Bergstraße

Wirtschaft Regionaler Außenhandel bleibt auf hohem Niveau / Die Industrie- und Handelskammer verbucht ein Plus bei Außenhandelsdokumenten

Südhessische Firmen setzen auf Export

Archivartikel

Südhessen.Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar stellte im vergangenen Jahr 40 169 Außenhandelsdokumente (2018: 35 453) aus und verbucht damit ein Plus von 13,3 Prozent. Diese Werte dokumentieren, dass viele Unternehmen in Südhessen nach wie vor auf den Export setzen.

„Dieser Zuwachs liegt zum Teil daran, dass europäische Unternehmen trotz der Zollunion mit der Türkei nahezu für jede Lieferung ein Ursprungszeugnis ausstellen müssen“, sagt Axel Scheer, Experte für Außenhandel bei der IHK. „Bereinigt um die Zuwächse durch die Türkei haben wir mit 36 916 ausgestellten Ursprungszeugnissen dennoch einen neuen Höchstwert und ein Plus von 4,2 Prozent“, sagt Scheer.

„Unsere Region ist traditionell stark exportorientiert. Die Exportquote im verarbeitenden Gewerbe liegt im Kammerbezirk der IHK Darmstadt bei 65 Prozent und damit deutlich über der für Hessen (55 Prozent) und für Deutschland (48 Prozent). „Trotz der weltweiten Unsicherheiten bewegt sich der Außenhandel weiterhin auf dem sehr hohen Niveau der vergangenen Jahre“, so der IHK-Experte.

Diese Einschätzung bestätigen auch die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für die ersten zehn Monate 2019. Danach betrugen die hessischen Exporte von Januar bis Oktober 54,24 Milliarden Euro (2018: 54,40 Milliarden Euro) und verloren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich 0,3 Prozent. Importiert wurden Waren im Wert von 84,36 Milliarden Euro (2018: 83,03 Milliarden Euro) und damit 1,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

„Die Entwicklung des Außenhandels stellt sich je nach Branche sehr unterschiedlich dar. Nach den uns vorliegenden Zahlen ist besonders bei chemischen und pharmazeutischen Produkten die Nachfrage aus dem Ausland gestiegen“, sagt Scheer. Von Januar bis Oktober wurden chemische Erzeugnisse im Wert von 10,67 Milliarden Euro (2018: 9,61 Milliarden Euro) exportiert – und damit elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Importiert wurden Waren im Wert von 6,74 Milliarden Euro (2018: 6,29 Milliarden Euro) und damit 7,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Ähnlich positiv lief es in der Pharmaindustrie mit einem Exportvolumen von 6,97 Milliarden Euro (2018: 6,42 Milliarden Euro) und einem Plus von 8,6 Prozent. Importiert wurden Waren im Wert von 6,82 Milliarden Euro (2018: 5,62 Milliarden Euro) und damit 21,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Rückgang im Automobilsektor

Anders sieht es in der Automobilbranche aus. Hier gingen die Exporte mit 3,23 Milliarden Euro (2018: 4,54 Milliarden Euro) um knapp 29 Prozent zurück. Auch die Importe sanken mit 7 Milliarden Euro (2018: 7,59 Milliarden Euro) um 7,8 Prozent.

Die Exporte in die USA betrugen im abgelaufenen Jahr von Januar bis Oktober 6,24 Milliarden Euro und sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (6,42 Milliarden) um 2,8 Prozent zurückgegangen. Im Gegensatz dazu haben die Importe erneut kräftig zugelegt. Importiert wurden in den ersten zehn Monaten Waren im Wert von 9,44 Milliarden Euro (2018: 8,75 Milliarden Euro; Plus 7,9 Prozent). „Der US-amerikanische Markt ist damit für die hessischen Unternehmen zum ersten Mal sowohl import- als auch exportseitig der wichtigste Markt weltweit“, sagt Scheer.

„Nachdem sich im Handelsstreit zwischen USA und China Entspannung abzeichnet, ist es jetzt umso wichtiger, dass auch die Streitigkeiten zwischen der EU und den USA beigelegt werden und das Thema Strafzölle endgültig vom Tisch kommt. Ein vernünftiges Freihandelsabkommen wäre nach wie vor die beste Lösung“, so der IHK-Außenhandelsfachmann.

China hat beim Export seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Die Ausfuhren dorthin betrugen von Januar bis Oktober 3,33 Milliarden Euro (2018: 3,14 Milliarden). Das ist ein Zuwachs von 6,0 Prozent. Importiert wurden Waren im Wert von 8,33 Milliarden Euro (2018: 8,91 Milliarden Euro; Minus 6,5 Prozent).

Wichtige Handelspartner

Zweitwichtigster Abnehmer bleibt weiterhin Frankreich. Die Exporte ins Nachbarland sind in den ersten zehn Monaten allerdings zurückgegangen, während die Importe erneut deutlich zugelegt haben. Exportiert wurden Waren im Wert von 3,94 Milliarden Euro (2018: 4,20 Milliarden Euro; Minus 6,2 Prozent) und für 6,06 Milliarden Euro importiert (2018: 4,89 Milliarden Euro; Plus 23,9 Prozent).

Die Exporte ins Vereinigte Königreich sind in den ersten zehn Monaten des Jahres deutlich zurückgegangen. Die Exporte betrugen 3,26 Milliarden Euro (2018: 3,71 Milliarden Euro) und sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,1 Prozent gesunken. Ein umgekehrter Trend zeigt sich bei den Importen von der Insel. Von Januar bis Oktober wurden Waren im Wert von 4,32 Milliarden Euro (2018: 4,22 Milliarden Euro) importiert. Das sind 2,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Großbritannien ist exportseitig nach den USA, Frankreich den Niederlanden und China nur noch fünftwichtigster Handelspartner für Südhessen. „Beim Brexit bleibt weiter die Frage, Deal oder No-Deal. Es ist kaum vorstellbar, dass es gelingt in der Übergangsphase bis Ende 2020 ein umfassendes Freihandels- und Partnerschaftsabkommen abzuschließen“, so IHK-Experte Scheer. Unternehmen sollten sich in jedem Fall darauf vorbereiten, dass es ab dem 1. Januar 2021 sehr wahrscheinlich Zollgrenzen zwischen der EU und dem Königreich geben wird und alle üblichen Zollformalitäten mit Drittstaaten greifen. Die IHK Darmstadt berät dazu und organisiert am 30. März eine Informationsveranstaltung. red

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