Heppenheim

Pfarrkirche St. Peter Nach einer Woche sind die Arbeiten an den Klangkörpern im „Dom der Bergstraße“ abgeschlossen

Schweigen der Glocken hat ein Ende

Heppenheim.Heute um 12 Uhr ist von den Glockentürmen der Pfarrkirche St. Peter das Angelus-Läuten zu vernehmen. Das wäre nichts Besonderes, hätten die Glocken des „Doms der Bergstraße“ nicht eine Woche lange geschwiegen. So lange haben sich Michael Schneider und David Kloft von der Fachfirma Hölzel-Schneider das Geläut vorgenommen und gleich drei notwendige Eingriffe vorgenommen. Jetzt haben Stadt und Pfarrgemeinde für Generationen Ruhe, vom Glockenschlag abgesehen, wie die Experten versichern. „Das hält 100 Jahre“, betont Kloft. Die Bauaufsicht für die Pfarrgemeinde hatte Karl-Peter Weis vom Verwaltungsrat.

Eine der insgesamt 30 000 Euro teuren Arbeiten begründet er mit Gefahr im Verzug. Die sogenannte Peter-Glocke hat neben einem neuen Klöppel auch ein neues Joch aus Holz bekommen, also eine Aufhängung, an der die über ein metallenes Treibrad bewegten Glocke schwingen kann.

Stahljoche könnten reißen

Nach dem Krieg, sagt Diplom-Ingenieur Weis, habe man in Heppenheim wie vielerorts die Holz-Konstruktion durch Stahl-Joche ersetzt. Diese aber haben Schweißnähte, die nach langem Gebrauch reißen können. „Dann stürzt die Glocke in die Tiefe.“ Aber keine Bange: So weit sei der Verschleiß bei keiner der sechs Glocken von St. Peter vorangeschritten. „Wir haben alles im Griff“, sagt der Mann vom Verwaltungsrat.

Empfohlen hatte den Tausch ein Glockensachverständiger des Bistums Mainz in einem Gutachten aus dem Jahr 2016. Die Pfarrgemeinde hatte ihn nach einem Schaden an der mit Abstand größten Heppenheimer Glocke „Anna“ hinzugezogen. Deren kleiner Bruder „Peter“, so die Empfehlung des Sachverständigen, brauche auch einen neuen Stahlklöppel. Die Metall-Legierung des alten sei härter gewesen als das Material der Bronzeglocke und sorgte damit für deren allmählichen Schwund. „Das sagt einem der gesunde Menschenverstand“, erklärt Karl-Peter Weis. „Der Klöppel muss weicher sein als die Glocke.“

Poetischer drückt es David Kloft aus, der die Reparaturen ausgeführt hat: „Der Klöppel soll die Glocke küssen.“ Für den nahezu zärtlichen Kontakt soll der dritte Eingriff sorgen. Erneuert wurden die Läute-Motoren für alle sechs Glocken von St. Peter – Elektromotoren, welche via Treibräder die Glocken in Schwingung versetzen, auf dass diese mit dem eingehängten Klöppel in Berührung kommen und sich im besten Fall küssen lassen.

Statt ungeregelter Motoren, die sofort mit voller Leistung loslegen tragen die beiden Glockentürme von St. Peter nun geregelte Antriebe. Diese schonen nicht nur das Gebälk, auf das beim abrupten Start enorme Kräfte wirken. Das Geläut vom Dom soll auch künftig weicher tönen. „Wer genau hinhört“, kündigt Glockenexperte Michael Schneider an, „merkt, dass es angenehmer klingt“. Getestet wurde das schon am Montag, als mitunter zur Unzeit die Glocken läuteten. Ab heute hat die ungewohnte Stille im Stadtzentrum endgültig ein Ende. Zwischendurch war nur „Anna“ funktionsfähig.

In Heppenheim wie andernorts ist es genau geregelt, wann welche Glocke dran ist. Anna schlägt die Stunde; Maria und Peter sind alle 15 Minuten dran; zur Messe rufen Maria, Josef und Martin; in der Ankündigung des Angelus-Gebets gesellt sich dann die 1,1-Tonnen-Glocke Peter dazu.s cri

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