Einhausen

Pflanzaktion Am 27. Oktober verschenken der Bergsträßer Anzeiger und die Sparkasse Bensheim zum Jubiläum 1250 Jahre Einhausen insgesamt 1250 Pflanzen

„Wir wollen die Natur nach Einhausen bringen“

Einhausen.Zum Jubiläum 1250 Jahre Einhausen veranstalten der Bergsträßer Anzeiger und die Sparkasse Bensheim gemeinsam eine Pflanzaktion: Insgesamt 1250 kostenlose Pflanzsetzlinge werden am 27. Oktober in Einhausen an alle interessierten Bürger ausgegeben (siehe Infobox). Das fachliche Know-how kommt von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Der BA hat mit Kreisvorsitzendem Wolfram Grüneklee über die Aktion gesprochen.

Herr Grüneklee, warum beteiligt sich die SDW an der Aktion „1250 Pflanzen für Einhausen“?

Wolfram Grüneklee: Die SDW gratuliert der Gemeinde Einhausen ganz herzlich zur 1250-Jahr-Feier. Zusammen mit dem BA und der Sparkasse Bensheim wollen wir etwas Besonderes zu dem Jubiläum beitragen, nämlich Natur in die Gemeinde zu bringen. Als SDW sehen wir es als wesentliche Aufgabe, den Menschen zur Natur zu führen – wie könnte man das besser tun, als die Natur in Form von Pflanzen zu den Menschen zu bringen? Auch sehen wir die Aktion als wichtiges Signal, den neuen Trend in den Orten zu stoppen: Immer mehr Gärten werden mit Rasen und Kies gestaltet, was absolut naturfern ist. Diese naturfernen Gärten sind zwar pflegeleicht, bieten aber keine Nahrung für Insekten, keine Deckung für Tiere und keine Verbesserung des innerörtlichen Klimas in heißen Sommern.

Lavendel, Sanddorn, Speierling, Alpen-Johannisbeere und Edelkastanie: Warum wurden diese Pflanzen von der SDW ausgewählt und welche Pflanze eignet sich für wen?

Grüneklee: Wichtig ist uns, dass die Pflanzen nicht giftig sind und als Bienen-, Schmetterlings- und Insekten-Weide dienen können. Wir wollen aber auch alle Bürger von Einhausen ansprechen: Jene mit größeren Gärten, in denen ein Baum wachsen kann, ebenso wie die mit kleinen Gärten, wo sich eher die Sträucher oder der Lavendel anbieten.

Haben Sie als Experte Tipps für den Umgang mit den Setzlingen?

Grüneklee: Laubabwerfende Bäume und Sträucher können sehr gut im Herbst (nach dem Laubfall) gepflanzt werden. Die Wurzeln der Pflanzen wachsen bereits bei fünf Grad, ohne Blätter wird allerdings keine Photosynthese betrieben und daher nur wenig Wasser verbraucht. Aufgrund der großen Trockenheit in diesem Jahr sollten alle Pflanzen gewässert werden. Mitglieder der SDW beraten die neuen Strauch- beziehungsweise Baumbesitzer bei der Ausgabe der Setzlinge individuell.

Die Edelkastanie ist der Baum des Jahres 2018. Welchen Bezug hat sie zur Region?

Grüneklee: Ursprünglich stammt die Edel- oder Esskastanie, wie sie auch genannt wird, aus dem Kaukasus. Von den Römern wurde sie zusammen mit dem Wein in diese Region gebracht. Das Holz der Edelkastanie ist sehr dauerhaft und wurde daher lange Zeit für Rebpfähle verwendet. Erst im letzten Jahrhundert wurden die Edelkastanienpfähle hier durch Metallpfähle ersetzt. Für den Besitzer ist aber nicht nur das Holz von Bedeutung, sondern vor allem auch die essbare Kastanie. Sie wird schon als „Superfood“ gehandelt, denn sie vereint Kohlenhydrate mit Eiweiß, Ballast- und Mineralstoffen, ist reich an B-Vitaminen und hat einen hohen Vitamin-C-Gehalt. Allerdings kann mit der ersten Ernte der jetzt ausgegebenen Setzlinge erst in 15 bis 20 Jahren gerechnet werden.

Welche Bedeutung hat der Klimawandel für die einheimischen Wälder?

Grüneklee: Alle von seriösen Wissenschaftlern erstellten Prognosen gehen davon aus, dass es durch den Klimawandel im Sommer trockener und wärmer wird. Einen Vorgeschmack auf dieses Szenario haben wir dieses Jahr in Deutschland erlebt. Für den Wald bedeutet dies erheblichen Stress, da bei längerer Trockenheit auch die Böden in tieferen Schichten austrocknen und die Bäume an Wassermangel leiden. Dazu kommt, dass sich die meisten baumschädigenden Insekten bei Wärme und Trockenheit besonders stark vermehren und sehr aktiv sind.

Was kann man dagegen tun?

Grüneklee: Die SDW setzt sich für den Aufbau eines artenreichen und gestuften Mischwaldes ein. Reinbestände, egal welcher Baumart, werden bei der Änderung der Umweltbedingungen erhebliche Probleme haben. Durch die Beimischung von anderen Baumarten, die kleinflächig eingebracht werden, könnte ein Mischwald entstehen. Hierbei könnte übrigens auch die Edelkastanie bei uns eine Rolle spielen. Nach den heutigen Erkenntnissen hat die Edelkastanie das Potenzial, auch in einem Klima zu wachsen, das deutlich trockener und wärmer ist. Allerdings ist die Edelkastanie keine Wunderbaumart, die auf großer Fläche angepflanzt werden sollte. Kleinflächig – in Gruppen – als Mischbaum oder Waldrand gepflanzt, ist sie aber eine Bereicherung unserer Wälder.

Inwiefern bringt sich die SDW an dieser Stelle ein?

Grüneklee: Die SDW will den Menschen den Wald und die Natur näherbringen. Wir sehen die Aktion „1250 Pflanzen für Einhausen“ als hervorragendes Medium, die Menschen für die Natur zu interessieren und zu begeistern. Wer sich für die Natur interessiert, wird sich auch für sie begeistern und sich für ihren Schutz einsetzen. Wenn wir mit der Aktion die Begeisterung der Bürger von Einhausen für die Natur wecken und damit ihr Engagement für den Schutz der Natur hervorrufen, haben wir viel erreicht. Der Schutz von Umwelt und Natur ist das zentrale Anliegen der SDW und wir sollten damit sofort anfangen. Ganz so, wie es Professor Harald Lesch in seinem aktuellen Buch formuliert: „Wenn nicht jetzt – wann dann?“ rk

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