Heppenheim

Ausstellung „Gesichter einer Stadt“ lautet der Titel einer gelungenen Präsentation mit Fotografien von Henner Kaiser / Schwarz-weiße Intensität

Porträts von fröhlich bis furchteinflößend

Archivartikel

Heppenheim.Abstand halten nicht erwünscht: Ganz nah kann man heran an die Stadtverordneten und anderen Heppenheimer, die die Kreisstadt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mit geprägt haben. Man kann es nicht nur, man sollte es sogar. Und das zu Corona-Zeiten? Ja, denn die „Gesichter einer Stadt“ hängen allesamt als Fotografien in einer Ausstellung im Heppenheimer Museum für Stadtgeschichte und Volkskunde.

Henner Kaiser lichtet mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien die Menschen nicht einfach nur ab – er lässt tief blicken, Charaktere und Wesenszüge kommen zum Vorschein.

Immer zwei Männer, eine Frau

Wer hängt neben wem? Keine einfache Sache. Es ist ein bisschen wie die Frage, wen man von der zerstrittenen Verwandtschaft bei einer Hochzeit nebeneinandersetzen kann. Man kann es nur falsch machen. Und so kam der Künstler auf die Idee, die Bilder alphabetisch zu hängen. Immer zwei Männer, dann eine Frau.

Wie kam es zu der Idee? Der scheidende Museumsleiter Uli Lange sei im Februar 2019 zu Besuch bei Kaiser gewesen, erinnern sich die beiden im Gespräch mit dieser Zeitung. Thema war der Umbau des Amtshofes, dann zeigte Henner Kaiser ein paar Porträtfotografien einiger Freunde.

Schirmherrin schnell gefunden

„Dann war zehn Sekunden Ruhe“, sagt der Künstler schmunzelnd. Darauf habe Lange gesagt: „Ich habe eine Idee! Meine letzte Ausstellung im Museum könnten Köpfe von Heppenheim sein.“

Norbert Köhler, der als Redner für die Vernissage gewonnen werden konnte, kam schließlich auf den Titel. Mit Stadtverordnetenvorsteherin Susanne Benyr war schnell eine Schirmherrin des Projektes gefunden. Schließlich ging es an die Umsetzung.

Von Mai 2019 bis Februar 2020 fotografierte Kaiser die Menschen, die stellvertretend für viele andere das gesellschaftliche Leben Heppenheims geprägt haben. Man findet Lokalpolitiker ebenso wie Männer und Frauen aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, und Vereinen.

Ganz ohne Hightech

Eine halbe Stunde hat Kaiser mit den Menschen, die er porträtieren wollte, zunächst einmal geplaudert. So entstand zum einen entspannte Atmosphäre, zum anderen lernte er seine Gegenüber besser kennen. Alle Fotografien entstanden ohne Blitz, um die Spuren des Lebens so natürlich wie möglich zum Vorschein kommen zu lassen. „Ganz ohne Hightech“, wie Kaiser sagt.

„Das Schöne an Schwarz-Weiß-Fotografie ist die Intensität, man sieht nachdenkliche und fröhliche Gesichter“, ergänzt Lange. Die Porträtierten haben das Ergebnis der Fotosession erst bei der Vernissage zum ersten Mal gesehen. Vorher gab’s nur einen kleinen Blick auf das Display der Kamera.

Und wirklich: Kaiser ist es gelungen, das Innere der Menschen nach außen zu kehren. Norbert Taufertshöfer, Ingenieur und ehemaliger Stadtverordneter der Grünen, springt der Schalk förmlich aus den Augen, Georg „Schorsch“ Schäfer, aus den Reihen der Messdiener in St. Peter seit Jahrzehnten nicht wegzudenken, schaut intensiv in die Kamera. Im Blick des früheren Zeitungsfotografen Lutz Igiel, der „oben ohne“ porträtiert ist, sieht man Tiefe und Wärme. Beeindruckend die markante Frisur von Navid Hariri, Stadtverordneter, Arzt und Vereinsmensch. Er schaut ein bisschen skeptisch. Viel erlebt hat Ludwig Bergweiler in seinem Leben, das sieht man. Prüfend der Blick von Ortsvorsteher Anton Gölz, Tina Friedmann, Lehrerin und Mitinitiatorin der Gassensensationen lacht ausdrucksstark. Professor Karl Härter scheint prüfend in die Vergangenheit zu blicken, fast ein wenig furchteinflößemd der Gesichtsausdruck von Peter Janßen, offen und freundlich der Blick von Winifred Hörst, auch Sohn Christopher darf nicht fehlen. Josef „Sepp“ Tremper setzt mit Kopfbedeckung Akzente, Franz Lamberts Charakterkopf fehlt ebenso wenig wie Ruth Kutzmann und Gerhard Röhrig.

Die Vernissage am Sonntag wurde musikalisch von Kaisers Sohn Christoph Victor Kaiser und Stefan Ivan Schäfer umrahmt. rid

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