Bergstraße

AfD-Wahlkampfveranstaltung Nach einer Strafanzeige wegen Körperverletzung ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Darmstadt

Vorwürfe von Schüler beschäftigen Justiz

Archivartikel

Bergstraße.Geschehnisse am Rande des Wahlkampfauftritts der AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch Mitte September in Bensheim-Auerbach beschäftigen die Staatsanwaltschaft in Darmstadt. Wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilte, liegt dort seit gestern eine Anzeige wegen Körperverletzung vor. Erstattet hatte sie ein Schüler aus Bensheim. „Dem Beschuldigten wird mit einer Strafanzeige vom 19. September vorgeworfen, einen 17 Jahre alten Jungen mit der Hand in das Gesicht geschlagen zu haben. Der Vorfall soll sich im Rahmen einer politischen Veranstaltung im Bürgerhaus ereignet haben“, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

Er habe mit einigen Altersgenossen zunächst an der Gegendemonstration vor dem Bürgerhaus teilgenommen, erläuterte der Schüler gegenüber dieser Zeitung. Später habe die Gruppe beschlossen, sich zu der AfD-Veranstaltung ins Bürgerhaus zu begeben, um „mal zu hören, was die da so reden“. Die Schüler hätten etwa 20 bis 30 Minuten den Redebeiträgen gelauscht.

Irgendwann hätten sie aber genug gehabt und entschieden, den Saal wieder zu verlassen. Dafür hätten sie eine Redepause, in der die anderen Teilnehmer geklatscht hätten, genutzt. Auf dem Weg nach draußen hätten sie einen „Wir sind mehr“-Sprechchor angestimmt – und seien sofort von Mitgliedern des Ordnerdienstes, den die Partei bereitgestellt hatte, angegangen worden. „Wir waren geschockt von dieser Aggressivität. Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir wurden vorher nicht einmal dazu aufgefordert, das zu unterlassen“, beschreibt er seine Eindrücke von der Szene.

Mehr Schock als Schmerzen

Kurz vor dem Ausgang seien die Schüler an einem Mann vorbeigekommen, der mehrere Schläge ausgeteilt habe, unter anderem an ihn selbst, sagt der 17-Jährige. Draußen hätten sie sich sofort an die Polizei gewandt. Die Beamten hätten zunächst die Personalien der Jugendlichen aufgenommen. Anschließend seien sie in den Veranstaltungsraum gegangen, um den Beschuldigten ausfindig zu machen, gegen den der Schüler wenige Tage später Anzeige erstattete.

Schwer verletzt habe der Schlag ihn nicht, sagt der junge Bensheimer. „Das Schlimme war der Schockmoment“, betont er aber. Es habe ihn entsetzt, angegriffen worden zu sein, weil er seine politische Meinung äußerte. Viele der anderen Jugendlichen seien sehr eingeschüchtert gewesen. „Uns ist so etwas vorher noch nie passiert“, sagt er.

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft mitteilte, habe die Polizei bereits Zeugen vernommen, bevor der Fall an die Anklagebehörde weitergeleitet wurde. Technisch gesehen sei somit bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, es gebe bereits ein Aktenzeichen. Da der Vorgang aber erst am Donnerstag in der Staatsanwaltschaft erfasst worden sei, habe der Dezernent der zuständigen Fachabteilung, die den Vorgang prüft, noch nicht die Gelegenheit gehabt, den Fall zu bearbeiten. Er werde nach Abschluss des Verfahrens feststellen, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht. Erst dann werde entschieden, wie es weitergeht.

Mehrere Zeugen des Vorfalls hatten berichtet, dass es sich bei dem Beschuldigten um ein führendes Mitglied der Bergsträßer AfD handelt. Die Staatsanwaltschaft bestätigte allerdings nur, dass die Person „politisch aktiv“ sein soll. Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen weder der Name noch die Funktion oder Parteizugehörigkeit öffentlich gemacht werden.

Der Name des Beschuldigten ist der Redaktion dieser Zeitung bekannt. Auf Nachfrage gab er an, sich im Hinblick auf das schwebende Verfahren nicht zu der Sache äußern zu wollen. Aus dem Vorstand der Bergsträßer AfD heißt es, dass eine Gegenanzeige wegen Hausfriedensbruchs erwogen werde.

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