Kirche

Auf Reisen mit dem Papst

Hermann-Josef Herd legt den Lesern heute einen Kinobesuch nahe: Der Film „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders hat den Pfarrer i.R. nachhaltig beeindruckt.

Schöne und bewegende Erlebnisse oder Erfahrungen möchte man gerne mit anderen teilen. Das ist im Urlaub so oder auf Festen und Partys und auch im Alltag zu Hause. In den letzten Tagen erzähle ich den Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme, oft von einem besonderen Film, den ich im Kino gesehen habe, und von dem ich sehr beeindruckt war. Ich meine den Film: „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“, der schon seit Wochen in allen Kinos läuft.

Keine Beweihräucherung

Der weltbekannte Regisseur Wim Wenders, der 1984 die Goldene Palme bekam für seinen Welterfolg „Paris, Texas“, hat ihn in faszinierender Weise gedreht. Dabei geht es ihm nicht um eine Beweihräucherung des Papstes selbst, sondern um ein sympathisches Porträt dieses Mannes und um dessen zentrale Botschaften, mit denen wir uns alle, nicht nur die verantwortlichen Politiker, zunehmend in diesen unruhigen Zeiten beschäftigen müssen; angefangen vom Wert jedes Menschen und der Frage nach unserem Lebensstil im reichen Westen bis hin zum Skandal um die Opfer von Armut, Ungerechtigkeit und Flucht oder Vertreibung sowie natürlich von unserem Umgang mit der Schöpfung und dem Einsatz für den Frieden.

Die Szenen der vielen spannenden Reisen und berührenden Begegnungen des Papstes mit Menschen aller Generationen und Nationen gingen mir unter die Haut, aber auch manche seiner unkonventionellen Äußerungen. So richtete Franziskus zum Beispiel bei einem Treffen mit Familien seine erste Frage an die Eltern: „Haben Sie heute schon mit Ihren Kindern gespielt oder waren Sie nur mit Ihrem Smartphone beschäftigt?“

Die verehrten Leserinnen und Leser werden mir eine Schleichwerbung für den Papstfilm unterstellen. Und sie haben Recht! Gehen Sie also wieder mal ins Kino, ob Sie katholisch oder evangelisch sind oder keiner Kirche angehören. Der Film ist für jeden ein großer Gewinn, besonders auch für junge Menschen, deren Themen ja gerade auch vom Papst angesprochen werden.

In einem Interview in der missio-Mitgliederzeitschrift „kontinente“ wurde der Regisseur Wim Wenders gefragt: „Wie haben Sie den Papst erlebt? Was war unerwartet?“ Zitat aus seiner längeren Antwort: „Unerwartet war zum Beispiel seine ansteckende, positive Energie, die er ständig an den Tag gelegt hat. Er war voll und ganz da, ohne ein Telefon oder jemanden, der auf die Uhr geschaut hätte. Er hat keine Frage gescheut und immer spontan und direkt geantwortet, ohne zu zögern. Für ihn ist die Idee, dass alle Menschen gleich sind, Wirklichkeit, das merkt man. Als wir im Park gedreht haben, hat er sich aus seinem Fiat Panda herausgeschält. Kleiner geht’s kaum noch. Er meint es ernst, wenn er sagt: Wir können alle mit weniger auskommen. Er gibt dafür ein Beispiel nach dem anderen. (...) Der Papst ist der einzige Mensch, der zwar auf seinen Reisen auch Staatsoberhäupter trifft, aber dann ihn dem Land, das er besucht, auch in Gefängnisse geht, in Krankenhäuser, Flüchtlingslager, in die Slums. Kein anderer macht solche Reisen und geht überall auch dahin, wo es wehtut. (...) Sein Name steht für radikale Solidarität mit den Armen und Ausgestoßenen, für ein neues Verhältnis zur Natur und für Frieden zwischen den Religionen. Der Papst lebt das, was er predigt….“

Viel Freude „auf den Reisen mit dem Papst“ im Kino und erst recht natürlich mit der Familie oder mit Freunden im Urlaub.

Hermann-Josef Herd,

Bensheim Pfarrer i.R.,

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