Heppenheim

Traubenlese Winzer eG zieht äußerst positive Bilanz / Quantitative Steigerung um elf Prozent

Überdurchschnittlich, aber kein Jahrhundertjahrgang

Heppenheim.Wie die Bergsträßer Winzer eG mitteilt, haben die Mitgliederfamilien der Genossenschaft die Weinlese 2020 am vergangenen Dienstag erfolgreich abgeschlossen. Aufgrund des warmen trockenen Sommers konnten die Winzer demnach kerngesunde, hochreife Trauben ernten. Damit seien die Voraussetzungen für einen erneuten Spitzenjahrgang geschaffen.

Der Ertrag habe knapp elf Prozent mehr als im zehnjährigen Durchschnitt und 34 Prozent mehr als bei der unterdurchschnittlichen Menge im Vorjahr betragen. Die Erntemenge liege jedoch auch 23 Prozent unter dem weit überdurchschnittlichen Jahr 2018. Somit sei es von der Menge her ein guter Durchschnittsjahrgang. Das Wort „Jahrhundertjahrgang“, das bereits während der Lesewochen unter einigen Winzern die Runde gemacht hatte, habe sich demnach – trotz der überdurchschnittlichen Zahlen – nicht ganz bestätigt. Die Verantwortlichen der Genossenschaft räumen ein: „Ein noch besseres Ergebnis wurde leider durch die Trockenheit des Jahres an vielen Standorten verhindert, wo die Rebstöcke teilweise verwelkten.“

Qualitativ sei der Jahrgang 2020 dennoch erneut „ein deutlich überdurchschnittlicher Jahrgang.“ Mit einem Mittelwert von 87,7 Grad Oechsle über alle Anlieferungen sei dies nach 2003, 2009 und 2015 der vierthöchste Wert der letzten drei Jahrzehnte. Dies sei insofern bemerkenswert, dass diese hohen Mostgewichte auch noch vier Wochen früher als vor 50 Jahren erreicht wurden. So war die Spätlese beispielsweise im Jahr 1970 erst am 12. November.

Besonders bemerkenswert: Das Mostgewicht aller Spätburgunder-Anlieferungen liegt bei 100,1 Grad Oechsle. Auch Grauburgunder kratzte an dieser Auslesemarke.

Bis auf kleine Regenunterbrechungen gegen Ende passte laut Winzer eG auch das Wetter hervorragend, „sodass alle Trauben perfekt gesund und ohne jede Hektik eingebracht werden konnten“. Insgesamt dauerte die Lese seit Beginn am 27. August über sechs Wochen. „Damit handelte es sich wohl die längste Lese der Geschichte der Bergsträßer Winzergenossenschaft.“ Zum Vergleich: 2006 wurde witterungsbedingt nur 19 Tage lang gelesen.

Die Erntemengen der einzelnen Rebsorten spiegeln unterdessen sowohl den Klimawandel als auch die Reaktion auf heutige Kundenpräferenzen wider. Riesling ist demnach mit 1,2 Millionen Kilogramm zwar immer noch unangefochtener Spitzenreiter. Der Siegeszug der Burgundersorten (Spätburgunder 511 000 Kilogramm, Grauburgunder 290 000 Kilogramm, Weißburgunder 82 000 Kilogramm) gehe aber weiter. Die Bergsträßer „Kultrebsorte“ Roter Riesling habe mit 127 000 Kilogramm einen Rekordwert eingefahren. Und auch andere Trendsorten wie Chardonnay, Sauvignon blanc, Goldmuskateller und Merlot verzeichneten jeweils Höchststände. Auch robuste Rebsorten für den Klimawandel wie Souvignier Gris oder Muscaris würden vermehrt angebaut.

Eine kleine Rebfläche harrt jetzt noch einer kalten Eisweinnacht, sofern der kommende Winter diesmal passend ausfällt. red/fran

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