Bergstraße

Sport Erstes Internationales Drohnenrennen in Worms mit 90 Piloten am Start / Elektronische Brille zeigt Bild der Kamera

„Wie in einem Computerspiel, nur vollkommen echt“

Archivartikel

Worms.Sie summen, schwirren, brummen und sausen wie aufgeregte Bienen durch den Parcours. Ziehen rasante Kreise, surren hoch und runter und schießen durch Tore hindurch. Das ungeübte Auge verliert sie schneller aus dem Blickfeld als einen Eishockey-Puck. Was in Worms über das Sportgelände des Bildungszentrums saust, sind Renndrohnen. Rund 90 Piloten lassen ihre ferngesteuerten Quadrocopter bei der ersten Internationalen Drohnenmeisterschaft durch Tore und um Fähnchen fliegen.

Heftige Beschleunigung

In nicht mal zwei Sekunden beschleunigen die etwa 500 Gramm schweren Copter auf 100 Stundenkilometer. Mit Tempo 130 bis 150 rasen sie in 20 bis 30 Sekunden durch die Hindernisse. Die Piloten sitzen derweil auf Stühlen und tragen eine elektronische Brille, mit der sie durch die Kamera der Drohne blicken. „Das ist wie ein Computerspiel, nur eben echt. Ich habe das Gefühl, ein Vogel zu sein und wirklich zu fliegen, wenn ich die Drohne steuere. Das gibt einfach einen Adrenalinkick“, erklärt Patrick Gantner aus Ludwigshafen-Friesenheim.

Der 32-Jährige ist mit seinem Team Flying Dragons Kurpfalz in Worms am Start. Die Mannschaft hat das Rennen überhaupt erst ermöglicht und die Aircrasher Drone Championships – die insgesamt neun Rennen in Deutschland veranstalten – in die Nibelungenstadt geholt.

Um eine Renndrohne fliegen zu können, sind Reaktionsschnelligkeit, ein ausgeprägtes technisches Verständnis und eine hohe Konzentration nötig. „Die Koordination von Hand und Auge muss passen, ich muss verstehen, wie sich das Flugobjekt in der Luft verhält und brauche im Rennen gute Reflexe“, erklärt Gantner, der seit November 2014 Renndrohnen fliegt. Mit seinen Coptern ist er auch international unterwegs, etwa in Spanien, Frankreich, der Schweiz oder China. Vor allem die Gemeinschaft und das Drumherum begeistern ihn. „Wo ich hinkomme, finde ich immer offene und hilfsbereite Menschen. Der Sport verbindet einfach“, sagt er.

Überwiegend junge Männer

Zwar sind die Drohnenpiloten überwiegend junge Männer. Aber es gibt auch Frauen, die diesen Sport betreiben, und das richtig erfolgreich: Daniela Seel nimmt für das Re-Run Racing-Team aus Frankfurt seit 2017 an Wettbewerben teil und hat gerade erst das größte deutsche Drohnenrennen in Friedewalde in Nordrhein-Westfalen gewonnen. Auch in Worms möchte sie so weit vorne wie möglich ankommen. „Die Geschwindigkeit, das Gefühl, in der Drohne zu sitzen, das ist unbeschreiblich“, erklärt sie die Faszination.

Parcours immer wieder geändert

„Klar ist der Sport von Männern dominiert, aber ich fühle mich total angekommen. Ich schraube und löte auch selbst“, betont Daniela. Zu dem Sport sei sie durch Zufall gekommen. Sie habe ein Video mit einem Drohnenflug durch einen Wald auf dem Internetportal Youtube gesehen, dass sie so fasziniert hat, dass sie das auch machen wollte, sagt sie, schnappt sich einen ihrer drei Copter und geht mit der Rennmaschine an den Start.

„Das ist wie die Formel 1 der Lüfte“, erklärt Andy Schnabel von den Aircrashern. Nach dem Qualifying, in dem die schnellste Rennrunde ermittelt wird, gibt es am Sonntag ein Massenstartrennen mit jeweils bis zu acht Teilnehmern pro Rennen. Der Parcours wird immer wieder geändert, damit es für die Fahrer interessant bleibt. Mal gibt es Vollgasstrecken, mal technisch anspruchsvolle Rennen.

„Da kommt es auf einen guten Start, eine passende Linienwahl und fahrerisches Können an“, erklärt er, während es einen metallischen Schlag auf der Strecke tut. Eine Drohne hat die Kurve nicht gekriegt und ist an einen Torrahmen geprallt. „So was kommt immer wieder mal vor. Auch Zusammenstöße während des Rennens“, sagt Andy. Aber zum Glück sei das ein Sport, bei dem man zwar einen Adrenalinkick bekomme, aber sich nicht verletze.

Wie hoch die Anspannung bei den Piloten ist, merkt der Zuschauer an der Nervosität vor dem Start. Auch während des Flugs sind die Piloten voll konzentriert.

Manch einer dreht sich mit und ahmt die Flugbewegungen der Drohne nach. Genauso zuckt der Lenker zusammen, wenn sein Gefährt abstürzt. Aber da die meisten Piloten auch selbst schrauben, können sie ihr Flugobjekt schnell selbst reparieren.

Info: Fotostrecke unter www.bergstraesser-anzeiger.de

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