Bergstraße

Karl-Kübel-Stiftung Freiwilligendienst führt Jugendliche nach Indien und auf die Philippinen / Jubiläumstreffen für Ehemalige und Interessierte am 23. Juni

„Weltwärts“ neue Brücken bauen

Bergstraße/Bensheim.Der Abschied naht: Am 27. Juni werden 20 junge Menschen feierlich auf die Reise geschickt. Acht Monate lang werden sie in einer anderen Welt leben, wertvolle neue Erfahrungen sammeln und einer für sie fremden Kultur begegnen. Vor allem aber erhalten sie Einblicke in entwicklungspolitische Zusammenhänge.

All das ermöglicht der Freiwilligendienst „weltwärts“ seit zehn Jahren. Im Mittelpunkt des Programms stehen der Nord-Süd-Austausch und das gemeinsame interkulturelle und globale Lernen. Als offiziell anerkannte Entsendeorganisation ist die Bensheimer Karl-Kübel-Stiftung (KKS) von Anfang an dabei.

Sie schickt die Teilnehmer in ausgesuchte Partnerprojekte in Indien und – seit 2015 – auf den Philippinen. Am Einsatzort unterstützen die Freiwilligen die Partnerorganisationen der Stiftung bei ihrer Projektarbeit. Die Aufgaben reichen von der Dokumentation der Aktivitäten über Bildungs- und Sozialprojekte bis zur kreativen Arbeit.

Im globalen Süden sind die Jugendlichen Brückenbauer zwischen den Kulturen und – nach ihrer Rückkehr – Multiplikatoren zur Verbreitung ihres neugewonnenen Wissens. „Sie lernen die Welt aus einer anderen Perspektive kennen“, sagt Projektkoordinatorin Kirsten Sames von der KKS. Unterstützt wird sie dabei von Andrea Riehle, Teresa Bauriedel und Fachreferentin Monika Gerz.

Sie ist auch für das Programm Süd-Nord der KKS zuständig, das jungen Menschen aus Indien seit 2016 die Möglichkeit bietet, einen achtmonatigen Freiwilligendienst in Deutschland zu absolvieren. Die vier Einsatzplätze in den Bereichen Soziales, Naturschutz und Betreuung befinden sich im Raum Darmstadt, in Bensheim und in Heppenheim. Unter anderem ist die Behindertenhilfe Bergstraße mit im Boot.

„Gastfamilien und Einsatzstellen sehen das Programm und den dadurch angestoßenen interkulturellen Austausch als große Bereicherung“, sagt Sames. Umgekehrt sieht es nicht anders aus: „Für die jungen Erwachsenen ist es ein bedeutender Schritt, sich von der Heimat abzunabeln und knapp ein Jahr in einer vollkommen anderen Kultur zu verbringen. Und das nicht in den großen Metropolen, sondern in den ländlichen Regionen, wo sie in die Lebens- und Arbeitssituationen vor Ort eingebunden sind.“ Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland und werden in Zweierteams auf die Reise geschickt. „Das hat sich sehr gut bewährt“, so die Koordinatorin.

Seit 2015 sind auch die Philippinen in das „weltwärts“-Programm eingebunden. Im ersten Jahr ging es unter anderem auf die Insel Bantayan. Die Jugendlichen gehen als Lernende und respektvolle Gäste, aber auch als Botschafter ihrer Heimat. Bei Seminaren werden sie darauf vorbereitet. Die Auseinandersetzung mit Land und Kultur ist dabei ein wesentlicher Aspekt. „Die Teilnehmer lernen alles über ihre jeweilige Rolle im Projekt“, so Sames.

Sie stellt klar: Die jungen Menschen leisten keine Entwicklungshilfe. Doch sie sind aufmerksame, sensible Beobachter, die ihre Eindrücke dokumentieren und aufarbeiten. Ihre Arbeit vor Ort wird sehr geschätzt. Und kaum einer löst das Ticket gänzlich unbelastet: Die meisten engagieren sich schon länger in sozialen oder kirchlichen Projekten, zeigen interkulturelle Offenheit, wache Reflexionsfähigkeit und starkes Interesse für globale und entwicklungspolitische Zusammenhänge.

Nach ihrer Rückkehr, so beobachtet die Stiftung, seien viele Teilnehmer persönlich spürbar gereift. „Der Auslandsdienst fördert die individuelle Entwicklung und erweitert den Horizont“, so Sames. Viele richten ihr Studium danach aus, engagieren sich in NGOs oder initiieren zu Hause soziale Projekte. Kurz: „weltwärts“ bewegt und bleibt nicht als isoliertes Kapitel im Leben der Jugendlichen zurück. Die Berichte der Teilnehmer aus den vergangenen zehn Jahren bestätigen dies.

Bereichernde Erfahrung

Wer mit dem Dienst ins Ausland geht, schert aus dem Mainstream der stromlinienförmigen Berufsbiografien aus und wählt einen anderen, bisweilen unbequemen, aber gehaltvollen Weg. Viele nutzen dies als bereichernde Erfahrung vor der akademischen Laufbahn.

In den Gastländern werden die Freiwilligen direkt nach der Ankunft auf ihr neues Leben vorbereitet. Danach geht es in die von Mentoren begleiteten Projekte. Aber auch die Entsendeorganisation pflegt einen engen Kontakt: „Wir wollen jeden einzelnen kennen“, sagt Sames zum Anspruch der Stiftung, die ihre Brückenbauer auch nach der Heimkehr begleitet. Im Internet werden die Erfahrungsberichte aus der Projektarbeit veröffentlicht.

Am 23. Juni findet im Bürgerhaus Kronepark eine besondere Retrospektive statt: Zum zehnten Geburtstag von „weltwärts“ blicken ehemalige Teilnehmer auf ihre Erlebnisse zurück. Das Treffen dient Austausch und Vernetzung, soll aber auch Interessierte ansprechen.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel