Bergstraße

Nachhaltigkeit Bergsträßer Umweltschützer und Landwirte fordern einen Stopp der Flächenversiegelung

„Unbegrenztes Wachstum ohne Zukunft“

Archivartikel

Bergstraße.Nachhaltigkeit erfordert die Anerkennung der Tatsache, dass unser Planet ein begrenzter Raum ist mit ebenso begrenzten Ressourcen. Darin sind sich die Vertreter des BUND-Kreisverbandes Bergstraße mit den Vertretern der Landwirtschaft im von Landrat Christian Engelhardt ins Leben gerufenen Nachhaltigkeitsbeirat einig. Eine Gesellschaft habe nur dann Aussicht, auf Dauer existieren zu können, wenn sie sich mit ihrer Wirtschaft und ihren sozialen Bedürfnissen innerhalb der auf der Erde vorhandenen Grenzen bewegt. BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter: „Wer in einem solchen Umfeld unbegrenztes Wachstum anstrebt, hat keine Zukunft.“

Der Nachhaltigkeitsbeirat werde also nicht umhin kommen, für den Kreis Bergstraße die Grenzen des Wachstums zu definieren. Zu den endlichen und damit klar begrenzten Ressourcen gehören landwirtschaftliche Nutzflächen. Sie sind die eigentliche Lebensgrundlage für die Menschen in der Region, denn nur auf fruchtbaren Böden lassen sich Lebensmittel in ausreichender Menge und Qualität erzeugen. Kreislandwirt Sebastian Glaser: „Es ist das genaue Gegenteil von Nachhaltigkeit, ständig neue Ackerflächen mit Beton und Asphalt zu überziehen. Bereits einem Grundschulkind ist klar, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann.“

In den Jahren 1992 bis 2012 hat die Landwirtschaftsfläche bundesweit um rund 860 000 Hektar abgenommen, was fast der gesamten Landwirtschaftsfläche Hessens entspricht, die 2015 noch 884 500 Hektar umfasste. Die Vereinten Nationen machen die Zukunftsfähigkeit einer Nation unter anderem daran fest, ob sie dauerhaft in der Lage ist, die in ihr lebenden Menschen auf der Basis der im Land zur Verfügung stehenden Agrarflächen ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Sebastian Glaser: „Städte und Kommunen, die ihr Heil in immer neuen Flächenausweisungen für Siedlungs- und Gewerbegebiete suchen, vergrößern zunehmend die Abhängigkeit der EU von Nahrungsmittelimporten aus den Entwicklungsländern und exportieren so den Hunger dorthin. Die EU nutzt derzeit außerhalb Europas bereits rund 640 Millionen Hektar Land.“

„Fatal“ sei diese Entwicklung aber auch vor dem Hintergrund, dass unversiegelte Böden in Europa stets von Vegetation bedeckt sind und somit einen zentralen Faktor bei der Bindung und Speicherung des Treibhausgases Kohlendioxid darstellen. Sie sind somit für den Klimaschutz unerlässlich. BUND-Kreisverstandssprecher Guido Carl: „Unabdingbar für die Einhaltung der Klimaschutzziele sind aber auch ein deutlich geringerer Energieverbrauch, der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger und der konsequente Ausbau der Nutzung regenerativer Energieressourcen.“

Der Kreis Bergstraße sei derzeit weit von einer CO2-Neutralität entfernt. Um sie zu erreichen, müssten ergänzend zur Energieeinsparung alle Möglichkeiten genutzt werden, die regenerative Energieressourcen bieten. Dazu seien auch die Potenziale an Wind- und Solarenergie auszuschöpfen. Guido Carl: „Nur die Dächer von kreiseigenen Liegenschaften mit Photovoltaik zu bestücken, reicht auch nicht ansatzweise, um beim Klimaschutz nachhaltig zu werden.“

Wenn es Landrat Christian Engelhardt wirklich ernst sei mit der Nachhaltigkeit für den Kreis Bergstraße, dann komme er nach Auffassung von Landwirten und Naturschützern nicht an einem Stopp der Flächenversiegelung und an einem konsequenten Ausbau von Solar- und Windenergie vorbei. red

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