Bergstraße

Erfinderlabor Zentrum für Chemie lud 16 Teilnehmer aus ganz Hessen zum Workshop nach Frankfurt ein

Zwei Bensheimer Schülerinnen forschen zum Thema Biotechnologie

Archivartikel

Bergstraße.Gleich zwei Bensheimer Schülerinnen haben in der vergangenen Woche an einem Praxis-Workshop zum Thema Biotechnologie teilgenommen: Hannah Merk (18) vom Alten Kurfürstlichen Gymnasium und Hannah Bohrer (17) vom Goethe-Gymnasium. Beide machen im nächsten Jahr ihr Abitur. Beim Erfinderlabor haben sie sich mit der Biosynthese in Mikroorganismen, der Herstellung von Proteinen und mit genetisch veränderten Naturstoffen beschäftigt.

Zum 26. Mal hatte das Zentrum für Chemie (ZFC) mit Sitz in Bensheim jeweils acht leistungsstarke Schüler eingeladen, um eine Woche lang im Dialog mit Wirtschaft und Wissenschaft eine gewichtige Zukunftstechnologie kennenzulernen. Partner waren diesmal die Frankfurter Goethe-Universität und das Zwingenberger Biotechnologie-Unternehmen Brain AG, wo die Teilnehmer am ersten Tag zu Gast waren.

Hochkarätige Bewerber

Unter knapp 200 hochkarätigen Bewerbern aus 73 hessischen Schulen hatte das ZFC im laufenden Schuljahr die besten ausgewählt und zu verschiedenen Workshops mit unterschiedlichen Themen eingeladen. „Die Biotechnologie verzeichnet jedes Jahr die größte Resonanz“, so Vorstand Dr. Thomas Schneidermeier. Das Interesse am Erfinderlabor sei konstant hoch, so der Lehrer aus Bensheim, der die Reihe seit 2005 organisiert. Bisher haben über 430 Top-Schüler teilgenommen. „Wir möchten Berufsperspektiven eröffnen und konkretisieren und dabei besonders umweltfreundliche Technologien in den Fokus nehmen.“

Das Erfinderlabor ist Teil der Initiative „Schule 3.0“, die in Zusammenarbeit mit Schule, Wirtschaft und Politik relevante Zukunftstechnologien in den Regelunterricht integriert, um jungen Leuten mehr Orientierung zu ermöglichen. Denn laut verschiedenen Studien fühlen sich viele Oberstufenschüler nicht ausreichend über ihre beruflichen Möglichkeiten informiert, so Schneidermeier bei der Abschlussveranstaltung. Im Bereich der Biotechnologie habe sich die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdreifacht. Sie gilt als wegweisende Querschnittsdisziplin mit enormem Einfluss auf industrielle Anwendungen und Produkte. Für ihre Forschungen in diesem Bereich wurde die US-Wissenschaftlerin Frances Arnold jüngst sogar mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Der Spaß steht im Mittelpunkt

„Der Spaß am Forschen stand immer im Mittelpunkt. Auch, wenn ein Experiment einmal nicht funktioniert hat“, berichtet ZFC-Projektleiterin Binke Friedrich (Karl-Kübel-Schule) aus den Frankfurter Labors. Die beiden Bensheimerinnen sahen das genauso. „Wir konnten an der Universität sehr viel selbstständig auf hohem wissenschaftlichen Niveau experimentieren“, so Hannah Merk aus Auerbach, die sich eine Karriere im Bereich Biotechnologie oder Biologie vorstellen kann. „Man will mehr wissen und wird motiviert zum tieferen Einsteigen in das Thema“, so die Top-Schülerin, die sich unter anderem bei der KjG Auerbach und in der AKG-Schülervertretung engagiert. Für ihr Team erläuterte die erfolgreiche Turnerin bei der TSV Auerbach in Frankfurt vor rund 200 Zuhörern präzise, wie man Proteine in Reinform gewinnen kann.

„Ein solches Maß an Disziplin, Freude und Energie ist wirklich eindrucksvoll“, so Helge Bode beim Finale des Erfinderlabors. Der Professor für Molekulare Biotechnolgie an der Goethe-Universität äußerte sich begeistert über den Elan und die intellektuelle Dynamik der 16 Oberstufenschüler. Die Teilnehmer seien allesamt in der Lage gewesen, ihr neu erworbenes Wissen sofort in die Praxis umzusetzen. „Das macht mir Hoffnung für die Zukunft“, so Bode weiter. Neben inhaltlichem Know-how haben die Jungforscher methodische Sicherheit und dramaturgischen Pep gezeigt.

Geballter Applaus im Hörsaal

Dafür gab es den geballten Applaus im Hörsaal des Fachbereichs Biowissenschaften, wo die vier Teams jeweils zehn Minuten Zeit hatten, um ihre Versuche in griffiger und allgemeinverständlicher Form einem interessierten Publikum zu erläutern. „Großes Kino!“, kommentierte Thomas Deichmann, Kommunikationschef bei der Brain AG in Zwingenberg. Er lobte die Teilnehmer ebenso wie den Ansatz des Erfinderlabors, relevanten Zukunftstechnologien bereits auf schulischer Ebene eine prominente Plattform zu geben.

Das kann Stephan Rollmann nur bestätigen. Der Referatsleiter Gymnasien im Hessischen Kultusministerium (HKM) stellt fest: „Im Unterricht kommt das Experimentieren leider zu kurz. Rollmann lobte er den Anspruch des ZFC, naturwissenschaftlich interessierte Schüler zu unterstützen und sie durch ein breitgefächertes Angebot auf Studium und Beruf vorzubereiten.

„Wir hatten die Möglichkeit, schulisches Wissen mit wissenschaftlichen Methoden zu verknüpfen und anzuwenden“, so Hannah Bohrer, die ebenfalls in Auerbach lebt und den Praxisbezug des Workshops lobt. Sie ist Mitglied im Landesschülerrat und spielt beim TC Blau-Weiß Bensheim Tennis – wenn sie sich nicht gerade mit Genclustern oder Plasmiden (DNA-Moleküle) beschäftigt.

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