Bergstraße

Kommentar

Wettrennen um den Impfstoff

Archivartikel

Er ist hoffentlich bald erfunden: der Impfstoff gegen das Corona-Virus. Denn je länger die Entwicklung dauert, umso verheerender werden die wirtschaftlichen und auch sozialen Folgen. Was die Produktion des Impfstoffs angeht, ist die Politik mit Forderungen wieder einmal schnell bei der Hand. Natürlich soll der Impfstoff möglichst im eigenen Land hergestellt werden, für alle verfügbar sein und gerecht verteilt werden. Doch so wird das nicht funktionieren. Vergessen wird gerne, dass eine Produktion von Millionen Dosen Impfstoff Geld kostet, das irgendjemand bezahlen muss. Die Pharmaindustrie wird in Vorleistung gehen und neue Maschinen, Abfüll- und Verpackungsanlagen bauen müssen. All das fehlt derzeit und Spritzen gibt es auch zu wenig. Wenn die Unternehmen jetzt investieren, können sie hinterher vom Verkauf der Impfstoffe profitieren. Das stimmt aber nur theoretisch. Denn die großen Impfstoffhersteller sind vorsichtig geworden. Beim Kampf gegen das Ebola-Virus 2014 und 2016 hat sich mancher die Finger verbrannt, weil er sich nur darauf konzentrierte und am Ende nicht genügend Impfdosen verkaufen konnte. Und da sind auch noch die Aktionäre der Pharmakonzerne, die den Vorständen nicht jede Risikoinvestition in eine Impfstoffproduktion durchgehen lassen werden. Schließlich wird es ein Wettrennen der Staaten geben. Jeder will die Impfstoffherstellung im eigenen Land angesiedelt wissen und die Pharmakonzerne locken. Ein Subventionswettlauf schon im Gange, finanziert übrigens mit Steuergeldern. Die US-Regierung fördert die Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen im großen Maßstab. Bedingung ist die Produktion in den USA.
 
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