Heppenheim

Menschen Der Brasilianer José Pedro ist der Liebe wegen nach Deutschland gekommen und in Sonderbach heimisch geworden

Ohne Musik geht es für José einfach nicht

Archivartikel

Sonderbach.Die Liebe verschlug ihn einst nach Deutschland und die Liebe hielt ihn auch hier. 1985 folgte José Pedro seiner Sommer-Bekanntschaft von seiner Heimat Itapuã, einem kleinen idyllischen Ort an der Lagoa dos Patos in Süd-Brasilien, nach Düsseldorf. Heute lebt der Musiker in Sonderbach – und ist ein erfolgreicher Musiker.

„Ich hatte mir das damals reiflich überlegt, die Zelte abgebrochen und mein Hab und Gut meinen Freunden geschenkt“, erinnert er sich. Die Liebe des Urlaubsflirts hielt dem Alltag aber nicht stand. Dennoch wollte es der Musiker im neuen fremden Land schaffen. Da war er gerade einmal 25 Jahre alt. „Ohne große Sprachkenntnisse, ohne Freunde, ohne Anlaufstelle“, erinnert er sich. Also wählte er die Sprache der Musik.

José Pedro nahm beim JAB-Festival teil und holte den ersten Platz. „Ich alleine – mit Percussions und Gitarre gegen Bands. Der Wahnsinn.“ In Bars hatte er Gelegenheitsjobs. „Ich wusste damals nicht, was man als Gage verlangen kann. Also spielte ich auch unter Wert.“ Doch so lernte er wichtige Leute kennen. Seinen besten Freund Hans-Jürgen, der ihm einen postfarbenen VW-Bulli überließ – „das war mein Tourbus“, und später auch Ursula. „Meine Uschi“, die er 1992 in Brasilien heiratete und mit der er die beiden Söhne José Luis (15) und Jovanny (13) adoptierte.

Das Wasser vermisst er

Was Pedro an seiner Heimat vermisst? „Das Wasser!“ Mit strahlenden Augen erklärt er, in seiner Freizeit daher mit dem Wohnmobil am Rhein entlang zu fahren und auch gerne durch Heidelberg zu bummeln.

Aber der gebürtige Brasilianer hat in Sonderbach seine neue Heimat gefunden. „Die Jungs sprechen sogar den Dialekt und wollen hier nicht weg“, sagt er lachend. Etwas Ruhe, die tut José Pedro auch sicher gut. Als fahrender Musiker tingelte er durchs ganze Land. „Die Strecken in Deutschland sind nicht so weit. In Brasilien fährst du Tage bis zur nächsten Großstadt“, erklärt er.

Weil Ursula als Lehrerin einen Job in Kolumbien annehmen konnte, wohnte das Paar auch zwischenzeitlich vier Jahre in Medellín. „Aber das war ein gefährliches Pflaster. Einer ihrer Kollegen wurde erschossen“, erzählt der Musiker weiter. Als die Eheleute beschlossen, eine Familie zu gründen und in Kolumbien ihre beiden Jungs adoptierten, war klar – sie müssen wegziehen. „Wir wollten eine freundliche Umgebung. Uschi fand eine Anstellung in Heppenheim und wir mieteten übers Internet unser Haus. Bis heute sind wir hier sehr glücklich.“ Aus Kolumbien hat die Familie aber nicht nur spannende und furchtbare Eindrücke und ganz viel Inspiration für die Musik mitgebracht. Auch Pelé und Luna gehören nun dazu – zwei verschmuste Hunde.

Und weil die Söhne schon Teenager sind, kommt den Vierbeinern eine wichtige Funktion zu: „Das sind unsere Babys.“ Zufrieden sitzt José Pedro in seinem Wohnzimmer. An seine alte Heimat Brasilien erinnert das lockere Sommerhemd – trotz Winter – und der Strohhut auf seinem Kopf.

An der Wand prangt ein Mosaik. Es zeigt Papageien und den Dschungel. „Das ist ein Hobby von mir“, fährt Pedro fort. In einer Ecke hat er seine Instrumente ausgebaut. „Hier übe ich“ – die ganze Familie sei musikalisch gewesen. Umso mehr freut es ihn, dass auch die Jungs schon musizieren. Angehenden Musikern aber rät er, ein zweites Standbein zu haben.

José ist Krankenpfleger. Nach einem Autounfall, von dem er nicht mehr behielt als eine Narbe im Gesicht, wollte er „was Anständiges machen“. Auch studierte er noch einmal. „Ich bin Umwelttechniker geworden. Dadurch konnte ich in Kolumbien in verschiedenen Entwicklungshilfe-Projekte mitwirken.“

Doch ganz ohne die Musik ging es nicht – ging es nie. Es sei eben seine Leidenschaft und so empfiehlt er allen, genau in sich reinzuhören. „Wenn man weiß was man kann und weiß was man will und daran glaubt und arbeitet – dann kann man alles schaffen.“ So bilanziert José Pedro mit 60 Jahren ein schönes und zufriedenes Leben. Ob Heppenheim aber die letzte Station bleiben wird – das weiß er nicht. „Ich friere immer. Mal sehen“, sagt er augenzwinkernd. pam

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