Bergstraße

Karl-Kübel-Schule Gelände musste am Sonntag weiträumig abgesperrt werden / Ob Unterricht stattfinden kann, war gestern Abend noch unklar

Sturm faltet Schuldach zusammen

Bergstraße.Mit welcher Wucht Sturmtief Eberhard am Sonntagnachmittag die Region traf, ließ sich problemlos am Zustand des Dachs der Bensheimer Karl-Kübel-Schule dokumentieren. Teile der Blech- und Holzkonstruktion lagen regelrecht zerknüllt und gefaltet wie eine alte Konservendose aufeinander, messerscharfe Trümmer flogen umher, Teile der Fassade drohten abzustürzen.

Bis in die Abendstunden waren 42 Männer und Frauen des Technischen Hilfswerks in Bensheim im Einsatz, um das Schlimmste zu verhindern. „Das Dach ist größtenteils entlang der Längsseite abgedeckt. Wir können aber niemanden hochschicken, das ist bei den aktuellen Windböen viel zu gefährlich“, erklärte Einsatzleiter Sascha Stein vor Ort. Offenbar hatte sich der Sturm unter der Konstruktion verfangen und diese aus der Verankerung gerissen. Das Gelände rund um das Berufliche Schulzentrum des Kreises am Berliner Ring wurde am Sonntag weiträumig abgesperrt.

Für die mehr als 2200 Schüler könnte dies Konsequenzen haben. „Ob am Montag Unterricht stattfinden kann, entscheidet die Schulleitung morgen in aller Frühe“, erklärte Landrat Christian Engelhardt am Sonntagabend auf Anfrage dieser Zeitung. Schulleiterin Ulrike Rüger werde sich die Lage anschauen. Engelhardt betonte, dass das Gebäude im Inneren nicht betroffen sei, die Gefahr von der Zuwegung ausgehe.

Heute stehen Klausuren an

Ein Unterrichtsausfall hätte massive Auswirkungen auf die Abiturienten an der Kübel-Schule, die heute dort Klausuren schreiben müssen. Für die künftigen Absolventen müssten Ersatzräume zur Verfügung gestellt werden. Wegen des Zentralabiturs können die Prüfungen nicht einfach nachgeholt werden.

Seinen Anfang nahm das Chaos gegen 14.35 Uhr. Nachbarn hatten den Schaden entdeckt. Zunächst wurde die Feuerwehr alarmiert, dann das THW. Die Spezialisten erkannten schnell, dass es die Windgeschwindigkeiten nicht zuließen, auf dem Hauptgebäude Sicherungsarbeiten zu beginnen. „Da geht Menschenleben eindeutig vor“, so Stein.

Aber auch so hatten sie alle Hände voll zu tun. Das Flachdach eines kleineren Anbaus der Schule drohte ebenfalls abzuheben. Es wurde gesichert und verschraubt, was sich aufgrund des Wetters aber als sehr arbeitsintensiv herausstellte. Mit einem Teleskoplader spannten die Rettungskräfte Stahlseile, während gut gesicherte Helfer in ziemlich luftiger Höhe gegen die Naturgewalt erfolgreich ankämpften. Zur Schadenshöhe konnten am Sonntag keine Angaben gemacht werden.

Während das Bensheimer THW an der Kübel-Schule seinen Schwerpunkt hatte, waren die Feuerwehren aus Bensheim, Schwanheim, Schönberg, Auerbach und Zell praktisch rund um die Uhr auf Achse. 60 Feuerwehrleute waren im Einsatz, Unterstützung kam zudem aus Heppenheim und Lorsch. Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn sprach am frühen Abend von bis zu 15 Einsätzen, bei denen unter anderem Bäume entwurzelt und Ziegel von den Dächern gepustet wurden. Schlimm erwischte es den SV Schwanheim: Das Vordach der Umkleidekabine wurde während des Spiels gegen Bobstadt zerstört. Auf die Darmstädter Straße, kurz vor dem Ortseingang von Auerbach, stürzte am Nachmittag ein großer Tannenbaum. Zehn Mann rückten mit drei Fahrzeugen und Motorsägen an, der Autoverkehr wurde einspurig an der Einsatzstelle vorbei geleitet.

Umgestürzte Bäume und lose Ziegel gab es auch in Lorsch und Einhausen, Lautertal, Lindenfels und Heppenheim sowie in Bürstadt, Lampertheim und Viernheim. Menschen kamen nach Angaben des kommissarischen Kreisbrandinspektors Werner Trares aber nicht zu Schaden. Es gebe ungefähr 150 Einsatzstellen im Kreisgebiet, so Trares. In der Lorscher Nibelungenstraße musste am Abend der beschädigte Kamin eines Einfamilienhauses von der Feuerwehr abgebaut werden.

In Winkel und bei Seidenbuch stürzten nach Angaben des stellvertretenden Stadtbrandinspektors Stefan Schepula Bäume auf die Fahrbahn, ebenso auf die B 47 oberhalb von Lautern. In Heppenheim-Kirschhausen knickte der Wind ein Verkehrsschild um, im Dr.-Heinrich-Winter-Weg wurde eine Hollywoodschaukel auf einen Balkon geweht.

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