Bergstraße

Soziales Einrichtung der AWO Bergstraße hilft hunderten Betroffenen / Sparkassen unterstützen Präventionsarbeit

Rote Zahlen bei Schuldnerberatung

Bergstraße."Die Leute, die hierher kommen, sind schon arm dran", sagt Wolfhard Hensel von der Sparkasse Worms-Alzey-Ried bei der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bergstraße. Deshalb setzt er auch auf Prävention und unterstützt die Seminare der AWO an den Schulen - gemeinsam mit den Sparkassen Bensheim und Starkenburg - mit 15 500 Euro jährlich.

Kein Feindbild

Seit 23 Jahren kommt Hensel nun schon zur AWO nach Bürstadt. "Es ist sehr beruhigend, dass wir diese Spende erhalten", erklärt Peter Kellermann. Er leitet die Schuldnerberatung seit 18 Jahren und freut sich über das Vertrauensverhältnis und die Wertschätzung. "Es gibt generell auch kein Feindbild, wie man denken könnte, zwischen Gläubigern und Schuldnern", sagt Kellermann. Ganz im Gegenteil seien alle Seiten daran interessiert, "die Schwierigkeiten zu bereinigen". Insofern schicken auch Banken ihre Kunden zur Beratung der AWO - wohlwissend, dass sie auf ihren Forderungen - zumindest zum Teil - sitzen bleiben werden. Nach wie vor führten vor allem Arbeitslosigkeit und Scheidung oder Trennung zu diesen prekären Situationen.

Früher hat die AWO Beratungen in allen vier Jobcentern des Kreises angeboten, inzwischen darf sie das - nach einer Ausschreibung - nur noch in Bürstadt und Mörlenbach. Das fuchst Kellermann, denn: "Es hat dazu geführt, dass unsere Mittel gesunken sind. Wir haben das vergangene Jahr mit einem Minus abgeschlossen." Das habe der Sozialverband ausgeglichen - aber ewig, so macht Kellermann klar, könne das nicht so weitergehen. Darum will die AWO mit dem Kreis Bergstraße über die Vergütung verhandeln. Diese sei seit Jahren nicht gestiegen - im Gegensatz zu den Kosten. Derzeit rechnet der Verband jeden Einzelfall mit dem Kreis ab, allerdings übernehme die Schuldnerberatung auch Aufgaben, die gar nicht honoriert würden.

Kaum noch Wartezeiten

Durch den Rückzug aus den Jobcentern in Viernheim und Heppenheim hat sich laut Kellermann das Klientel verändert. Bislang waren mehr als die Hälfte der Betroffenen Hartz IV-Bezieher, inzwischen seien das nur noch gut ein Drittel, und es kämen mehr Personen, die Gehalt oder Rente beziehen oder Vermögen besitzen. Dabei fällt Kellermann auf, dass sich immer mehr Rentner verschulden. Froh ist er, dass es inzwischen so gut wie keine Wartezeiten mehr gebe. Betroffene erhalten nach zwei bis drei Wochen einen Termin, und wenn es sehr dränge, sogar am nächsten Tag. Stolz ist der Leiter, "dass wir so gut wie keine Verfahren haben, die scheitern".

Schon Schulkinder informieren

Melanie Schilling und Heike Bamberg kümmern sich um die Prävention und geben regelmäßig Seminare an Schulen, um die Kinder spielerisch auf finanzielle Fragen und Probleme vorzubereiten. Sie trainieren mit Lernhilfeschülern ebenso wie mit Gymnasiasten. "Das ist gut so, je mehr Sie erreichen, desto weniger sollte die Arbeit in der Beratung werden", meint Sparkassen-Vorstand Wolfhard Hensel. "Das können Sie leider vergessen", sagt Kellermann realistisch.

Die Sparkassen wollen weiterhin die Präventionsarbeit fördern, um den Nachwuchs vor der Schuldenfalle zu schützen. Melanie Schilling macht dabei eines Sorgen: Dass viele Eltern ihren Kindern alles bezahlen, anstatt ihnen Taschengeld zu geben. "Doch damit lernen die Kinder den eigenverantwortlichen Umgang mit Geld. Das ist unheimlich wichtig." /sm

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