Heppenheim

Jahresbilanz Mehr als 840 Geburten in 2019 bedeuten deutlichen Anstieg / Schließung des Kreißsaals in Bensheim nicht alleinige Ursache

Kreiskrankenhaus erlebt Babyboom

Heppenheim.„Geboren in Heppenheim“: 843 Mal konnte dies so im gerade zu Ende gegangenen Jahr notiert werden. Statistisch haben demnach 2019 am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim jeden Tag zwei und mehr Babys das Licht der Welt erblickt. Auch am letzten Tag des Jahres, an Silvester, waren es noch mal drei: Eineinhalb Stunden vor dem Jahreswechsel kam an diesem Tag das zuletzt geborene Baby 2019 zur Welt. Und am nächsten Vormittag, kurz vor 9.45 Uhr, meldete sich auch schon das erste von zwei Neujahrsbabys. Das Kreiskrankenhaus erlebt einen anhaltenden Babyboom.

Die Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Ursula Hurst, kann denn auch eine positive Bilanz für die Geburtsklinik des zum Heidelberger Universitätsklinikum gehörenden Hauses ziehen. Der Bereich ist gut aufgestellt, für die Region hat er zentrale Bedeutung, auch wirkt das Renommee überregional. Dr. Hurst, die sich zum Ende dieses Monats in den Ruhestand verabschiedet und die Verantwortlichkeit an eine Nachfolgerin übergibt, ist zufrieden mit der Entwicklung. Die Weichenstellung ist ausgerichtet an gegenwärtigen wie künftigen Anforderungen.

Klinik reagiert auf Zuspruch

Auf den in den zurückliegenden zwölf Monaten deutlich gestiegenen Zuspruch in der Geburtshilfe hat das Kreiskrankenhaus mit personellen und räumlichen Erweiterungen, Neuausrichtung von Strukturen und Ausdehnung des Sprechzeitenangebots reagiert. Zudem wird die Planung der laufenden Generalsanierung des Hauses der Situation angepasst. Ursprünglich war angedacht, Kreißsäle und Mutter-Kind-Station zu renovieren;, jetzt sollen beide Bereiche komplett neu gebaut werden, was mehr Raum bringt – unter anderem soll es, so die neuen Überlegungen, einen vierten Kreißsaal geben.

Knapp zwanzig Prozent liegt die Geburtenzahl 2019 über der des Vorjahres, und es ist davon auszugehen, dass sich die Aufwärtstendenz fortsetzt. Dabei spielt das Aus für den Kreißsaal am Heilig-Geist-Hospital in Bensheim eine Rolle. Im Oktober schloss die dortige Geburtsklinik ihre Pforten auf Dauer.

Die deutliche Aufwärtsentwicklung am Kreiskrankenhaus hat aber schon früher eingesetzt. Kontinuierlich haben die Chefärztin und ihr Team die Geburtshilfe weiterentwickelt. Das Leistungsspektrum im Haus ist heute breit angelegt und hat mit dem hebammengeleiteten Kreißsaal, kurz Hebammenkreißsaal, eine gewichtige Ergänzung gefunden.

Großes Einzugsgebiet

Der Hebammenkreißsaal ist zu Beginn des Jahres 2018 in Betrieb gegangen. Seitdem findet das Konzept viel Beachtung und großen Zuspruch, das lässt sich nach zwei Jahren in der Bilanz definitiv sagen. Der Einzugsbereich der Geburtsklinik in Heppenheim reicht inzwischen weit über den Landkreis Bergstraße hinaus. Auch aus Nachbarkreisen und von jenseits des Rheins kommen werdende Eltern nach Heppenheim.

Modell Hebammenkreißsaal

Im hebammengeleiteten Kreißsaal sind es die Hebammen, die das Geschehen verantworten. Anders wie sonst bei Krankenhausgeburten, bleiben Ärzte hier außen vor. Ihr Platz ist im Hintergrund. Was aber auch heißt, dass sie im Falle einer Komplikation sofort zur Stelle sind. Mit dem Hebammenkreißsaal ist die Lücke zwischen Hausgeburt und klassischer Krankenhausgeburt geschlossen, familiäre Atmosphäre, von Eltern erhoffte Intimität, und die Sicherheit eines Krankenhauses sollen in dem Konzept zusammenfinden.

Die Idee des Hebammenkreißsaals steht für eine Rückbesinnung auf die natürliche Geburt, was sich ins Gesamtkonzept der Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus fügt. Natürlichkeit hat dort, wo möglich, zu-nehmend Gewicht bekommen. Sichtbares Zeichen ist die Zertifizie-rung des Hauses als „Babyfreundliche Geburtsklink“. Dem im zurückliegenden Jahre verliehenen Qualitätssiegel liegen Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen zugrunde. Kernpunkt ist das Stillen und Hilfestellung dort, wo dies zunächst schwierig ist.

Rückbesinnung auf das Stillen

Dass inzwischen mehr als 98 Prozent aller jungen Mütter das Kreiskrankenhaus als Stillende verlassen darf als Ausdruck des Erfolgs gewertet werden. Dabei gilt die Botschaft: Muttermilch ist das Gesündestes, was ein Neugeborenes bekommen kann, und Stillen stärkt eine gesunde Mutter-Kind-Bindung. Letzteres wird zudem durch Bonding gefördert, das die Bindung zwischen Neugeborenen und Eltern vom Moment der Geburt an intensivieren kann. Auch das ist Teil der Unterstützung in der Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus und findet Platz in der Bilanz des zurückliegenden Jahres. zg

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