Heppenheim

Kreiskrankenhaus Chefärztin informiert über Hilfsmöglichkeit

Inkontinenz ist kein Tabuthema

Archivartikel

Bergstraße/Heppenheim.Es gibt Dinge, über die spricht man nicht oder zumindest nicht gerne. Inkontinenz (Blasenschwäche) gehört dazu. Dr. Cordula Müller hingegen macht das scheinbare Tabu zum Thema, ganz bewusst und in der Hoffnung, viele Menschen zu erreichen. Die Medizinerin ist Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus Bergstraße und Spezialistin in der Therapie von Inkontinenzleiden bei Frauen. Ihrer Fachabteilung an dem zum Heidelberger Universitätsklinikum gehörenden Kreiskrankenhaus in Heppenheim ist ein Kontinenz- und Beckenbodenzentrum angegliedert.

Kernbotschaft der Fachärztin, die im Februar aus Frankfurt an die Bergstraße gewechselt ist: Es lohnt, über Blasenschwäche ganz offen zu sprechen. Denn Hilfe ist möglich. Medikamente und Hilfsmittel, Spezialtampons und Pessare zum Stützen der Harnröhre gehören dazu und bieten Betroffenen umfassende Unterstützung und Linderung, so dass Einschränkungen im Leben sehr gut in den Griff zu bekommen sind. Auch ist ein operativer Eingriff denkbar. Zudem gilt: Zurückhaltung beim Genuss von Kaffee und schwarzem Tee können ebenfalls dienlich sein. Des Weiteren ist Vorbeugen sowie eine Therapie durch Beckenbodentraining in vielen Fällen möglich.

Allein in Deutschland sind acht Millionen Menschen von Harninkontinenz betroffen. Nicht selten ziehen sich Betroffene im Wissen um ihre Blasenschwäche mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Betroffen sein können Menschen aller Generationen, wobei Inkontinenz mit zunehmendem Alter vermehr auftritt. In der Gruppe der Frauen ab 45 Jahren leide ein Drittel unter Inkontinenz. Bei der Belastungsinkontinenz, mehrheitlich bei Frauen diagnostiziert, reicht manchmal schon ein Niesen oder ein Husten, um ungewollten Harnabgang zu verspüren.

Beispiel einer 25-Jährigen

Ganz und gar nicht untypisch sei das Beispiel einer 25-jährigen zweifachen Mutter. Immer wieder habe diese gespürt, dass bei Bewegungen die Blase den Urin nicht halten kann. Die begeisterte Joggerin habe Schluss mit ihrem Sport gemacht, auch ihren Kindern hinterherrennen sei kaum noch möglich gewesen, und das Tragen weißer Hosen im Sommer wurde ebenso passé. Bei der jungen Frau wurde eine Belastungsinkontinenz diagnostiziert: Die Geburt der Kinder war an Bindegewebe und Beckenboden nicht spurlos vorbeigegangen. In diesem Fall halfen die Ärzte mit einer Operation. Ein kleines Bändchen wurde locker V-artig um die Harnröhre gelegt, so dass diese bei Sprungbewegungen Halt bekommt, ein unkontrolliertes Entleeren der Blase wird so verhindert. Die Bändchenmethode sei internationaler Standard, operiert werde minimalinvasiv, erklärt Dr. Müller. Ein bis zwei Nächte müsse die Patientin anschließend noch in der Klinik bleiben, dann könne sie gewöhnlich in ein ganz normales Leben zurückkehren. red

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