Bergstraße

Diakonie Träger zieht Bilanz der Arbeit im vergangenen Jahr: Steigende Zahl von Kunden – mehr Minderjährige und mehr Senioren / Ausgabestellen neu koordiniert

Tafeln brauchen neue und jüngere Helfer

Bergstraße.Die Arbeit in den Tafeln wird nicht weniger. In Hessen verteilen 57 Einrichtungen in mehr als 200 Ausgabestellen viele tausend Tonnen Lebensmittel pro Jahr. Über 100 000 bedürftige Menschen werden mit dem Notwendigsten unterstützt. Darunter etwa ein Drittel Kinder und Jugendliche.

Mit aktuell rund 40 Prozent ist der Anteil der Minderjährigen bei den Tafeln des Diakonischen Werks Bergstraße erneut leicht gewachsen. Insgesamt haben im vergangenen Jahr über 1500 Kunden die Ausgaben in Bürstadt und Rimbach sowie die Hauptstelle in Lampertheim besucht. Darunter über einhundert Menschen über 63 Jahren. Auch der Prozentsatz der Senioren steigt.

Ohne Ehrenamt keine Tafeln

Ein bürgerschaftlich initiiertes Erfolgsprojekt von hohem gesellschaftlichem Wert, sagt Susanne Hagen. „Doch ohne ehrenamtliches Engagement stehen die Tafeln auf dem Spiel“, so die neue Bereichsleiterin der Tafelarbeit im Diakonischen Werk.

Der evangelische Träger braucht personelle Kontinuität, um den Standorten mehr Planungssicherheit zu ermöglichen. Und das nicht nur wegen anhaltend starker Nachfrage, sondern auch, weil in den kommenden Jahren immer mehr ältere Ehrenamtler ausscheiden werden. Wenn kein frisches Blut nachkommt, könnte es mit der sozialen Lebensmittelverteilung bald vorbei sein. Die gesellschaftliche Anerkennung allein, die alle Tafeln genießen, reicht nicht aus.

Auch die Leiterin des Werks, Irene Finger, spricht von einem anstehenden Generationswechsel. Unter den aktuell 180 freiwilligen Helfern sind fast alle über 60 Jahre alt. Am Standort Rimbach sind vor kurzem auf einen Schlag vier Ehrenamtler aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen. „Das hat erhebliche organisatorische Probleme verursacht“, sagt Ute Weber-Schäfer. Sie ist als neue Koordinatorin im Team und betreut die drei Ausgabestellen vor Ort. Sie und Susanne Hagen bilden das neue Führungsteam der Tafelarbeit.

Mit der Neustrukturierung, die seit November von der Bensheimer Riedstraße aus für alle drei Standorte zentral organisiert wird, will der Träger elf Jahre nach der Gründung der Lampertheimer Ausgabestelle für die künftigen Herausforderungen besser gerüstet sein. Zumal sich in der bisherigen Leitung jeweils vor Ort personelle Veränderungen ergeben hatten, die einen Umbau erforderlich machten, heißt es.

Betriebswirtschaftlicher Blick

„Wir bieten eine existenzielle, praktische und unbürokratische Hilfe“, so Susanne Hagen, die seit über zehn Jahren bei der Diakonie arbeitet – unter anderem in der Seniorenarbeit und beim Jugendmigrationsdienst.

Ute Weber-Schäfer kommt von außen. Die selbstständige Unternehmensberaterin hatte eine neue Aufgabe im sozialen Bereich gesucht. Irene Finger geht davon aus, dass ein Blick von außen, zumal mit betriebswirtschaftlicher Brille, der Tafelarbeit sehr nützlich sein kann. Diese werde nicht weniger, aber auch nicht einfacher, sagt sie.

Die Qualität der Ware ist sehr hoch

Ohne die Ehrenamtlichen könnten die vielen Tonnen Lebensmittel nicht bei Großmärkten, Einzelhändlern, Discountern und Bäckereien abgeholt und verteilt werden. Aktuell kann sich die Tafel auf 115 Lieferanten verlassen. „Die Bereitschaft wächst, die Qualität der Ware ist heute sehr hoch“, so Ute Weber-Schäfer.

„Wir brauchen noch mehr politische und ideelle Unterstützung“, sagt Suanne Hagen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Trägern in Bensheim, Michelstadt und Viernheim funktioniere gut. Man verstehe sich als kreisweites Netzwerk, heißt es. Gemeinsam möchte man den Kunden Lebensqualität und – vor allem auch Kindern – eine ausgewogene und gesunde Ernährung ermöglichen.

Sachspenden sind ein Rückgrat der Initiative. „Wir können nur das weitergeben, was wir bekommen“, so Irene Finger, die unterstreicht, dass eine Tafel keine Vollversorgung bieten kann. Noch immer sei bei vielen Menschen eine Hemmschwelle erkennbar, die Dienste in Anspruch zu nehmen. Vor allem bei Senioren. „Die Tafel macht Armut sichtbar“, so Susanne Hagen.

Das neu formierte Team hofft auf jüngere Mitstreiter, um die Arbeit der Tafeln zu unterstützen. Schüler und Studenten, Migranten und in Teilzeit arbeitende Menschen sollen aktiv beworben werden. Auch das Patenmodell, das regelmäßige Einnahmen sichert, soll erweitert werden.

Ute Weber-Schäfer berichtet von einem anderen Beispiel, das den Trägern neue Köpfe bieten könnte: Sie habe von Unternehmen gehört, die ihre Vorruhestandsregelung an die Übernahme eines freiwilligen Engagements auf bestimmte Zeit koppeln. Wenn das Schule machte, so die Koordinatorin, könnte man die Bedrohung wegsackender Ehrenamtler wohl ein gutes Stück abmildern.

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