Einhausen

Frauenfrühstuck Pfarrer Stefan Kunz aus Bensheim referierte über das Leben eines der bekanntesten Widerstandskämpfer des 20. Jahrhunderts

Gandhi – Rebell von der Kindheit bis zum Tod

Einhausen.Der Todestag des indischen Rechtsanwalts, Widerstandskämpfers, Revolutionärs, Publizisten, Morallehrers, Asketen und Pazifisten Mohandas Karamchand Gandhi, hat sich im vergangenen Jahr zum 70. Mal gejährt. Unter dem Namen Mahatma Gandhi setzte er sich für die Unabhängigkeit Indiens und auch für die Gleichberechtigung der indischen Minderheit in Südafrika ein. Dies war für Pfarrer Stefan Kunz aus Bensheim Anlass genug, sich eingehender mit der Biografie des Befreiers Indiens zu beschäftigen.

Eingeladen von Ulrike Peter, der Sprecherin des Mitarbeiterkreises Frauenfrühstück, erzählte Pfarrer Kunz nun über das Leben des Widerstandkämpfers, Privatmannes und Familienvaters. Kunz erklärte das meist religiös verankerte Kastenwesen Indiens, in dem niemand mit jemanden aus einer anderen Kaste rede, so wie es früher wohl auch zwischen Großhausen und Kleinhausen gewesen sei, so der Pfarrer.

Gandhis Familie gehörte zur indischen Oberschicht, denn Männer der Familie waren Minister des Maharadschas. Gandhi wurde streng hinduistisch erzogen, seine Eltern galten jedoch als tolerant anderen Religionen gegenüber. Zentral für Gandhis spätere Gesinnung war das besondere Konzept Gewaltlosigkeit (Ahimsa). Es bedeutet, keine anderen Lebewesen zu verletzen oder zu töten und sein Leben so gewaltfrei wie möglich zu gestalten, denn nach dem Glauben an die Reinkarnation könne man ja als Ameise wiedergeboren und dann von achtlosen Menschen zertreten werden.

Aufbegehren mit 13 Jahren

Allerdings rebellierte er als Jugendlicher gegen die strengen religiösen Vorschriften der Familie. Mit 13 Jahren wurde er in einer lange zuvor arrangierten Ehe mit seiner gleichaltrigen Braut Kasturba verheiratet. Die Eheleute bekamen fünf Kinder. Gegen den Willen seiner sonst liebevollen Mutter und anderen Kastenangehöriger begann Gandhi mit 18 Jahren ein Jurastudium in London. Im Jahr 1891 bestand er die Abschlussprüfungen und kehrte als Anwalt nach Indien zurück, dass damals zum britischen Weltreich gehörte.

Schnell stellte Gandhi fest, dass er aufgrund seiner moralischen Prinzipien und seiner Schüchternheit für den Beruf nicht besonders geeignet war und den selbstbewussteren Kollegen immer nur zuarbeiten durfte. Durch einen anwaltlichen Auftrag gelangte er nach Südafrika und stellte fest, dass die indischen und schwarzen Einwohner unter starker Diskriminierung litten.

In den Jahren bis 1914 lebet er mit seiner Frau und zwei seiner Söhne in Südafrika und verhinderte diskriminierende Gesetze für die indische Minderheit. Unter seiner Leitung fand auch der Streik der Plantagenarbeiter statt, durch den die britische Kopfsteuer zurückgenommen wurde, berichtete Pfarrer Kunz.

Weltberühmt wurde Gandhi allerdings durch seine Bestrebungen, die indische Unabhängigkeit zu erreichen. Als er nach Indien zurückkam, brodelte es im Volk gegen die britische Besetzung. Er setzte sich an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung und wurde 1920 Mitglied im Nationalkongress.

Gandhi lebte als Asket und legte ein Gelübde ab, täglich zu spinnen und nur noch handgesponnene Kleidung zu tragen. Überliefert sei weiterhin, dass er als asketisch lebender Mensch Probleme mit seiner Sexualität gehabt habe, so dass er mit 37 Jahren beschloss, sexuell enthaltsam zu leben, was seine Frau sehr begrüßt habe, berichtete Stefan Kunz. Im selben Jahr wurde die Kampagne der Nichtkooperation ausgerufen, was bedeutete, die Briten gewaltlos unter Druck zu setzen, indem beispielsweise Steuerzahlungen eingestellt wurden und die Zusammenarbeit mit den Kolonialherren verweigert wurde. Es wurde zu gewaltfreien Demonstrationen aufgerufen, die jedoch nicht immer friedlich verliefen, so dass Gandhi für zwei Jahre ins Gefängnis musste.

Erschossen von einem Fanatiker

Berühmt wurde auch der Salzmarsch bei dem er mit 78 seiner Anhänger in 24 Tagen 400 Kilometer von Ahmedabad nach Dandi marschierte, um gegen das britische Salzmonopol zu protestieren. Danach produzierten die Inder wieder selbst Salz, was den Briten große finanzielle Verluste bescherte. Die Unabhängigkeit wurde im Juni 1947 erreicht, als der britische Premier Attlee die Teilung des indischen Subkontinent veranlasste. Im selben Jahr feierten Pakistan und Indien ihre Unabhängigkeit.

Ab da setzte sich Gandhi für die Gleichstellung von Hindus und Moslems ein und wurde deshalb von einem indischen Fanatiker am 30. Januar 1948 erschossen. Nach Gandhis Tod wurde sein Geburtstag zum Nationalfeiertag erklärt.

Ulrike Peter dankte Pfarrer Kunz für seine Ausführungen und lud zum nächsten Treffen am 19. Juni ein.

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