Heppenheim

Natur Spurtunnel sollen helfen, den Gartenschläfer aufzuspüren

BUND auf der Spur des „kleinen Zorro“

Heppenheim.Lebt der gefährdete Gartenschläfer an der Bergstraße? Dieser Frage geht in den nächsten Monaten der Kreisverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf den Grund. Sogenannte Spurtunnel, die kürzlich in den Heppenheimer Weinbergen angebracht wurden, sollen dabei helfen, der Schlafmaus mit der „Zorro-Maske“ auf die Spur zu kommen.

„Bislang wissen wir von naturkundigen Heppenheimern, dass Gartenschläfer bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Nordseite des Schlossbergs vorkamen“, sagt Sabine Knapp vom Kreisverband. „Ob sie auch heute noch in Heppenheim vorkommen, wollen wir jetzt herausfinden.“

Die Methode ist denkbar einfach: Laufen die Tiere durch die Plastikröhren, treten sie auf ein „Stempelkissen“ und hinterlassen ihre Spuren auf einem Blatt Papier. Da der Gartenschläfer besondere Schwielen an seinen Pfoten hat, lassen sich seine Spuren gut von denen anderer Kleinsäuger unterscheiden. Bis Oktober werden die Aktiven des Kreisverbands alle ein bis zwei Wochen die 20 an Bäumen und Sträuchern angebrachten Spurtunnel kontrollieren.

Bevölkerung um Mithilfe gebeten

„Eines Köders, um die Tiere anzulocken, bedarf es dabei nicht. Neugierig, wie sie sind, erkunden sie die Tunnel von selbst“, erklärt Susanne Schneider, Managerin Naturschutzprojekte beim BUND Hessen. „Wir freuen uns sehr auf die Untersuchung und hoffen, das Geheimnis um den kleinen Bilch zu lüften. Wir fühlen uns dabei ein bisschen wie Detektive bei der Arbeit“, so Schneider. Sie ruft zudem die Bevölkerung auf, gesichtete Gartenschläfer, die sich übrigens auch gerne in Vogelnistkästen einquartieren, möglichst mit Foto über die Internetseite www.gartenschlaefer.de zu melden. „Jeder Hinweis hilft uns, dem kleinen Nager auf die Spur zu kommen“, betont Schneider.

Der Gartenschläfer gibt Wissenschaft und Naturschutz große Rätsel auf. In Hessen geht es ihm nach derzeitigen Erkenntnissen zwar entlang der Flusstäler von Rhein und Main noch vergleichsweise gut. Doch aus vielen anderen Regionen Europas und Deutschlands ist der Gartenschläfer spurlos verschwunden. Warum, ist noch unklar. Auch aus dem Odenwald, wo er früher häufig vorkam, gibt es aktuell nur einen Nachweis aus Günterfürst.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, starteten der BUND, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung im Oktober 2018 die „Spurensuche Gartenschläfer“. Bis 2024 sollen eine umfassende Forschung sowie intensive Schutzmaßnahmen dabei helfen, die kleine Schlafmaus in großen Teilen ihres Verbreitungsgebiets in Deutschland zu erhalten.

Dabei werden die Forscher von vielen Freiwilligen unterstützt, die neben den Spurtunnel auch Nistkästen kontrollieren sowie lokale Schutzmaßnahmen umsetzen.

Dort, wo der Gartenschläfer als lästig empfunden wird – beispielsweise in Haus, Garten, Wein- oder Obstbau – soll das Projekt zwischen Mensch und Tier vermitteln und zeigen, dass ein Zusammenleben gut möglich ist. Die betroffenen Akteursgruppen werden zum Dialog eingeladen und an der Erarbeitung des Schutzkonzepts beteiligt.

Der Gartenschläfer ist eine sogenannte „Verantwortungsart“. Ein großer Teil seines Verbreitungsgebietes liegt in Deutschland. Die Erforschung des Verschwindens des Gartenschläfers ist damit Teil der nationalen Anstrengungen für den Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland, teilt der BUND in einer Presseerklärung mit. red

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