Bergstraße

Vergewaltigungsprozess 47-Jähriger aus U-Haft entlassen

Von allen Vorwürfen freigesprochen

Bergstraße.Nach mehr als halbjähriger Untersuchungshaft konnte ein 47-jähriger Heppenheimer gestern das Gerichtsgebäude in Darmstadt als freier Mann verlassen. Ihm steht eine Entschädigung für die Zeit in Unfreiheit zu. Die 12. Große Strafkammer in Darmstadt sprach den wegen Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Freiheitsberaubung gegenüber seiner Ehefrau angeklagten Berufskraftfahrer von allen Vorwürfen frei. Zuvor hatten bereits Oberstaatsanwalt Klaus Reinhardt und Verteidigerin Andrea Combe (Heidelberg) Freispruch beantragt.

Bei den Plädoyers war – wie schon bei der früheren Vernehmung der Anzeigenerstatterin und Nebenklägerin – die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Angeklagte selbst hatte von Beginn an die ihm vorgeworfenen Taten bestritten.

„Wenn Aussage gegen Aussage stehen, so müssen diese, wenn weitere Beweisanzeichen fehlen, laut Bundesgerichtshof besonders intensiv geprüft werden“, begann der Vorsitzende Richter Christoph Trapp die mündliche Urteilsbegründung der Kammer. Die Zeugenvernehmung der Ehefrau aber habe erhebliche Zweifel an deren Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit zur Folge gehabt. Ihre Angaben hätten etliche Widersprüche enthalten. „In vielen Punkten waren sie nicht konstant“, fasste Trapp zusammen. So habe sie ihren Ehemann bei der Polizei zunächst nur wegen häuslicher Gewalt angezeigt. Auch im Sorgerechtsstreit um das gemeinsame Kind habe sie beim Familiengericht in Bensheim am 13. April eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben, in der von sexuellen Übergriffen keine Rede war. Diese habe sie erst vier Tage später auf weitere Befragung durch die Polizei geschildert. Man habe nicht aufklären können, fuhr Trapp fort, ob diese Aussage auf gezielte Nachfrage hin oder aus freien Stücken gemacht wurde.

„Die Kammer glaubt, dass sie aber in der Lage ist, sich zur Wehr zu setzten, sich staatlicher Hilfe zu bedienen und die Polizei einzuschalten“, spielte er auf zwei Vorfälle aus dem Jahr 2016 an, die die Ehefrau „umgehend“ der Polizei gemeldet habe. Warum sie dies nicht ebenso bei den nun verhandelten „vermeintlich deutlich schwerer wiegenden Vorwürfen“ wie Vergewaltigung und Freiheitsberaubung getan habe, sei nicht nachvollziehbar.

„Nicht unbeträchtlich“ und „keine Kleinigkeit“ nannte der Vorsitzende weitere Widersprüche, in die sich die Zeugin vor Gericht verwickelt habe, unter anderem bei Zeitangaben und Tatschilderung der vermeintlich schweren Misshandlungen, Erniedrigungen und Todesdrohungen. gs

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