Kirche

Analog hoch zwei

Archivartikel

Das geistliche Wort

Wir Seelsorger gebrauchen gerne Floskeln, und merken dabei gar nicht mehr, dass es welche sind. „Beten, das ist das Gespräch mit Gott“ – das ist so eine Floskel. Wie kann ich mit jemandem reden, den ich gar nicht sehe? Der mir keine Antwort gibt? Kann das ein Miteinander Reden, eine Unterhaltung sein?

Mir fällt da die Unterscheidung zwischen digital und analog ein. Digital ist ein Gespräch, das auf einem Bildschirm, einem Handy oder Computer stattfindet. Auch ich schreibe gerne Kurznachrichten und versehe sie mit lachenden oder zwinkernden Gesichtern, den sogenannten Emojis. Eine schöne Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu sein. Analoges Reden ist das Gespräch von Mensch zu Mensch. Im besten Fall ist es ein echtes, tiefes Gespräch, in dem wir beide uns öffnen und etwas von unserem Inneren, von unserer Tiefe mitteilen. Ein Gespräch, in dem wir auch mal Gesprächspausen aushalten und in dem wir uns nicht vom Smartphone ablenken lassen.

Das „Gespräch mit Gott“ ist noch analoger, ich würde sagen: Analog hoch zwei. Beten kann heilsam sein, wenn ich Gott mein Herz ausschütten kann, wenn es voll Bitterkeit oder Angst ist. Beten kann aber auch anstrengend sein, weil Gott eben nicht gleich eine Antwort gibt. Und wenn, ja wenn Gott dann antwortet, dann kommt die Antwort, so ist meine Erfahrung, über einen anderen Kanal. Man kann ihn „symbolisch“ nennen. Ich sehe zum Beispiel ein Kunstwerk, höre ein Musikstück, lese in der Bibel oder lausche in der Natur einfach auf die Geräusche rundum. Und ohne, dass ich es „machen“ kann, gerät etwas in meinem Inneren ins Schwingen. Möglicherweise ist das die Antwort, auf die ich gewartet habe. Sie kommt nicht immer. Sie ist unverfügbar. Sie ist oft ohne Worte.

Daher behaupte ich: der Gesprächskanal zu Gott ist analog hoch zwei.

* Die Autorin Renate Flath ist Pastoralreferentin und Dekanatsreferentin im Katholischen Dekanat Bergstraße-Mitte.

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