Einhausen

Radsport-DM Wie ein Einhäuser aus der Spitzengruppe der Jedermänner nach einem Sturz handelte

Die gute Platzierung war plötzlich egal

Archivartikel

Einhausen.Mit einem beeindruckenden Tempo flitzten die Teilnehmer der Deutschen Radsportmeisterschaften am Sonntag durch Einhausen. Bei Temperaturen von über 30 Grad waren die besten Sportler mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 46 km/h auf zwei Rädern unterwegs – auf einer Strecke von insgesamt knapp 230 Kilometern. Es gab allerdings auch Stürze.

Den Sieg holte sich, wie berichtet, Pascal Ackermann. Der Preis für die schnellste Runde ging an Jonas Rutsch. Die zwölf Kilometer bewältigte der junge Radsportler aus Erbach mit einem Tempo von über 50 km/h. Der Einhäuser Christian Sälzer überreichte ihm in Anerkennung dieser Leistung einen Scheck in Höhe von 1000 Euro.

Der fahrradbegeisterte Zahnarzt, der mit seiner Familie in der Weschnitzgemeinde wohnt, sorgte auch wegen einer anderen Begebenheit am Rande des sportlichen Geschehens für Gesprächsstoff – als eine Art Kavalier der Straße. Christian Sälzer hatte sich nämlich zuvor selbst am Wettbewerb beteiligt. Bevor die Elite an den Start ging, fuhr der Mediziner beim Jedermann-Rennen mit, und zwar weit vorne in der Gruppe der 20 Hobbysportler, die das Feld anführten. Gegen Ende der vierten Runde aber passierte es: Es gab einen Massensturz.

Jeder schnappte schnell sein Rad

Nahe der Brücke zum Wasserwerk Feuersteinberg beim Abbremsen vor dem Kreisel gerieten mehrere Fahrer plötzlich unglücklich aneinander und kamen bei der Karambolage unsanft zu Boden. Glück gehabt, stellten die Jedermänner erfreut fest, dass sie weitermachen konnten. „Jeder hat schnell wieder sein Rad geschnappt“, berichtet Sälzer, der ebenfalls hingefallen war. Als er sich gerade ebenfalls schnell wieder auf den Sattel schwingen wollte, um weiter Richtung Zielgerade zu fahren, den Zeitverlust aufholen, erblickte er allerdings einen Radler, den es bei dem Unfall schwerer erwischt hatte – er war unter eine Leitplanke gerutscht.

Radsportler Sälzer stellte seine sportlichen Ambitionen angesichts des Unfalls umgehend zurück, pfiff auf die angestrebte gute Platzierung und leistete Soforthilfe. Der ihm unbekannte Jedermann-Radler hatte eine Platzwunde am Arm und mehrere Schürfwunden am Rücken erlitten. „Ich habe mich einfach menschlich zuständig gefühlt“, so der Zahnarzt, der seinen Einsatz nicht an die große Glocke gehängt sehen will, gestern auf BA-Nachfrage.

Er habe verwunderten Fahrern vor allem der Spitzengruppe aber natürlich erklären müssen, warum er überraschend abgeschlagen ins Ziel kam. Wegen seiner Verspätung landete er schließlich auf Platz 60. Auch der lädierte, aber dennoch sehr fitte Radler fuhr das Rennen nach der Verarztung und dem Dank dafür am Sonntag fertig.

Dass Radsportler nicht mit Scheuklappen unterwegs sind, sondern tätig werden, wenn Hilfe benötigt wird, beweist auch die Spendenaktion für Kristina Vogel. Die Doppel-Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Bahnradsport hat bekanntlich in der vorigen Woche bei einem Unfall im Training eine schwere Wirbelsäulenverletzung erlitten. Im Rahmen der Radsport-DM in Einhausen wurde zugunsten von Vogel ein Trikot von Peter Sagan im Wert von 1000 Euro versteigert.

Nach Auskunft des Veranstalters gestern verfolgten rund 5000 Zuschauer die Deutschen Radsportmeisterschaften live in Einhausen.

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