Bergstraße

Das geistliche Wort Der Pfarrer und stellvertretende Dekan Karl Hans Geil zum Sonntag „Laetare“ / Übersetzt bedeutet das: „Freuet Euch!“

Schon in der Krise hat die Freude ihre Berechtigung

Archivartikel

„Der gewinnt auch dem Schlimmsten noch etwas Gutes ab!“ Kopfschütteln bis stille Bewunderung ruft eine solche Lebenshaltung hervor. Manche Menschen wirken zufrieden, obwohl es ihnen nicht gut geht. Andere verbreiten Freude, obwohl sie nichts zu lachen haben. Der morgige Sonntag will Mut machen zu dieser Haltung:

Mitten in der Passionszeit ein kleines Osterfest, so ist der morgige Sonntag im Kirchenjahr eingeordnet. Laetare, übersetzt „freuet Euch!“, so lautet der Name dieses Sonntags. Freuen sollen sich Menschen, weil sie eine Krise überstanden haben, weil eine Durststrecke in ihrem Leben durchschritten ist. Diese Freude ist nicht nur angebracht, wenn das Übel ausgestanden ist. Schon in der Krise hat diese Freude ihre Berechtigung, weil Menschen sich von Gott begleitet und gehalten wissen. Weil sie vor Augen haben, es gibt auch einen Weg heraus, es wird der Zeitpunkt kommen, wo es durchgestanden und das Schlimme vorbei ist.

Ein sehr anschauliches Bild hat Jesus gewählt, um das deutlich zu machen: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Das Wort drückt aus, was Erfahrungslernen bestätigt. Wahre Freude schließt die Sorge und das Aushalten der eigenen Hilflosigkeit mit ein. Wer meint, alles in seinen Händen zu halten und letztlich bestimmen zu können, der sitzt einer Illusion auf. Wer die Dinge jenseits unserer Möglichkeiten in Gottes Händen weiß, der geht gelassener mit seiner Begrenztheit um.

Nur das Weizenkorn, das in die Erde fällt, bringt viel Frucht. Das Brot muss gegessen werden, damit es stärkt.

Das Leben in seiner ganzen Bandbreite, in seinen Höhen und seinen Tiefen, kann durchlebt werden und wir Menschen darin Gelassenheit, ja Freude empfinden.

So hat es der Prophet Jesaja im Text für den morgigen Sonntag ausgedrückt: Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. (…) Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll niemals von Dir weichen.

Ich wünsche Ihnen Gelassenheit in einer Krise, weil Sie wissen dürfen, sie geht vorbei - und Hoffnung, weil Sie sich getragen wissen und gestärkt daraus hervorgehen können.

* Der Autor Karl Hans Geil ist Pfarrer und stellvertretender Dekan im Evangelischen Dekanat Bergstraße.

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