Heppenheim

InfectoPharm Bei dem Heppenheimer Unternehmen gibt es einen Wechsel in der Geschäftsführung / Erfolgreich in der Nische

Monika Zöller übergibt an ihren Sohn

Archivartikel

Heppenheim.Stabwechsel bei der InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH: Gründerin Monika Zöller übergibt den Vorsitz der Geschäftsführung ihrem Sohn Philipp Zöller. Gleichzeitig ist zum 1. Juli Schwiegersohn Michael Gilster in die Geschäftsführung des international tätigen Familienunternehmens eingetreten, das beweist, dass auch in kleinen Märkten wie der Kinderheilkunde große Chancen liegen können: Der deutsche Marktführer für pädiatrische Arzneimittel mit Sitz in Heppenheim wächst seit drei Jahrzehnten und weist jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich auf.

Alles begann mit Antibiotikum

Die Firmengeschichte begann mit einem Antibiotikum: Weil seine Tochter die bitter schmeckende Medizin nicht schlucken wollte, entwickelte der Diplom-Chemiker Manfred Zöller 1988 einen Penicillin-Saft mit süßem Kirschgeschmack und verbesserter Rezeptur speziell für Kinder. Wenig später gründete er mit seiner Frau Monika InfectoPharm. Seither entwickelt das Unternehmen im hauseigenen Labor aus bewährten Wirkstoffen neue Medikamente für Nischenmärkte. Das seinerzeit innovative Antibiotikum für Kinder wird noch heute verschrieben.

Monika Zöller (BILD: Infectopharm))hat seit der Gründung die Entwicklung des Unternehmens mitgeprägt und übernahm 2012 nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes den Vorsitz der Geschäftsführung. Nachfolger ist ihr Sohn Philipp Zöller (BILD: Funck), seit 2013 Mitglied der Geschäftsführung und ebenso wie Tochter Anna Gilster Pharmazeut. Da auch Schwiegersohn Michael Gilster seit Juli zur Geschäftsführung gehört, ist „die zweite Generation optimal vorbereitet“, wie Monika Zöller sagt: „Geschäftsführung und Mitarbeiter sind bereit für das weitere Wachstum, auch in den internationalen Märkten.“

InfectoPharm ist längst nicht mehr nur in Deutschland tätig. Mit mehr als 130 Präparaten, rund 220 Mitarbeitern, der 2015 integrierten Tochterfirma Pädia GmbH für rezeptfreie OTC-Produkte, einer Niederlassung in Wien und internationalen Partnerschaften erreicht das Unternehmen ein überdurchschnittliches Wachstum von jährlich rund 15 Prozent. Zum Portfolio zählen neben speziellen Medikamenten für die Kinderheilkunde auch längst Präparate für Erwachsene in den Bereichen der Dermatologie, Allergologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Ein ganzer Geschäftsbereich kümmert sich um einzigartige und lebensnotwendige Antibiotika, die im Krankenhaus intravenös appliziert werden. 2019 betrug der Umsatz rund 175 Millionen Euro. „In diesem Jahr wollen wir die 200-Millionen-Euro-Umsatzmarke knacken“, sagt Philipp Zöller.

Antibiotika auch gegen multiresistente Keime, Salben oder Asthma-Medikamente: Das typische InfectoPharm-Präparat ist ein Unikat für Nischenmärkte – etwa ein wohlschmeckender Saft statt großer Tabletten oder ein Arzneimittel mit optimierten Wirkstoffen, das seltener verabreicht werden muss. Neben den hauseigenen Rezepturen gewinnen internationale Kooperationen an Bedeutung. 2017 zählte die London Stock Exchange Group (LSEG) InfectoPharm zu den „1000 Companies to Inspire Europe“. Und das deutsche Statistik-Portal Statista rechnet 2020 zum dritten Mal in Folge InfectoPharm zu den „innovativsten Unternehmen“.

Kein Außendienst

Im Unterschied zu anderen Pharmaunternehmen verzichtet InfectoPharm seit jeher auf einen Außendienst. Vielmehr setzt das Unternehmen gemäß seinem Leitsatz „Wissen wirkt“ auf einen breit gefächerten, produktneutralen Beratungs- und Fortbildungsservice. Sein Name: „Consilium“. Drei verschiedene Angebote fördern den ständigen Dialog mit Ärzten und medizinischen Fachkreisen. Zugleich soll Consilium wichtige Impulse zur Entwicklung weiterer bedarfsgerechter Produkte setzen.

Zum Consilium zählen ein medizinischer „Fragen & Antworten-Service“ (über 300 Experten unterstützen bei rund 2000 Anfragen jährlich), etwa 30 deutschlandweite Fortbildungen mit rund 6000 Teilnehmenden jedes Jahr (seit der Corona-Pandemie auch online als Livestream) sowie wissenschaftliche Publikationen mit den gebündelten Erkenntnissen aus den Veranstaltungen und dem Beratungs-Service.

Die Inhalte der Fortbildungen und Publikationen sind zertifiziert, sodass Ärzte mit ihnen Fortbildungspunkte erwerben können.

Die Kombination aus Fortbildung und optimierten Arzneimitteln kommt bei Medizinern gut an: Seit Einführung der jährlichen Ärzteumfrage und der Auszeichnung „Goldene Tablette“ belegt InfectoPharm regelmäßig bei den Pädiatern den ersten Platz.

Auch das Bewusstsein für soziale Verantwortung ist nach eigener Einschätzung fest im Unternehmen verankert. Verwiesen wird auf die geringe Fluktuation unter den Mitarbeitenden und ihre Einbindung in die Unternehmensentwicklung. Bemerkenswert sei der hohe Frauenanteil von 58 Prozent in der Belegschaft, 36 Prozent in leitenden Funktionen. Dafür sprächen auch eine eigene Kinderkrippe, ein nachhaltiges Gebäudekonzept und die Initiative InfectoGreen für mehr Umweltschutz. Mit Erfolg: Seit 2020 arbeitet InfectoPharm klimaneutral.

Neues Geschäftsfeld

Monika Zöller wird der Geschäftsführung weiterhin beratend zur Seite stehen und insbesondere den Umbau des früheren Lagers in dringend benötigte neue Büros begleiten. Philipp Zöller will das InfectoPharm-Erfolgsrezept weiterführen: Entwicklung typischer Unikat-Präparate und weiteres Wachstum durch motivierte Mitarbeiter und strategische Neuakquisitionen. Ein neues Geschäftsfeld hat das Unternehmen erst im Februar 2020 mit dem Nahrungsergänzungsmittel SpermidineLife betreten. Es fördert die Selbsterneuerung der Zelle. Das Produkt hat laut InfectoPharm insbesondere in der Corona-Krise die optimistischen Erwartungen noch übertroffen – und das Portfolio erfolgreich erweitert. red

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