Heppenheim

Gesundheit Lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden am Kreiskrankenhaus in einer speziellen Einheit behandelt

Weil im Notfall jede Minute zählt

Archivartikel

Heppenheim.Michael Hölzel gehörte zu den Menschen, die sich immer fit fühlen. Gesundheitliche Probleme ernsterer Natur waren dem Bensheimer fremd. Eine Herzerkrankung? Nicht bei ihm: Der Inhaber eines Vermessungsbüros ernährte sich gesund, rauchte nicht, hatte kein Übergewicht, spielte in seiner Freizeit regelmäßig Tennis und ging ins Fitnessstudio. Doch dann der Schock: ein Herzinfarkt. Heute weiß der 58-Jährige, wie wichtig im Notfall die schnelle und richtige Versorgung ist.

Gerettet wurde Hölzel in der sogenannten „Chest Pain Unit“ am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim, eine Einrichtung zur Diagnose und Behandlung lebensbedrohlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie wichtig diese sind, zeigt eine Zahl der Deutschen Herzstiftung: Demnach erleiden bundesweit jedes Jahr mehr als 300 000 Menschen einen Herzinfarkt. Kommt solch ein Patient auf eine „Chest Pain Unit“, steigt die Überlebenschance deutlich an.

Zentrale Anlaufstelle

Im Dreieck Heidelberg, Mannheim und Darmstadt wurde mit der Inbetriebnahme der „Chest Pain Unit“ am Kreiskrankenhaus vor acht Jahren eine medizinische Versorgungslücke in der Region Südhessen und Nordbaden geschlossen. Seitdem ist die Einrichtung in Heppenheim im Ernstfall eine zentrale Anlaufstelle für das Kreisgebiet und die angrenzenden Regionen.

Im Notfall entscheiden oft Minuten über Leben und Tod. Rund um die Uhr sind deshalb die Fachärzte und -pfleger in Heppenheim einsatzbereit und die Patienten werden durchgängig von Spezialisten betreut. Schon kurz nach Inbetriebnahme 2011 wurde die Einheit am Kreiskrankenhaus entsprechend der Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifiziert und in diesem Jahr zum zweiten Mal rezertifiziert.

„Vielfach sind Herzinfarkte nur für Experten als solche zu erkennen“, erklärt Chefarzt Wolfgang Auch-Schwelk. Entsprechend appelliert er, bei Verdacht sofort einen Notarzt zu rufen. Erste Anlaufstelle sollte im Ernstfall eine „Chest Pain Unit“ sein, denn dort greifen fest definierte Diagnose- und Versorgungsmechanismen. Herzstück sind das Katheterlabor und die Spezialstation, auf der die Herz-Kreislauf-Funktionen der Patienten lückenlos überwacht werden.

Die durchschnittliche Verweildauer auf der Station liegt bei ein bis zwei Tagen. Derzeit stehen acht Betten zur Verfügung. Im Zuge der laufenden Generalsanierung des Krankenhauses wird der Bereich aktuell neu gebaut und dabei räumlich erheblich besser ausgestattet.

Ausgelaugt und unruhig

Wie unterschiedlich Herzinfarktsymptome sein können und wie schwierig sie für Laien zu deuten sind, musste auch Michael Hölzel erfahren. Nach dem Fitnesstraining fühlte er sich ungewohnt ausgelaugt und spürte eine ungewöhnliche Unruhe. Dann kamen Übelkeit und Schmerzen in den Armen hinzu. Seine Frau brachte ihn ins Krankenhaus, wo umgehend ein EKG gemacht wurde. Das Kardiologenteam um Chefarzt Auch-Schwelk stellte einen Hinterwandinfarkt fest.

Bei zwei Eingriffen wurden insgesamt acht Stents gesetzt, kleine Röhrchen, die eine neuerliche Gefäßverengung verhindern sollen. Alles gut, lautet heute die Diagnose, auch treibt Hölzel wieder Sport. Allerdings muss er nun dauerhaft Medikamente einnehmen. Als Ursache der Gefäßverengung, die zum Herzinfarkt führte, wurde ein genetisch bedingt stark erhöhter Cholesterinwert festgestellt. Medikamente sollen nun das Risiko eines neuerlichen Infarkts minimieren. „Ich habe so etwas vorher nie untersuchen lassen“, sagt der Bensheimer. zg

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel