Bergstraße

Schulsozialarbeit Kreis hat einheitliches Konzept entwickelt, das sich mit hessischem Angebot verzahnt

Ziel ist individuelle Förderung des Kindes

Bergstraße.Der Kreis Bergstraße hat ein neues Konzept der Schulsozialarbeit entwickelt. Wesentliche Neuerung ist eine Vereinheitlichung des Angebots, das fachliche und inhaltliche Standards definiert und von einer neu geschaffenen Stelle beim Jugendamt gesteuert werden soll. Dadurch erhofft man sich eine bessere Koordination der Bereiche Jugendhilfe, Schule und freien Trägern. Vom Jugendhilfe- und vom Kreisausschuss wurde das Konzept befürwortet, der Kreistag hat bei seiner vergangenen Sitzung einstimmig Grünes Licht gegeben.

Bis zu 18 000 Schüler

Das Angebot richtet sich an alle Grund-, Haupt- und Realschulen sowie an Förderschulen im Kreisgebiet. Gymnasien, berufliche und private Schulen sind dabei nicht vorgesehen. Sie sollen weiterhin von den Erziehungsberatungsstellen im Kreis bedient werden. Wer teilnehmen möchte, muss einen Antrag stellen. „Wir wollen nicht gegen, sondern mit den Schulen arbeiten“, so die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz, die unter anderem für den Bereich Jugend und Arbeit zuständig ist.

Sollten alle angesprochenen Schulen teilnehmen, würden etwa 18 000 Schüler von dem neuen Konzept partizipieren, so Susanne Pfaff von der Jugendhilfeplanung im Landratsamt. Die Probleme bei den förderbedürftigen Schülern lägen vor allem im sozialen und emotionalen Bereich. Sie geht davon aus, dass die konkrete Umsetzung des einheitlichen Angebots in der Fläche allerdings weder schnell noch einfach vonstattengehen wird. „Das wird eine große Herausforderung.“ Diana Stolz beziffert die Kosten bei voller Auslastung insgesamt auf maximal 1,6 Millionen Euro im Jahr.

Erhebliche Unterschiede

Getauft wurde es etwas sperrig als „Durch Hilfe erfolgreiche Lösungen mit Profis“, kurz HELP. Es soll sich laut Kreis erheblich von den bisherigen Programmen der Schulsozialarbeit unterscheiden. Anke Frischmuth vom Jugendamt bezeichnete es als „eine Art Best-of“ der bisherigen Arbeit. „Wir haben die erfolgreichen Aspekte übernommen und andere verbessert.“

Wie Diana Stolz betont, soll auch die neue Konzeption regelmäßig überprüft und laufend optimiert werden. Man verspricht sich so ein lernendes System, das dem konkreten Bedarf gerecht werden kann. Die vorhandenen Angebote sollen besser vernetzt und Ressourcen zielgerichteter zum Einsatz kommen, um jedem Schüler eine passgenaue Hilfe anzubieten, die sich nicht nur auf die Schule konzentriert, sondern auch auf die familiäre Umgebung ausgedehnt werden kann. Ziel ist es, jedem Kind eine Teilhabe an Bildung zu ermöglichen.

Ein lernendes System

Unter Schulsozialarbeit versteht man zunächst die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe. Die Rechtsgrundlage stellt das Kinder- und Jugendhilfegesetz dar. Im Zentrum des massiv überarbeiteten Bergsträßer Konzepts stehen sozialpädagogische Maßnahmen, die im gesamten Lebensumfeld des jungen Menschen zum Greifen kommen und darüber hinaus mit lokalen Angeboten verzahnt werden sollen.

Vom Anfang des Jahres gestarteten hessischen UBUS-Programm („Unterrichtsbegleitende Unterstützung durch sozialpädagogische Fachkräfte“), das landesweit 400 Stellen geschaffen hat, unterscheidet sich das Bergsträßer Konzept auf einer qualitativen Ebene: Während die UBUS-Kräfte den Unterricht begleiten und die Rahmenbedingungen verbessern sollen, geht es bei HELP um Kinder und Jugendliche mit ihren Familien. Kurz: UBUS hat das System im Blick, HELP das einzelne Kind.

Gemeinsam, nicht nebeneinander

Was UBUS abdeckt, fällt aus der Zuständigkeit des Kreises nun hinaus. Gleichzeitig sollen beide Angebote verzahnt werden. „Wir wollen gemeinsam agieren und nicht nebeneinanderher“, so Diana Stolz. Die Zusammenarbeit multiprofessioneller Teams und eine klare Mitsprache der Schulen sei dafür eine zentrale Voraussetzung.

HELP soll durch eine höhere pädagogische und präventive Qualität die Lern- und Entwicklungschancen der Schüler verbessern und darüber hinaus – als aufsuchende Hilfe – die familiäre Lebenswelt einbeziehen. Dafür sollen in den Teilregionen freie Träger aus dem Bereich Jugendhilfe eingebunden werden. Die Akteure vor Ort sind also nicht beim Landkreis angestellt. Eine genaue Zuweisung der Fachkräfte erfolgt durch das Jugendamt und richtet sich nach den Bedürfnissen vor Ort.

Durch die Zusammenarbeit von schule, freien Trägern und der öffentlichen Jugendhilfe – bei fließenden Übergängen – soll die Schulsozialarbeit im Kreis einheitlicher, inhaltlich besser und auch finanziell planbarer werden. HELP soll ab nächstem Schuljahr in die Umsetzung gehen.

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