Bergstraße

Ernährung Zwingenberger Ernährungsexperten stellen US-Studie zur genbasierten Bitterstoff-Empfindlichkeit infrage

Wenn Rosenkohl zur bitteren Pille wird

Archivartikel

Bergstraße.Manchen Menschen läuft bei dem Gedanken an Brokkoli, Rosenkohl und Co. das Wasser im Mund zusammen, anderen eher ein Schauer über den Rücken. Doch für diejenigen, die nur selten etwas von den grünen Muntermachern auf ihre Teller packen, gibt es gute Nachrichten. Denn US-Forscher haben jetzt herausgefunden, dass ein Gen dahinter stecken könnte, dass manch ein Gemüse-Gegner Grünzeug zu bitter findet und deswegen nicht ausstehen kann. Auch Bergsträßer Ernährungsexperten kennen das Phänomen und erklären, wie man damit umgehen kann.

„Wir reden hier von einem Dein-Tag-ist-ruiniert-Level von bitter“, so eine der Studienautoren Jennifer L. Smith von der University of Kentucky, die die Ergebnisse auf einer Konferenz in Philadelphia vorgestellt hat. Und Schuld daran soll ein Gen sein, das manche Menschen in sich tragen: das Gen TAS2R38. Es codiert ein Eiweiß in den Geschmacksrezeptoren der Zunge und liegt in zwei Varianten vor: AVI und PAV. Menschen mit zwei AVI-Kopien sind kaum empfindlich, wenn es um bittere Stoffe geht. Wenn allerdings zwei PAV-Versionen vorliegen, dann gelten die Betroffenen als „Super-Schmecker“. Sie nehmen bestimmte Lebensmittel als extrem bitter wahr. Menschen, die eine AVI- und eine PAV-Kopie besitzen, liegen irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Für ein starkes Immunsystem

Auch wenn sie nicht jedem munden, gebe es viele gute Gründe, um Bitterstoffe auf den Ernährungsplan zu setzen. „Dadurch kann man die Darmgesundheit und das Immunsystem stärken – und das ist eine gute Sache, gerade jetzt in der Erkältungszeit“, erklärt Kristina Redner-Roth. Gemeinsam mit ihrem Mann Norman Redner setzt sie sich bei „ge-ko Gesundheitskonzepte“ in Zwingenberg für Sport und gesunde Ernährung ein – als Personal Fitness Trainer und Ernährungscoaches.

Die besagte Studie zur Beeinflussung des Geschmacksempfindens durch das Gen TAS2R38 ist auch ihnen bekannt. „Da bei der Studie allerdings lediglich 175 Probanden untersucht wurden, bleibt fraglich, wie aussagekräftig die Ergebnisse sind“, so Redner-Roth. Wichtig seien weitere Untersuchungen zu dem Thema mit einer größeren Probandengruppe. „Dabei könnte auch die Geschmacksentwicklung innerhalb des Lebens eines Menschen erforscht werden“, schlägt sie vor.

Dennoch sei die Tatsache interessant, dass einige Menschen gewisse Lebensmittel als besonders bitter empfinden. „Bei unseren Klienten konnten wir zum Beispiel feststellen, dass diejenigen, die sich vorzugsweise von Fertignahrungsmitteln und wenig Gemüse ernährten, gewisse Startschwierigkeiten hatten“, so Norman Redner. Denn die Geschmacksnerven müssten sich erst an die Bitterstoffe gewöhnen. Das könnte auch erklären, weshalb man erst im Laufe seines Lebens auf den Geschmack bitterer Lebensmittel, wie zum Beispiel Kaffee, kommt.

„Bei Kaffee steht aber leider oft mehr der Effekt als der Geschmack im Vordergrund – der Zweck heiligt die Mittel“, erklären die beiden. Der Geschmack stellt sich erst später ein – als Folge von Gewöhnung. Allerdings bergen Bitterstoffe allerlei Vorzüge, die man dem Körper nicht vorenthalten dürfe. „Wer Bitterstoffe als besonders bitter empfindet, sollte sie als Mittel zum Zweck und Unterstützung für das Immunsystem und den Darm ansehen“, so Redner-Roth. Außerdem bewirken Bitterstoffe, dass man schneller satt wird, und vermindern Heißhunger auf Süßes. Der Geschmack stellt sich – nach Erfahrung der Ernährungscoaches – meist nach ein paar Wochen bis Monaten ein.

Im Tee und auf Salat

Kaffee gilt allerdings aufgrund der enthaltenen Gerbsäure nicht gerade als ein gesunder Bitterstofflieferant – im Gegensatz zu bitterer Schokolade. „Leider befinden sich in den heutigen Gemüsesorten, die man im Supermarkt findet, kaum noch Bitterstoffe“, erklärt Redner. Als besonders gute Bitterstofflieferanten gelten alle Kräuter, aber vor allem Enzianwurzel, Löwenzahnkraut und Wermutblätter; ebenso Kamille und Scharfgarbe. Diese könnten zum Beispiel im Tee Verwendung finden und den Salat aufpeppen.

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