Bergstraße

Verkehr Auf der L 3111 ist am Samstag zwischen Hüttenfeld und Viernheim kein Durchkommen / Schützen nehmen Wildschweine ins Visier

Vollsperrung wegen Treibjagd im Viernheimer Wald

Archivartikel

Viernheim.Herbstzeit ist Jagdzeit – und am kommenden Samstag, 24. November, wird die L 3111 zwischen Hüttenfeld und Viernheim für den Verkehr gesperrt. Auf großen Schildern wird bereits auf eine bevorstehende „Treibjagd“ hingewiesen.

Ralf Schepp ist der Leiter des zuständigen Forstamtes. Er spricht lieber von einer Bewegungsjagd, einem generellen Oberbegriff für Jagden mit Treibern. Und ganz korrekt müsste man per definitionem wohl von einer Drückjagd sprechen.

Denn die Tiere sollen nicht gehetzt werden: Die Treiber „gehen da ganz gemütlich durch“, wie Schepp versichert. 70 Schützen werden an der Jagd beteiligt sein, dazu kommen weitere 30 Beteiligte. Es sind überwiegend die Treiber, teils führen sie Spürhunde, die das Wild finden und aufscheuchen sollen.

Der Forstamtsleiter sieht den Klimawandel als maßgeblichen Grund für den momentan hohen Wildtierbestand. Buchen und Eichen bildeten ihre Fruchtkörper – Bucheckern respektive Eicheln – infolge der Erderwärmung inzwischen nahezu jährlich aus, sagt Schepp. Wildschweine fänden ein reiches Futterangebot vor und seien wohlgenährt. Und ein viel größerer Anteil ihres Nachwuchses überlebe, weil die Winter immer milder würden, erläutert Schepp.

Tiere sind fitter und fetter

„Frischlinge werden ab dem Februar geworfen. Früher kamen von ihnen nur etwa 50 Prozent durch den Winter. Inzwischen sind es aber 75 Prozent.“ Wirklich kalte Winter mit längeren Kälteperioden unter fünf Grad minus seien vor 20 Jahren noch die Regel gewesen, inzwischen aber zur Ausnahme geworden.

Warum aber muss die Population dezimiert werden? Schepp nennt vor allem die steigende Unfallfrequenz auf der L 3111 und die höhere Gefahr von ansteckenden Krankheiten in einem großen Bestand.

Die Polizeistatistik weist von 2014 – mit 33 Unfällen – bis 2016 (44 Unfälle) eine steigende Zahl der Wildunfälle pro Jahr aus. 2017 wurden 20 Unfälle erfasst, im laufenden Jahr sind es bislang 31.

Vor vier Jahren war bei einem besonders schweren Unglück eine Frau umgekommen, die in ihrem Wagen verbrannte. Sie war mit einem Wildschwein kollidiert. Das Auto kam dann von der Straße ab und fing Feuer.

Auch für den Vorsitzenden des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Viernheim, Peter Dresen, steht die Notwendigkeit der Jagd außer Frage. Dresen ist selbst Jäger, wird aber in diesem Jahr nicht mitmachen. „Es ist wichtig, den Wildbestand auf ein richtiges Maß zurückzuführen“, betont er.

Zugleich müssten Autofahrer ihre Geschwindigkeit anpassen: „Wenn eine 80-Kilo-Sau angefahren wird, gibt es schnell Totalschaden.“ Immer wieder in der Diskussion ist ein Zaun, um schwere Unfälle beim Wildwechsel zu verhindern. Der BUND befürworte ihn, jedoch fehle es am nötigen Geld. Bezahlen will den Zaun laut Dresen weder Kommunen, Forstamt noch die landeseigene Straßenbehörde Hessen Mobil.

Forstamtsleiter Schepp bezweifelt auch die Verhältnismäßigkeit: Ein Zaun bedeute für sein Amt „einen sehr hohen Aufwand“. Zumal auch die Wirksamkeit nicht garantiert sei – Wanderer etwa bräuchten Tore, und durch die könnte dann auch Wild schlüpfen. Das sieht BUND-Mann Dresen anders, es gäbe durchaus geeignete Lösungen beim Bau eines Zaunes.

BUND fordert Wildzaun

Laut BUND würde ein Wildzaun auf einer Straßenseite ausreichen - das würde etwa 75 000 Euro kosten. Entsprechend wären bei einem Doppelzaun 150 000 Euro fällig. Die Befürworter eines Zaunes müssten sich ohnehin aber gedulden: Wenn bis 2022 ein Radweg entlang der L 3111 entstehen soll, wird vielleicht auch Geld für das Vorhaben da sein. Bis dahin werden wohl weitere Unfälle passieren.

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