Heppenheim

Nikolaus Schilling Humorist mit Hang zu den Heppenheimer Festspielen / Darsteller, Regisseur und Mitwirkender in zwei Loriot-Filmen

Publikumsliebling wird 95 Jahre alt

Archivartikel

Heppenheim.Nikolaus Schilling feiert an diesem Freitag, 31. August, seinen 95. Geburtstag. Zu seinem 90. war er gerne noch mal in Heppenheim zu Gast, wo er auch zwei Jahrzehnte lang lebte und im Sommer bei den Heppenheimer Festspielen über 40 Jahre hinweg die skurrilsten Charaktere verkörperte. Seine Abschiedsrolle bei den Festspielen, die der Schauspieler Hans Richter 1974 begründet hatte, war 2011 der Major Kloss im ewig jungen Schwank „Pension Schöller“.

Nun lebt Nikolaus Schilling seit einigen Jahren wieder in Holzminden, seinem Geburtsort. Nach Heppenheim wird er in diesem Jahr nicht mehr fahren, denn die Sehkraft lässt dies einfach nicht mehr zu.

Der Name Nikolaus Schilling ist vielen Deutschen im ersten Moment nicht unbedingt ein Begriff. Sagt man aber, dass er der düster wirkende Herr neben einer mindestens so düster wirkenden Gattin (Charlotte Asendorf) auf einem grauen Sofa in Loriots „Ödipussi“ ist, sagen viele Menschen: Ach, natürlich kenne ich ihn! Hat er nicht auch im zweiten Film von Loriot mitgewirkt – in „Papa ante Portas“? Ja, so war es. Auch hier besetzte Loriot wieder Charlotte Asendorf und Nikolaus Schilling als „Weltuntergangs-Verkünder und Heilsbringer“.

Alleine damit ist der Schauspieler und auch Regisseur, der in etwa 50 Fernsehfilmen und -serien mitwirkte, einem Millionenpublikum im Gedächtnis geblieben. Walter Renneisen, sein Schauspielerkollege aus Auerbach, mit dem er über Jahrzehnte gemeinsam im Heppenheimer „Theater im Hof“ klassische Komödien von Shakespeare oder Goldoni spielte, bringt es auf den Punkt: „Niko hat einen wahnsinnigen Humor. Er ist ein Komiker. Er hat auch privat sehr viel Humor. Das Publikum hat ihn geliebt. Er hatte eine Physiognomie, die wunderbar war. Der Wiedererkennungswert war eindeutig. Deshalb hat er ja auch in den Filmen von Loriot mitgemacht.“

„Loriot war unglaublich einfühlsam, ein Gentleman“, erinnerte sich Nikolaus Schilling Jahrzehnte später. Begonnen hatte der Schauspieler seine Karriere nach Abitur (1942), Kriegsdienst in Lappland und Gefangenschaft im Jahre 1947: Im außerordentlich erfolgreichen Curt-Goetz-Film „Dr. med. Hiob Praetorius (1950) war er neben Erich Ponto in zwei winzigen Szenen zu sehen. „Man war einigermaßen gut, wenn man neben ihm spielte.“

„Begeisterter Heppenheimer“

Ponto war sein Vorbild, wie es Schilling jetzt noch einmal formulierte. 1949 debütierte er am Deutschen Theater Göttingen. Er war auch auf den großen Bühnen in Frankfurt, Stuttgart und Hamburg zu sehen – gelegentlich in ernsten Rollen, aber meist in heiteren. Wer ihn auf der Bühne erleben durfte, spürte, dass Nikolaus Schilling seiner Berufung gefolgt war. Er hatte seine Freude, wenn er in Heppenheim als Diener und mit seiner Kollegin Inge Rassaerts als Zofe in „Zwei Herren aus Verona“ eine kleine Intrige einfädeln konnte. Inge Rassaerts kommt nach Jahrzehnten immer noch ins Schwärmen: „Er war unglaublich witzig, und: Er war ein begeisterter Heppenheimer. Alle Leute haben ihn geliebt.“

Noch bis vor einigen Jahren rezitierte Schilling Gedichte von Roth, Busch, Ringelnatz. Auch darin zeigte sich der Erzkomödiant. Er ist übrigens nicht abgeneigt, es noch einmal zu wagen: „Ja, da gäbe es doch noch manches … ,Loriots Dramatische Werke’ ...“

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