Bergstraße

Volksbank Darmstadt- Südhessen Vertreterversammlung auf November verschoben / Bankenaufsicht BaFin fordert zum Verzicht auf

Volksbank hält an Dividendenplan fest

Archivartikel

Darmstadt.Die Volksbank Darmstadt- Südhessen will am Vorschlag einer Dividende von drei Prozent aus heutiger Sicht festhalten. Das sagte Vorstandssprecher Michael Mahr im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Der Vorschlag zur Gewinnverwendung für das Jahr 2019 steht noch, es gibt derzeit keinen Grund keine Dividende zu zahlen“, so Mahr mit Verweis auf die wirtschaftliche Lage im Vorjahr. Das Geschäftsjahr 2019 rechtfertige die Ausschüttung und in Sachen Eigenkapitalausstattung stehe die Volksbank gut da.

Welche Auswirkungen die Corona-Krise habe, sei aus heutiger Sicht aber noch nicht abzuschätzen, das müsse man sehen. Die Vertreterversammlung, die auch über den Dividendenvorschlag des Vorstands entscheidet, wird vom 4. Juni auf den 2. November verlegt.

Man habe sich bewusst gegen eine virtuelle Vertreterversammlung entschieden, so Vorstandssprecher Mahr. Üblicherweise kommen hier 500 Menschen zusammen, das falle aber unter die aktuellen Verbote von Großveranstaltungen. Außerdem sei bei Volksbanken in den Vertreterversammlungen der persönliche Kontakt untereinander sehr wichtig. Schon die regionalen Informationsveranstaltungen im März waren ausgefallen.

Die Verwendung der Gewinne aus dem Geschäftsjahr 2019 sorgt derzeit bei vielen Volksbanken für Diskussionen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte alle systemrelevanten Banken, etwa Großbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank, aufgefordert, ihre Dividende auszusetzen.

Die deutsche Finanzdiensleistungsaufsicht BaFin verlangte anschließend auch von anderen Banken, darunter Volksbanken, es den Großen gleich zu tun. Die Methode der Aufforderung erinnerte dabei recht eindeutig an eine Art Erpressung. In einem Artikel im BaFin-Journal vom vergangenen Monat schreibt BaFin-Exekutivdirektor Raimund Rösler einen sogenannten Appell.

Die überwiegende Mehrheit der großen Banken in Europa habe mittlerweile freiwillig erklärt, erst einmal auf Ausschüttungen zu verzichten, zumindest bis zum 1. Oktober 2020. „Ich gehe nun davon aus, dass die kleineren und mittleren deutschen Institute ihren Teil der Verantwortung übernehmen und vorübergehend keine Dividende ausschütten“, schrieb Rösler.

Dann wird er deutlich: „Wer aber entgegen allen Empfehlungen erlaubt, dass sein Institut in diesen schwierigen Zeiten ausschüttet, der sollte sich fragen, ob er noch das volle Vertrauen der Bankenaufsicht verdient“. In vielen kleinen Banken fühlte man sich an das aus Mafiafilmen bekannte Angebot erinnert, das man bekanntlich nicht ablehnen kann. Volksbank-Vorstandssprecher Mahr wollte das nicht kommentieren.

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