Bergstraße

Hospiz-Akademie Einrichtung des Hospiz-Vereins Bergstraße stellt Bildungsprogramm für das neue Jahr vor

Unterstützung geben am Ende des Lebensweges

Archivartikel

Bergstraße.Die Hospiz-Akademie Bergstraße hat ihr neues Bildungsprogramm für 2019 veröffentlicht. Neben fachspezifischer Fortbildung sind aktuelle und praxisrelevante Workshops sowie Vorträge geplant. Damit richtet sich die Akademie an Menschen, die beruflich oder privat mit Sterben, Tod und Trauer befasst sind oder auch „nur“ über die Endlichkeit des Lebens nachsinnen wollen.

„Für Fachkräfte ist der Praxisbezug entscheidend“, so Dr. Swantje Goebel, die gemeinsam mit Doris Kellermann das Akademieprogramm verantwortet. Ihnen aktuelle fachspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, sei die erste Aufgabe. Neben Workshops zu Fachthemen wie Schmerzdurchbruch oder Verdauungsstörungen und einer zertifizierten Zusatzqualifikation für Pflegefachkräfte enthält das neue Programm erstmals auch einen multiprofessionellen Basiskurs Palliative Care. Berufsgruppen wie KrankenpflegeassistentInnen, AltenpflegehelferInnen, medizinische Fachangestellte oder etwa Verwaltungskräfte der Krankenkassen können sich für den Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen schulen lassen.

Angebote für interessierte Bürger

Darüber hinaus sind Veranstaltungen für interessierte Bürger im Programm, die sich über Fragen zum Lebensende informieren und mit anderen dazu ins Gespräch kommen möchten – etwa zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, über das Sterbefasten oder Trauer am Arbeitsplatz.

Eine vierteilige Veranstaltungsreihe richtet sich speziell an pflegende Angehörige und Zugehörige. „Wir möchten diese Gruppe stärken“, sagt Doris Kellermann, die in der ambulanten Hospizarbeit hautnah miterlebt, wie Menschen mit viel Herzblut und Engagement ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder umsorgen, oft über Monate und Jahre. In Vorträgen und Workshops können sie Pflege-Grundlagen erlernen und die eigene Rolle reflektieren, sich über Leistungen der Pflegeversicherung informieren und herausfinden, wie sie bei aller Beanspruchung für sich selbst gut sorgen können. Und sie können erfahren, woran erkennbar ist, wenn es ans Sterben geht – und was dann wichtig ist.

Für die Zeit der Veranstaltung bietet der Hospiz-Verein Bergstraße ehrenamtliche Unterstützung bei der Betreuung an. „Damit möchten wir Pflegepersonen die Teilnahme ermöglichen. Wie weit wir dabei den Pflegerealitäten gerecht werden können, wissen wir noch nicht genau. Aber wir möchten damit auch signalisieren, dass wir ihre Leistungen an der Gesellschaft wahrnehmen und wertschätzen“, erläutert die Soziologin Goebel.

Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die Statistik. Etwa 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause betreut, so wie dies meist auch ihrem Wunsch entspricht. Die Betreuung wird zum großen Teil von Frauen geleistet, und sie ist in der Regel eine Vollzeitaufgabe.

Unsere alternde Gesellschaft bringt immer mehr Familien in die Situation, dass ein Angehöriger pflegebedürftig wird und täglicher Unterstützung bedarf. Lösungen dürften deshalb nicht allein auf individueller Ebene gesucht werden, so Goebel. Vielmehr brauche es sozialraumorientierte und sektorenübergreifende Konzepte für die Altenhilfe, eine bessere finanzielle Ausstattung, die Vernetzung beteiligter Institutionen und Akteure und allem voran die Einbindung der Zivilgesellschaft. „Schließlich möchten wir doch alle in unserem vertrauten Umfeld möglichst lange selbstbestimmt und sozial integriert leben – und auch einmal dort versterben dürfen“, begründet sie die neue Herausforderung.

Sorgekultur an der Bergstraße

In diesem Jahr widmet sich der Hospiz-Verein deshalb verstärkt der Frage, wie kommunale Sorgekultur für Menschen am Lebensende an der Bergstraße gestaltet werden kann. Welche Strukturen gibt es bereits, und welche Angebote braucht es noch, um Schwerstkranken und ihren Familien die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen? Wo funktioniert Vernetzung, und was können wir davon lernen? Und was können wir alle selbst in unserem sozialen Umfeld, unserer Nachbarschaft, unserem Viertel miteinander tun – für ein Leben in Würde bis zuletzt?

Auch die Hospiz-Nacht, die anlässlich des 25-jährigen Vereinsjubiläums am 25. Oktober stattfinden wird, steht unter diesem Motto. Der Verein lädt interessierte Bergsträßer heute schon dazu ein.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen plus Anmeldemöglichkeit gibt der Hospiz-Verein Bergstraße auf seiner Webseite. Das Bildungsprogramm ist auch als Druckexemplar in der Geschäftsstelle (Sandstraße 11 in Bensheim) erhältlich. red

Info: www.hospiz-verein- bergstrasse.de/akademie

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel