Kirche

Arbeit ist das halbe Leben

Archivartikel

Das geistliche Wort – Autorin Dr. Irene Dannemann rät: Nutzen wir den Sommer und lassen die Gedanken fliegen, was wir mit der anderen „Hälfte“ unseres Lebens tun.

Aus dem Urlaub zurückgekehrt fällt mir auf, wie sehr mein Alltag von der Arbeit bestimmt wird. Die Stunden fliegen nur so dahin. Ich spüre die Verspannungen in den Schultern, wenn ich die lange Liste von E-Mails endlich durchforstet habe. Die Tage sind nun nicht mehr angefüllt mit Wanderungen durch grüne Auen, sondern mit Gesprächen in der Gemeinde, mit Besprechungen und der Arbeit an Predigten, Gottesdiensten und Beerdigungen. Mein erster Arbeitstag war erfüllt vom Ausflug der Frauenhilfe nach Worms und an den Rhein – für mich die günstige Gelegenheit, mit den Seniorinnen und Senioren ins Gespräch zu kommen und ihnen in Ruhe zuzuhören.

Schmerzlicher Verlust

„Arbeit ist das halbe Leben“ – dieser Spruch erinnert mich an die vielen arbeitslosen Menschen unter uns. Für sie ist es oft schwer, dem Alltag eine neue Struktur zu geben. Auch vielen Rentnerinnen und Rentnern fehlen die Arbeit und der Kontakt zu den Kollegen, zu Beginn der Rentenzeit wird der Verlust dieser alltäglichen Begegnungen besonders schmerzlich empfunden.

Bei denen, die noch mitten im Berufsleben stehen, macht die Arbeit oft mehr als die Hälfte des Lebens aus – das gilt längst nicht nur für mich selbst. Ein Auftrag soll noch am gleichen Tag rausgehen, ein dringender Besprechungstermin ist hinzugekommen, die Arbeit der kranken Kollegin muss übernommen werden, noch ein wichtiges Telefonat geführt werden. Dabei sind wir froh, dass wir überhaupt Arbeit haben, denn sie strukturiert den Tag und gibt Bestätigung. Glücklich sie die, die einen Beruf haben, den sie gerne ausfüllen. Aber der Beruf ist nicht alles. „Arbeit ist das halbe Leben“ – eben nur das halbe, nicht das ganze Leben.

„Träumen Sie!“

Vielleicht helfen uns die warmen langen Sommertage, dass wir mal überlegen: Was möchte ich eigentlich mit der anderen Hälfte meines Lebens tun, mit der Zeit, in der ich nicht arbeite? Was täte mir gut? Das kann ganz verschieden sein: ein Spaziergang nach dem Tag im Büro, Joggen im Viernheimer Wald, meditieren, sich mit FreundInnen treffen, ein gutes Buch lesen, ins Kino gehen, einen Gottesdienst besuchen. Es wäre schön, sich einmal Zeit für diese Gedanken zu nehmen und sie womöglich auch gleich umzusetzen.

Nutzen wir den Sommer dazu und lassen die Gedanken fliegen, denn das Träumen gehört ganz sicher zur anderen Hälfte des Lebens dazu.

* Die Autorin Dr. Irene Dannemann ist Pfarrerin in der Evangelischen Christuskirchengemeinde Viernheim, Bezirk Friedenskirche.

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