Heppenheim

Gleichberechtigung Junge und Frauen Union diskutieren

Nicht nur auf die Quote setzen

Heppenheim.Zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Geschlechtergerechtigkeit?! Am Beispiel des Winzerhandwerks“ hatten die Junge Union und die Frauen Union der Kreisstadt jetzt gemeinsam ins Heppenheimer Weingut Koob eingeladen. „Frauen sind auch im Jahr 2019 in vielen Bereichen der Gesellschaft nicht vollkommen gleichgestellt. Das ist nicht tragbar“, so die beiden Vereinigungen. In Heppenheim sprachen sie über den aktuellen Stand der Gleichberechtigung und mögliche Stellschrauben.

Das Weingut diente als Veranstaltungsort, da „das Winzerhandwerk an der Weinregion Bergstraße einen großen Wirtschaftszweig darstellt“, wie es in der gemeinsamen Pressemitteilung heißt. Den Winzerberuf an der Bergstraße hob Diana Stolz, Landesvorsitzende der Frauen Union, als positives Beispiel für ein Berufsfeld hervor, in dem sich immer mehr Frauen erfolgreich etablierten.

Nach und nach die Branche erobert

„Wir haben hier viele erfolgreiche Winzerinnen, darunter die Jungwinzerinnenvereinigung Vinas, die deutschlandweite Preise an die Bergstraße holt“, sagte Stolz, verwies aber auch darauf, dass dies ein langer Weg war: „Erst ab den 80er Jahren waren immer mehr Frauen in diesem Berufsfeld zu finden. Dies ist dem Willen und der Zielstrebigkeit einzelner Frauen zu verdanken, die die Branche nach und nach für sich erobern mussten“, so die Landesvorsitzende weiter.

Anschließend gab die Gastgeberin der Veranstaltung, Winzerin Christina Lulay, Einblicke in die Praxis des Weinhandwerks und beschrieb ihre Sicht auf die Situation zwischen den Geschlechtern in der Branche. 2002 hatte Lulay mit der Ausbildung im Weinhandwerk begonnen und auch sie unterstrich, dass sich zu dieser Zeit noch sehr wenige Frauen für diesen Beruf entschieden. 2010 schloss Lulay ihre Ausbildung als Winzerin und Technikerin für Weinbau ab und übernahm 2013 gemeinsam mit ihrem Mann den elterlichen Hof.

Den Alltag als Winzerin beschrieb die ehemalige Gebietsweinkönigin als vielseitig und arbeitsintensiv. „Neben der Arbeit im Weinberg und im Weinkeller stehen täglich auch Büroarbeiten an“, so Lulay. Nur mit Unterstützung der Familie und gemeinsam mit ihrem Mann sei das Arbeitspensum zu schaffen. „In meiner Branche gehen Männer und Frauen ganz unterschiedlich an die Arbeit heran und es gibt Tätigkeiten, die einem Geschlecht besser von der Hand gehen als dem anderen. Daher ist eine sinnvolle Arbeitsteilung sehr wichtig“, so die Winzerin.

Es geht nur gemeinsam

Christina Lulay bestätigte, dass das Geschlechterverhältnis im Winzerhandwerk inzwischen recht ausgeglichen ist: „Jedes Geschlecht hat in bestimmten Bereichen Vorteile gegenüber dem anderen und nur gemeinsam kann Gutes entstehen“, so Lulay. Als Fazit der Veranstaltung hielten Junge Union und Frauen Union fest, dass es sinnvoll sei, „in möglichst allen Berufsfeldern sowohl Frauen als auch Männer in den entsprechend wichtigen Positionen zu haben, um die Qualität der Arbeit zu steigern“.

Ob dies durch Quoten, auf freiwilliger Basis oder auf ganz anderem Weg zu erreichen sei, wurde in Heppenheim fleißig diskutiert. „Wir sind uns einig, dass eine reine Quotenlösung nicht das Ziel sein kann. Auch Leistung und Qualifikation müssen stets berücksichtigt werden“, so Benjamin Leonhardt (JU) und Daniela Engelhardt (FU). zg

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