Heppenheim

Kirche Im Alter von 63 Jahren geht Diakon Peter Jakob in den Ruhestand / Seine Entscheidung für den geistlichen Beruf ist erst spät gefallen

Lieber Seelsorge als Verwaltungsarbeit

Archivartikel

Heppenheim.Einen Weg vom weltlichen in den geistlichen Beruf beschritt Diakon Peter Jakob, was ihn vermutlich besonders zum Diakon in der Gemeinde Sankt Peter und zuletzt im Pfarreienverbund für den sozial-karitativen Bereich prädestinierte. Nun geht der 63-Jährige in den Ruhestand. Seinen letzten Arbeitstag hat er schon hinter sich. Offiziell verabschiedet wird Jakob im Gottesdienst am 30. Dezember.

1999 Ausstieg aus dem alten Beruf

Als sich Jakob mit 43 Jahren dazu entschied, als hauptamtlicher Diakon zu arbeiten, fiel ihm das nicht leicht. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich 1999 via Kopiergerät meinem Arbeitgeber das Kündigungsschreiben gefaxt habe und der unausweichliche Schritt folgte, meine Entscheidung meinen Arbeitskolleginnen mitteilen zu müssen. Da habe ich schon geschluckt“, berichtete Jakob. Die Kolleginnen hätten sehr erschrocken reagiert, erinnert sich Jakob.

Der Begriff „Diakon“ entstammt dem Griechischen und meint ursprünglich den Diener, dem in der frühen Kirche besondere Dienste an Benachteiligten übertragen wurden, zum Beispiel die Armenpflege. Zum Diakon wurde Jakob bereits am 3. Juni 1995 vom Bistum Mainz geweiht; er arbeitete aber weiter bei der Handwerkskammer in der Lehrlingsrolle, war in seiner Heimatpfarrei Lampertheim kurze Zeit aktiv und wurde dann Dekanatsjugendseelsorger. Sein Amt als Gesamtpersonalratsvorsitzender bei der Handwerkskammer legte er direkt nach der Weihe nieder.

Zum Millenniumswechsel übte Jakob, nach einer kurzen Zeit in Viernheim, seinen geistlichen Beruf in einer Gemeinde in Steinheim aus, bis er vor 15 Jahren die frei gewordene Stelle des Diakons an der Pfarrei Sankt Peter übernahm, wo Günter Bartels in den Ruhestand gegangen war.

Zu seinen Hauptaufgaben gehörte die Altenseelsorge: Er kümmerte sich vor allem um die Senioren im Haus Johannes und in der Seniorenresidenz St. Katharina. Nachdem Monsignore Hermann-Josef Herd in Ruhestand gegangen war, wurde Jakob Präses der Kolpingfamilie. Er fungierte auch als geistlicher Rat für den Malteser Hilfsdienst und begleitete die Kräuterweihe des Frauenbundes und des Erbacher Heimat- und Kerwevereins.

In Zusammenarbeit mit Kolpingfamilie, Pfarrei und Martin-Buber-Schule entstand für Haupt- und Realschüler die Berufsfindungsaktion „Bufi“, wo der Diakon seine weltlichen Erfahrungen einbrachte. Die Schüler bekommen dabei die Möglichkeit, sich mit Referenten außerschulisch auszutauschen. Dazu lädt Jakob beispielsweise eine Referentin der Handwerkskammer, den ehemaligen Marktleiter von Rewe oder eine Knigge-Beraterin ein. Bevor es losgeht, müssen die freiwillig teilnehmenden Schüler einen Lebenslauf und eine Bewerbung vorlegen. Die Aktion findet seit 2007 statt und ist dieses Jahr wegen Corona ausgefallen, weshalb sich Jakob vorstellen kann, „Bufi“ auch im nächsten Jahr noch einmal zu organisieren. Das Zertifikat am Ende der Veranstaltung legen die Schüler ihren Bewerbungsmappen bei. Mit vielen ehemaligen Schülern hält er bis heute Kontakt, kann so ihren Werdegang weiter verfolgen.

Der Diakon erlernte ursprünglich den Beruf des Verwaltungsangestellten bei der Stadt Lampertheim und arbeitete dort zuletzt als Vollstreckungsbeamter. Auch den Wehrdienst absolvierte er.

Geboren wurde Jakob 1957 als Sohn eines evangelischen Vaters und einer katholischen Mutter in Worms. Schon vor der Erstkommunion war er Messdiener der Lampertheimer Maria-Verkündigung-Kirche. In der Jugend engagierte er sich in der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) und wurde von der Diözesanversammlung zum Diözesansekretär gewählt. Viereinhalb Jahre war er als solcher hauptberuflich in Mörfelden und dann in Offenbach (Gelbes Haus) zuständig. Die Einrichtung verfügte über Werkstätten und Gruppenräume für schwer vermittelbare Jugendliche. Danach ging er zur Handwerkskammer und arbeitete zunächst in der Meisterprüfungsabteilung. Während seiner CAJ-Zeit bekam Jakob die Möglichkeit, den Kurs „Staatlich geprüfter Sozialsekretär“ zu besuchen. Pfarrer Mückstein aus Dieburg schlug ihn schließlich zum Diakon vor. Es folgten Grund- und Aufbaukurs in Theologie im Fernkurs sowie ein Pastoralkurs an den Wochenenden und im Urlaub. Als lediger Mann schlug Jakob mit der Diakonweihe den zölibatären Weg ein. „Mit 43 Jahren ist mir die Entscheidung, zölibatär zu leben, leichter gefallen. Natürlich hatte ich diesen Schritt vorher mit meinen Eltern besprochen“, erklärte Jakob. Im Februar wird er wieder nach Lampertheim ziehen. Jakob liest und reist gerne und wird wohl des Öfteren auch seine je zwei Neffen und Nichten besuchen. dj

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