Heppenheim

Reichspogromnacht

Gedenken auch in Heppenheim

Heppenheim.Gemeinsam wollen das Evangelische Dekanat Bergstraße und die beiden evangelischen Kirchengemeinden in Heppenheim am kommenden Sonntag, 10. November, mit einem Gottesdienst ab 10 Uhr in der Christuskirche ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Die Predigt hält Anette Adelmann, Generalsekretärin des Internationalen Rats der Christen und Juden (ICCJ) mit Sitz in Heppenheim.

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle ist in ihren Augen nicht allein ein Angriff auf die jüdische Gemeinde, sondern auch auf das christliche Selbstverständnis und die Grundwerte des demokratischen Rechtsstaats. Dies erfordere eine entschiedene Antwort der Kirchen und der gesamten demokratischen Gesellschaft. „Weil Antisemitismus demokratische Werte zerstört, müssen sich alle Demokraten schützend vor die Opfer stellen“, so Adelmann.

Die Diplomtheologin sprach sich dafür aus, antisemitisch motivierte Straftaten deutlicher als solche zu benennen und zu ahnden. Schmierereien an Synagogen oder jüdischen Friedhöfen seien nicht bloße Sachbeschädigungen, sie hätten eine andere Dimension als Schmierereien an einer Bushaltestelle. Gleiches gelte für Beschädigungen an Kirchen oder Moscheen.

„Antisemitismus ist wie ein Virus“

„Jeder Antisemitismusbericht seit 2012 hat in Deutschland eine Zunahme der Judenfeindschaft nachgewiesen. Antisemitismus ist wie ein Virus. Er war schon immer in der Mitte der Gesellschaft und nun ist er in der Öffentlichkeit angekommen“, so Adelmann weiter. Mit Blick auf die bevorstehenden Gedenkveranstaltungen am 9. und 10. November bedauert sie, dass in Deutschland „eine eher verkopfte Gedenkkultur“ vorherrsche.

„Es gibt großartige Reden, aber sie erreichen häufig nur jene, die ohnehin solidarisch sind und nicht mehr überzeugt werden müssen. Wie können Menschen sensibilisiert und aktiviert werden, die bislang desinteressiert sind und meinen, Antisemitismus geht sie nichts an?“, so Adelmann. „In Israel ertönen am Holocaustgedenktag jedes Jahr für eine Minute die Sirenen und das ganze öffentliche Leben steht still. Das ist eine Situation, der sich niemand entziehen kann und will.“ zg

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