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Das geistliche Wort

Es geschieht äußerst selten, dass ich mehr als zehn Euro in den Klingelbeutel werfe. Meistens deutlich weniger. Bei dem Abschiedsgottesdienst für das Pfarrehepaar Doris und Hans-Joachim Greifenstein am vergangenen Sonntag in Schwanheim war es aber mal wieder so weit. Ich entschied mich ohne großes Zögern für einen blauen Schein.

Im Anschluss an den ergreifenden Gottesdienst in der zum Bersten vollen Kirche wurde gesammelt für ein Schiff. Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wolle nicht mehr tatenlos zusehen, wie im Mittelmeer Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa sterben, hieß es in der Ankündigung der Kollekte.

„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“, sagte Pfarrerin Sandra Blis aus Hannover in ihrer Predigt auf dem Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentags in Dortmund im letzten Jahr. Wenige Tage vorher war auf dieser Großveranstaltung im Mai eine Resolution verfasst worden. Die EKD wurde darin aufgefordert, ein Rettungsschiff zu kaufen und es ins Mittelmeer zu schicken. Die Kirche gründete daraufhin das Bündnis „United4Rescue“. Mehr als 300 Organisationen und Institutionen haben sich in der Folge diesem Anliegen angeschlossen, unter anderem auch die Band Revolverheld und der Filmregisseur Wim Wenders.

Und nun ist der Traum schon Wirklichkeit geworden: Die 60 Meter lange „Poseidon“ konnte für die Seenotrettung im Mittelmeer ersteigert werden. Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der EKD, erklärte:

„Ich freue mich riesig darüber, dass das Bündnis „United4Rescue“ jetzt den Zuschlag für die „Poseidon“ bekommen hat und dieses Schiff nun für die Seenotrettung im Mittelmeer eingesetzt werden kann. Ich bin dankbar, dass das Engagement so vieler Menschen zum Erfolg geführt hat. Ich weiß, dass viele Menschen mitgebangt haben, ob es möglich sein wird, dieses Schiff, das für die Seenotrettung ideal geeignet ist, tatsächlich zu bekommen. Ich danke allen, die gespendet haben. Sie alle haben miteinander dazu beigetragen, dass dieser Schritt jetzt möglich ist.

Der Einsatz ziviler Rettungskräfte ist dringend nötig. Menschen sterben noch immer im Mittelmeer, sind in Lebensgefahr. Es gibt nach wie vor keine staatliche Seenotrettung, die zivilen Seenotretter sind die einzigen, die gegenwärtig wirklich retten und Menschen in sichere Häfen bringen. Deswegen bin ich froh, dass es vorangeht, dass die „Poseidon“ umgebaut werden kann und so ausgestattet werden kann, dass sie nun möglichst bald auslaufen kann, um Menschen zu retten.“

Ich bin froh und dankbar, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen konnte.

* Der Autor Tilman Pape ist Pfarrer für Ökumene und Mission im Evangelischen Dekanat Bergstraße.

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