Bergstraße

Studie Öfter, länger, teurer – worüber und wie sich die Nachbarn im Kreis und der gesamten Bundesrepublik in die Wolle kriegen, zeigt ein großer Streitatlas

Streitsüchtige Herren, sanftmütige Damen: So zofft sich die Bergstraße

Archivartikel

Bergstraße.Männer zoffen sich im Kreis Bergstraße deutlich häufiger als Frauen – das zeigt jetzt ein großer Streitatlas für Deutschland. Alle zwei Jahre lässt Generali Deutschland die groß angelegte Studie auf Basis der Daten ihres Rechtsschutzversicherers Advocard durchführen. Sie zeigt, worüber die Nachbarn an der Bergstraße und in ganz Deutschland streiten.

Durchschnittlich war 2018 knapp jeder vierte Einwohner im Kreis Bergstraße in einen Rechtsstreit verwickelt, es gab 23,4 Streitfälle pro 100 Einwohner. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 24,7 Streitfällen je 100 Einwohner. Im Vergleich zur vorherigen Messung im Jahr 2016 wurden 2018 0,8 Streitfälle weniger pro 100 Einwohner verzeichnet. Mit 67,2 Prozent der verzeichneten Fälle machen die Männer dem Begriff Streithahn alle Ehre – gerade im Vergleich zu den Frauen mit nur 32,8 Prozent.

Friedlicher Odenwaldkreis

Dennoch: An der Bergstraße geht es deutlich ruhiger zu als bei den Nachbarn in Mannheim. Denn dort wurden 29,7 Streitfälle pro 100 Einwohner berechnet. Noch friedlicher als die Bergsträßer sind die Menschen im Odenwaldkreis – und zwar mit 20,5 Streitfällen pro 100 Einwohnern.

Zoff gibt es im Kreis Bergstraße vor allem über private Angelegenheiten mit 43,8 Prozent aller Streitigkeiten, gefolgt von Verkehrsthemen mit 24,7 Prozent und Zwistigkeiten rund um Arbeit und Unternehmen mit 14,6 Prozent. Weniger Stress gibt es in den Bereichen Wohnen und Mieten (11,9 Prozent) und mit nur 4,9 Prozent am wenigsten im Zusammenhang mit Behörden und Verwaltung.

Und, wer hätte es gedacht, dabei geht’s auch oft ums Geld: Mehr als jeder zehnte Streit (11,9 Prozent) übersteigt einen Wert von 10 000 Euro. Damit liegt die Bergstraße knapp über dem deutschen Durchschnitt. Tatsächlich geht es aber an der Bergstraße meist um Beträge bis zu 2000 Euro.

Auch interessant: Besonders häufig streiten Bergsträßer im Alter von 46 bis 55 Jahren (29,6 Prozent), gefolgt von den 36- bis 45-Jährigen (24 Prozent). Für einige womöglich überraschend gering erscheinen die Streit-Angaben zur Altersgruppe 18 bis 25 mit lediglich drei Prozent. Wenn sich die Bergsträßer streiten, dann geben sie nicht so schnell nach: 35,1 Prozent der Auseinandersetzungen dauern ein halbes oder gar bis zu einem ganzen Jahr. Allerdings ist jeder fünfte Konflikt relativ kurz mit einer Dauer bis maximal drei Monaten.

„Seit unserem ersten Streitatlas haben wir gut zwei Millionen Streitfälle in Deutschland ausgewertet. Dabei beobachten wir, dass die Menschen immer häufiger und heftiger miteinander streiten – insbesondere im privaten Umfeld“, berichtet Peter Stahl, Vorstandssprecher der Advocard. Fast die Hälfte aller Streitfälle – 48 Prozent – dauert zwölf Monate und länger. Im Vergleich zu 2016 haben diese Auseinandersetzungen um 4,5 Prozent zugenommen. „Das hängt verstärkt mit der Langwierigkeit von Gerichtsprozessen zusammen“, meint Peter Stahl.

Was lange währt, wird vor allem eins: teuer. Bei jedem zehnten Streit liegt der Streitwert bei mehr als 10 000 Euro – ein Anstieg um 2,8 Prozent zum vorherigen Streitatlas. „Gerade die Verfahrenskosten können ein Vielfaches des eigentlichen Streitwerts ausmachen“, sagt der Experte. Daher sei es sinnvoll, sich so früh wie möglich zu einigen, um unnötige Mehrkosten zu vermeiden.

Auf engem Raum wird’s brenzlig

Im Vergleich der Bundesländer wohnen die größten Streithähne im Norden und Westen der Republik und tragen dazu bei, dass das Streitaufkommen im Durchschnitt bei 24,7 Streitfällen pro 100 Einwohnern liegt. Besonders streitlustig sind die Stadtstaaten Berlin (29,2) und Hamburg (28,8). „Wo viele Menschen auf vergleichsweise engem Raum zusammenleben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Konflikte entstehen“, erklärt Stahl.

Das mag auch der Grund dafür sein, dass im bevölkerungsreichsten Flächenland Nordrhein-Westfalen besonders angespannte Stimmung herrscht (28,2), im Gegensatz zu beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit der geringsten Bevölkerungsdichte, mit 23,8 Prozent.

Knapp ein Drittel aller Streits findet in Deutschland, dem Land der Autofahrer und Autoliebhaber, rund um das Thema Straßenverkehr und Mobilität statt. Bei mehr als jedem Vierten (26 Prozent) steigen deswegen Blutdruck und Streitlust – zum Beispiel wegen vermeintlich ungerechtfertigtem Blitzen oder zu hoher Geschwindigkeit. Weitere häufige Streitgründe sind Verkehrsunfälle (23 Prozent) und Mängel bei neuen Fahrzeugen (10 Prozent), die zu großen Teilen im Zeichen des Dieselskandals stehen, so die Ergebnisse der Studie.

Noch mehr fechten die Menschen in Deutschland Konflikte im Privat- und Strafrecht aus – darauf entfallen rund 38 Prozent aller Streitfälle. Die Gründe reichen von Familienangelegenheiten wie Trennungen bis hin zu Reisemängeln. Das Arbeitsumfeld (13,1 Prozent) belegt den dritten Platz, auf Platz vier landet der Bereich Wohnen und Miete (11,3 Prozent) und auf Platz fünf Behörden und Finanzen (7,3 Prozent).

Wenn auf der Arbeit gestritten wird, dann geht’s meist ums Geld. Die Vergütung ist dabei der Hauptgrund (30,9 Prozent). Allerdings ist der Anteil an Streitfällen zu Arbeitsthemen in diesem Jahr um 0,3 Prozent leicht zurückgegangen.

Auch interessant: die regionalen Unterschiede im Bereich Wohnen und Miete. Dort, wo Wohnraum besonders knapp und daher hart umkämpft ist, wird auch oft gestritten. Berlin liegt dabei sogar 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Gründe für den Anstieg bei Wohnungsangelegenheiten können Eigenbedarfskündigungen oder auch die Mietpreisbremse sein, die bei Vermietern für Unmut sorgt. Wohnungskündigungen und zu hohe Mietkosten sind hingegen überall beliebte Streitgründe. Auch hoch im Kurs: Streit unter Nachbarn – von zu lauter Musik bis zu über den Zaun ragenden Ästen ist alles dabei.

Oft kracht’s um die 50

Generell werden knapp zwei Drittel aller Streitigkeiten von Männern ausgetragen (66,5 Prozent), Frauen scheinen das sanftere Geschlecht zu sein und sind mit 33,5 Prozent in Auseinandersetzungen verwickelt. Allerdings sind die Auslöser unterschiedlich: Männer sind schnell auf 180, wenn es um Verkehr und Mobilität geht. Hier streitet sich jeder Dritte (32,8 Prozent).

Frauen liegen dagegen bei Zoff im Bereich Privat- und Strafrecht vorn, mit 40,0 Prozent im Vergleich zu 37,6 Prozent bei den Männern. Bei den Damen verraucht die Wut allerdings schneller: Mehr als jeder fünfte Streit (21,5 Prozent) wird innerhalb von drei Monaten geklärt, Männer brauchen dafür in der Regel etwas länger.

In der Mitte ihres Lebens sind die Deutschen besonders streitsüchtig: Zwischen 46 und 55 Jahren zoffen sie sich – statistisch gesehen – am häufigsten (27,5 Prozent aller Streitfälle). Insgesamt nimmt aber auch der Anteil der jüngeren Streithähne deutlich zu: Vor rund zehn Jahren, im Jahr 2009, waren junge Erwachsene unter 36 Jahren für nur 13,9 Prozent aller Streitfälle verantwortlich – aktuell sind es 23,7 Prozent.

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