Einhausen

Nicht zum Walfangen: Ein Haarobber

Archivartikel

„Immer wieder wollen die Leute damit zunächst Fische fangen“, sagt Markus Hiller mit Blick auf das spitze Metallteil, das auch tatsächlich beim ersten Blick an eine Harpune erinnert. Dabei handelt es sich um ein ganz und gar friedliches Arbeitsgerät aus alten Zeiten. Befestigt an einen Holzstil wurde mit dem im Odenwald „Haarobber“ oder „Heirobber“ genannten Werkzeug Heu portionsweise aus einer Scheune gezogen.

Im Gegensatz zu heutigen Zeiten, in denen das Viehfutter in gepressten Ballen eingelagert wird, wurde das getrocknete Gras früher einfach lose in der Scheune verwahrt. Zusammengedrückt war es dann kaum möglich, es in kontrollierten Mengen wieder herauszubekommen, erklärt Hiller. Der häufig vom Dorfschmied hergestellte Spieß mit dem Widerhaken ermöglichte es den Landwirten jedoch, genau auf die Anzahl der Kühe abgestimmte Futterportionen herauszuziehen. „Die geringeren Verluste an Heu waren insbesondere im Odenwald, wo das Futter knapper war als im Ried, wichtig“, erläutert Hiller.

Das landwirtschaftliche Werkzeug ist dem ein oder anderen auch heute noch bekannt. Bettina Schneider und Ulrike Reinig identifizierten auf der BA-Facebook-Seite den Haken korrekt als „Haarobber“. Fritz Ehmke wusste außerdem: „Wurde in der Scheune verwendet, um das dort gelagerte Heu rauszuzupfen, um einen Trage-Korb zu füllen.“

Natürlich durfte die Mutmaßung nicht fehlen: „Das ist ne Harpune, falls mal ein Wal vorbeikommt.“ Andere Leser wollten mit dem Gerät Obst von den Bäumen holen oder Tabakblätter auffädeln. kel

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