Einhausen

Aufarbeitung Vertreter der Geschichtswerkstatt an der Geschwister-Scholl-Schule sprachen über ihre Vorstellungen von einem gemeinsamen Projekt mit der Gemeinde

Schüler sollen Spuren der Einhäuser NS-Zeit suchen

Einhausen.Frühestens im Sommer 2022 wird es eine umfassende Aufarbeitung von Geschehnissen in Einhausen in der Zeit des Nationalsozialismus geben. Frank Maus und Peter Ströbel von der Geschichtswerkstatt der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim haben den Mitgliedern des Sport-, Kultur- und Sozialausschusses am Dienstagabend ihre Herangehensweise bei einem gemeinsamen Projekt mit der Weschnitzgemeinde vorgestellt.

Die Kommune hatte bereits vor zwei Jahren bei der Geschichtswerkstatt angefragt – in der Hoffnung, eine Dokumentation über die lokale Historie zwischen 1933 und 1945 bis zum 1250-Jahre-Ortsjubiläum im vergangenen Jahr veröffentlichen zu können. Doch so schnell kann die Forschungsgruppe der Schule nicht reagieren. Die Lehrer und Schüler widmen sich immer nur einem Projekt, an dem sie dann mindestens zweieinhalb Jahre arbeiten. Aktuell ist die Geschichtswerkstatt noch mit der Aufarbeitung der Historie des Bensheimer Kaufhauses Ganz während der NS-Zeit beschäftigt.

Einhausen werde man sich frühestens ab dem Sommer 2020 widmen können, sagt Maus. Dennoch habe er zusammen mit Ströbel schon einmal vorgefühlt, welche Themen untersucht werden können. Ob ein umfassender Abriss aller Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 möglich sein wird, wie es die Gemeinde gerne hätte, ist jedoch noch offen.

Immerhin beschäftigen sich die beteiligten Lehrkräfte weitgehend in ihrer Freizeit mit der Geschichtsforschung. Ein Jahr lang werden Maus und Ströbel zunächst Literatur und Quellen sichten, erfassen und aufarbeiten. In einer zweiten Phase werden dann die Schüler einbezogen, üblicherweise Jugendliche aus zwei Geschichtskursen der Jahrgangsstufe 11.

Am Ende soll ein Buch erscheinen

Sie werden über sechs Monate hinweg die gefundenen Materialien unterrichtsbegleitend weiter auswerten, mögliche Zeitzeugen befragen und die Ergebnisse in Texte fassen. Im Anschluss werden die beiden Lehrer die Ergebnisse noch einmal umfassend überarbeiten. Dafür ist ein weiteres Jahr vorgesehen. Am Ende sollen die Ausarbeitungen in einem von der Gemeinde finanzierten Buch veröffentlicht werden.

Maus betonte, dass die Geschichtswerkstatt auf hohe Qualität achte. Verfahrensweise und Ergebnisse stünden universitären Projekten in nichts nach. „Gerade Aussagen zur NS-Zeit müssen wasserdicht sein“, sagte er. Dafür benötige man Zeit und insbesondere die Rückendeckung der Gemeinde. Man werde Kontakt zu örtlichen Geschichtsforschern, Vereinen und Bürgern aufnehmen und versuchen Zeitzeugen zu finden. „Nicht jeder möchte, dass Geschehnisse aus der NS-Zeit aufgedeckt werden“, weiß Maus. Letztlich gehe es jedoch keinesfalls darum, „jemanden bloßzustellen“.

Welche Vorkommnisse die Geschichtswerkstatt beleuchten wird, muss noch in Gesprächen mit der Gemeinde über die Auftragsvergabe geklärt werden. Maus ist bislang davon ausgegangen, dass die Kernaufgabe in der Aufarbeitung der Geschichte der jüdischen Bevölkerung liegt. Ausschussvorsitzender Reimund Strauch brachte aber noch andere Aspekte ein: etwa das Arbeitslager und den benachbarten Militärflughafen. Auch die Geschehnisse rund um die verordnete Zusammenlegung der Fußballvereine während der NS-Zeit sei es Wert, beleuchtet zu werden. „Die Vorstände wurden damals zwangsbestimmt und es wurde eine Wehrsportgruppe gegründet“, führte Strauch an. Er hat sich als Vorsitzender der SG Einhausen mit der Historie des Vereins beschäftigt, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird. „Wir müssen den Auftrag an die Geschichtswerkstatt noch einmal präzisieren“, fasste Joachim Wiegand (SPD) zusammen.

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