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Das geistliche Wort

Mit Bildern aus China fing es an: Tausende von Menschen, die mit Mundschutz unterwegs sind. Das war Ende Dezember. Heute, zehn Wochen später, hat in einer globalisierten Welt die Pandemie auch Europa erreicht. Und wieder sind es Bilder, die das Ausmaß verdeutlichen:

Leere Straßen und Plätze am helllichten Tag, geschlossene Einrichtungen, leere Einkaufsregale, Sportveranstaltungen ohne Publikum, abgesagte Konzerte, knappe Desinfektionsmittel, an verschiedenen Grenzen werden stichprobenartig Gesundheitschecks durchgeführt. Und im Handumdrehen steht mit Italien gleich ein ganzes Land unter Quarantäne, eigentlich unvorstellbar!

Dieser Ausnahmezustand, der hier bei uns noch nicht herrscht, der aber auch nicht auszuschließen ist, gibt mir zu denken. Bilder von unbelebten, menschenleeren Straßen und Plätzen sind nicht nur ungewohnt. Sie haben etwas Irritierendes. Auch wenn unsere modernen Kommunikationsmittel funktionieren, machen diese Bilder deutlich, wie sehr wir doch auf die alltägliche Kommunikation in der Öffentlichkeit angelegt sind. Dass wir Begegnung brauchen von Mensch zu Mensch und dies in einem öffentlichen Raum, das erst macht uns zu Sozialwesen. Das Handy ist da immer nur eine Krücke.

Dieser Ausnahmezustand macht aber auch mal wieder deutlich, wie mehrdeutig unsere westliche Kultur ist. Einerseits komfortabel und angenehm mit ihrem Wohlstandsangebot. Wir verfügen über modernste Technik, die uns das Leben erleichtert, eine schier unbegrenzte Mobilität ermöglicht und medizinischen Fortschritt sichert. Dass dieser westliche Lebensstandard in anderen Erdteilen auch Opfer fordert, wissen wir eigentlich. Und jetzt kommt mit der Pandemie noch eine weitere Schattenseite hinzu:

Dass dieser Wohlstand eminent gefährdet ist und fragil. Wohlstand macht verletzbar. Diese Seite nehmen wir kaum war. Obwohl wir eigentlich darum wissen, dass Wohlstand schnell zum „Goldenen Kalb“ werden und uns beherrschen kann. Aber Krisen sind immer auch eine Chance. Diese könnte uns fragen lassen, ob Wohlstand wirklich alles ist. Und ob es nicht jenseits dessen noch etwas anderes gibt, wofür zu leben lohnt. Wie heißt es in der Bibel: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein… Bild: Privat

* Der Autor Frank Meessen ist Referent für Erwachsenenbildung in Heppenheim.

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