer sinnvollen individuellen Tätigkeit nachzugehen. 21 Unternehmen sind zum Auftakt schon dabei. Der Startschuss fiel mit der Unterzeichnung des Vertrages durch Kreisbeigeordneten Karsten Krug und Caritasdirektorin Stefanie Rhein.

„Das ist für psychisch kranke Menschen ein neuer Meilenstein in Sachen Teilhabe am Arbeitsleben“, freute sich die Caritasdirektorin bei der Projektvorstellung. „Schon lange setzen wir uns dafür ein, dass Menschen mit einer seelischen Erkrankung die Chance erhalten, in einem Realbetrieb zu arbeiten und dadurch Kontakte zu Menschen zu bekommen, die keine seelischen Probleme haben.“ Mit dem Zuverdienstprojekt gehe man neue Wege und docke direkt an den ersten Arbeitsmarkt an.

Unverzichtbares Angebot

Finanziert wird dieses vom Kreis. Der sei damit ein echter Vorreiter: „Nur noch im niedersächsischen Gifhorn wird etwas Vergleichbares angeboten“, so Rhein. Auch der Kreisbeigeordnete begrüßte das neue Projekt. „Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, dieses mit der Caritas als Partner im Kreis Bergstraße zu installieren“, sagte er. „Es ist mir ein besonderes Anliegen, da immer jüngere Menschen in eine dauerhafte Erwerbsminderung rutschen.“

Angeboten werden niedrigschwellige Arbeitsgelegenheiten für erwerbsunfähige Menschen in unterschiedlichen Bereichen und an verschiedenen Standorten im Kreisgebiet. „In einer Gesellschaft, in der sich die Wertschätzung eines Menschen an der Arbeit misst, ist es unverzichtbar, auch für diejenigen, die in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind, Angebote für eine Teilhabe an Arbeitsleben anzubieten“, so Krug weiter.

Der Caritasverband Darmstadt beschäftigt sich bereits seit Jahren mit der Schaffung verschiedener Arbeitsformen für seine Klienten. So bieten beispielsweise Tagesstätten für ihre Besucher Arbeitsaufträge gegen eine kleine Entlohnung. In Bensheim, Viernheim und Darmstadt laufen seit Jahren niederschwellige Beschäftigungsprojekte, zu denen Menschen ohne Aufnahmeverfahren kommen können, um stundenweise zu arbeiten.

Nun wurde das Konzept weiterentwickelt und der Caritasverband Darmstadt bietet im Zuständigkeitsbereich des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Bergstraße-Ried sowie der Stadt Bensheim das Zuverdienstprojekt Bergstraße an. „Es richtet sich an Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung, die ihre beruflichen Fähigkeiten im Rahmen der bestehenden Arbeitszeitmodelle nicht einsetzen können, für die jedoch eine Teilnahme am beruflich sozialen Leben in der Gesellschaft wichtig ist und die selbstbestimmt ihren Platz im Arbeitsleben finden möchten“, so Vorstandsreferent Bastian Ripper.

Das Selbstwertgefühl steigern

Er hat das Konzept des Zuverdienstprojekts entwickelt und nennt viele Vorteile: die Stabilisierung der psychischen Situation, die Strukturierung des Tages und die Förderung der Teilhabe an der Gesellschaft durch neue Kontaktmöglichkeiten. Außerdem wird Isolation vermieden, die Eigenständigkeit und das Selbstwertgefühl werden gesteigert und die Teilnehmer neu motiviert.

Gearbeitet wird höchstens 14 Stunden pro Woche, die Arbeitszeiten werden individuell angepasst. Die Betriebe werden nach den Wünschen und Interessen des Teilnehmers ausgewählt. Daher stehen neben der niedrigschwelligen Beschäftigung die sozialpädagogische und arbeitstherapeutische Beratung und Unterstützung im Vordergrund, die Projektbetreuer Jörg Wieandt wahrnimmt.

Er führt derzeit im Kreis viele Gespräche mit Betrieben. Dabei sei die Resonanz durchgehend wohlwollend: „Es ist begeisternd für mich zu erleben, wie positiv und aufgeschlossen die Betriebe und Einrichtungen dem Zuverdienstprojekt begegnen“, so der Diplom-Pädagoge. „Ich freue mich darauf, psychisch beeinträchtigten Menschen, die es sich nicht vorstellen können, in einer Werkstatt für Behinderte zu arbeiten, eine berufliche Alternative anbieten zu können“, sagt Wieandt.

Einige warten schon darauf, mit der wohnortnahen Beschäftigung beginnen zu können. Andere potenzielle Teilnehmer werden nun über das neue Angebot informiert. Jörg Wieandt ist sich sicher, dass er bei vielen Begeisterung für das Projekt wecken kann. Und haben sie dann erst einmal begonnen, steht er ihnen weiterhin betreuend zur Seite. zg

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