Bergstraße

Verkehr Ab Jahresmitte müssen Lastwagen ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht auch für die Benutzung von Bundesstraßen bezahlen / Kontrollen ab B 38 und B 44

Zwei Lkw-Mautsäulen für den ganzen Kreis

Archivartikel

Bergstraße.Autofahrern, die auf den Bundesstraßen zwischen Zwingenberg und Heppenheim oder auch zwischen Lorsch und Lindenfels unterwegs sind, könnte der Blick auf die Straße künftig seltener als bisher von massigen Lastwagen versperrt werden.

Ab 1. Juli gilt die Lkw-Mautpflicht auf allen Bundesstraßen in Deutschland. Betroffen sind Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Wichen zuvor viele Lkw-Fahrer von den schon länger mautpflichtigen Autobahnen auf die Bundesstraßen aus, fällt zumindest dieser Anreiz weg.

In der Bensheimer Stadtverwaltung sorgt die neue Regelung für Optimismus. „Wir erwarten für den Verkehr und damit auch auf die Emissionen positive Auswirkungen“, sagt Matthias Schaider von der Pressestelle im Rathaus. Durch die Stadt verlaufen mit der B 3 und der B 47 gleich zwei Bundesstraßen.

Dass Bensheim nun eine Lkw-freie Zone wird, glaubt Schaider allerdings nicht. „Für manche Routen gibt es zu den Bundesstraßen keine wirklichen Alternativen“, gibt er zu bedenken. Die Lkw-Maut werde sicher nicht auf allen Strecken für Entlastung sorgen.

Große Entlastung nicht erwartet

Das Straßenverkehrsmanagement Hessen Mobil zeigt sich ebenfalls zurückhaltend. „Veränderungen durch die Ausweitung der Maut auf die Bundesstraßen werden nicht erwartet beziehungsweise können durch den Straßenbaulastträger nur durch einen Vorher-Nachher-Vergleich festgestellt werden“, teilt die Behörde mit.

Antje Schätzel, Sprecherin des Unternehmens Toll Collect, das von der Bundesregierung beauftragt wurde, das Mautsystem zu entwickeln, rät Betrieben aus allen Branchen, abzuklären, was die Ausweitung der Mautpflicht für sie bedeutet.

Das kostenpflichtige Straßennetz wächst ab Juli von 15 000 auf 52 000 Kilometer. Experten gehen davon aus, dass ab Juli bundesweit 30 000 Unternehmen zusätzlich für die Nutzung der Straßen zur Kasse gebeten werden. „Neben Logistikunternehmen, die im Nahverkehr unterwegs sind, sollten sich auch Unternehmen aus anderen Branchen informieren, ob ihre Fahrzeuge unter die Mautpflicht fallen, und entscheiden, wie sie zukünftig Maut bezahlen wollen“, empfiehlt Schätzel. Ausgenommen sind Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehren.

Es gebe unterschiedliche Möglichkeiten für die Mauterhebung. Zum einen könne eine On-Board Unit in den Lkw eingebaut werden, die dann automatisch die Maut erhebt. „Das ist die einfachste und komfortabelste Art die Maut zu bezahlen“, erklärt die Sprecherin. Eingebaut würden die On-Board Units in zertifizierten Servicepartner-Werkstätten. Das Gerät werde kostenfrei zur Verfügung gestellt, der Einbau sei vom Unternehmer zu tragen.

Zum anderen bestehe die Möglichkeit, die Maut im manuellen Verfahren zu bezahlen. Dafür steht neben der Einbuchung im Internet auch eine App für Smartphones und Tablets zur Verfügung. Außerdem ist die Einbuchung am Mautstellen-Terminal möglich, die an großen Tankstellen, Autohöfen und Raststätten bereitstehen. Allerdings wird es davon weniger geben als bisher. 3600 alte Terminals sollen durch 1100 modernere ersetzt werden. Der Schwerpunkt soll auf der mobilen Einbuchung liegen.

Für die Maut auf den Bundesstraßen werden Kontrollsäulen aufgebaut – im ganzen Bundesgebiet 600 an der Zahl.

Wie Toll Collect mitteilt, sollen solche Anlagen an zwei Orten im Kreis aufgestellt werden: an der B 38 in Fürth zwischen Im Wiesental und Krumbacher Straße und an der B 44 in Biblis zwischen Darmstädter Straße und Am Werrtor. An der B 3 und der B 47 sind bisher keine Säulen vorgesehen. „Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen“, unterstreicht die Pressesprecherin.

Sollte ein Autofahrer auf eine solche Säule stoßen, darf er sie nicht mit einem Blitzer verwechseln. „Sie dienen ausschließlich zur Mautkontrolle“, sagt Schätzel. Zu unterscheiden von Blitzern sind sie durch Größe und Farbe: Sie sind vier Meter hoch und blau oder grün gekennzeichnet.

Wie die Sprecherin ausführt, sollen zusätzlich zu den Säulen Mitarbeiter des Bundesamts für Güterverkehr kontrollieren, ob die Lastwagenfahrer die Maut bezahlen.

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