Bergstraße

Zuwanderer 42 junge Menschen mit Migrantionshintergrund haben innerhalb von zwei Jahren Deutsch gelernt und damit die Basis für das weitere Arbeitsleben gelegt

Sprachkurs als Startkapital für die berufliche Zukunft

Archivartikel

Bergstraße.„Wir glauben, dass unser Lernen ab heute erst richtig beginnt.“ Zu dieser ungewöhnlichen Erkenntnis kam der 21-jährige Ayoub bei der Verabschiedung der InteA-Abgänger des aktuellen Schuljahres.

Bei InteA (Integration durch Anschluss und Abschluss) geht es in einer zweijährigen Vollzeitschulform darum, jungen Migranten die Grundlagen der deutschen Sprache zu vermitteln und ihnen bei der kulturellen und gesellschaftlichen Orientierung zu helfen. Sie beginnen im ersten Jahr ohne deutsche Sprachkenntnisse und sollen möglichst in zwei Jahren das B1-Sprachniveau erreichen, damit sich ihnen so eine Anschlussperspektive in schulischer oder beruflicher Hinsicht eröffnet.

Der junge Somalier Ayoub hat erkannt, dass mit seinem InteA-Abschlusszeugnis nur ein Anfang gemacht ist, hinter dem große sprachliche Hürden in beruflicher und schulischer Bildung zu bewältigen sind. Erleichterungen für Migranten gibt es dann nicht mehr.

Zusammen mit seinen 41 Mitschülern will er sich auf den Weg machen, diese Hürden zu bewältigen – im Schulrucksack das erste Abschlusszeugnis einer deutschen Schule und das Deutsches Sprachdiplom, wodurch das erreichte Sprachniveau international zertifiziert ist.

Bei der Verabschiedung in der sommerheißen Aula der Metzendorfschule wurde jedoch vor allem das Erreichte gefeiert. Schüler der diesjährigen Anfängerklassen hatten mit viel Engagement die Feier für die Abgänger vorbereitet. Es gab nicht nur kühlende Getränke, sondern auch in einstudierten Tanz- und Reimbeiträgen die besten Glückwünsche für die Mitschüler, die nun bald neue Wege gehen werden. Humor, Glück, Freude, Gesundheit, Vertrauen, Zufriedenheit, Liebe, Verständnis, Geduld und Harmonie wurden den Abgängern gewünscht.

Damit zeigten schon die Schüler der Anfangsklassen, dass sie die wesentliche Werte eines guten Zusammenlebens verstanden haben. Michaela Wiegand, die Koordinatorin der InteA-Klassen an der Metzendorf-Schule, ermutigte die Schüler, ihre Träume weiter zielgerichtet zu verfolgen. „Greift nach den Sternen“, so ihr Aufruf, „aber seid euch darüber klar, dass der Weg dorthin beschwerlich sein wird“. Fünf bis sieben Jahre brauche es, um sich sprachlich und kulturell in einem neuen Land vollständig zu integrieren, so zitierte die Koordinatorin aus einer Studie. Diese Zeit müsse man sich fleißig weiter lernend nehmen, um nachhaltig in Deutschland eine neue Heimat finden zu können.

Der junge Syrer Mohamad Baraa bedankte sich bei seinen Lehrern. Vor zwei Jahren sei er mit minimalem Wortschatz im Unterricht in der Wilhelmstraße gestartet, jetzt könne er mit dem Gelernten Deutsch an ein Gymnasium wechseln, um dort das Abitur anzustreben. „Wir sind aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammengekommen und in der Metzendorf-Schule Freude geworden. Wir haben andere Kulturen kennengelernt, jeder hat etwas dabei von seiner Kultur geben können und dafür etwas durch eine neue Kultur gewonnen.“

Mit dem Zeugnis überreichten die Klassenlehrer ihren Schülern ein Foto, das sie auf der Abschlussfahrt nach Berlin zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Meister zeigte. Einen bundesdeutschen Politiker so direkt treffen zu können, war eines der beeindruckenden Erlebnisse, die die jungen Migranten aus ihrer InteA-Zeit mitnehmen in eine Zukunft, in der sie „alles tun wollen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen und ihre Ziele selbst zu erreichen“, so die beeindruckende Selbstverpflichtung, die Ayoub im Namen seiner Mitschüler bei der Abschlussfeier formulierte. red

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