Kirche

Das Böse mit den Füßen treten

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Sich auf „eigene Füße zu stellen“, das bedeutet, unabhängig zu werden. Mit „beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen“, das zeigt anderen: Ich komme mit meinem Leben zurecht und handele solide. Und: Wer fest steht, den haut kaum etwas um – egal, was ihm auch „vor die Füße läuft“.

Alte Völker schätzten die Füße deutlich wertvoller ein, wie es heute getan wird. Füße tragen den Körper. Ist der Fuß krank oder schwach, dann kommt der Mensch nicht mehr voran und ist gehemmt. Der Fuß verbindet den Menschen mit der fruchtbringenden Erde.

Mose und Joshua mussten in der Gegenwart Gottes ihre Schuhe ausziehen, um sich nicht zu erheben und zu zeigen, dass sie mit bloßen Füßen „auf dem Boden bleiben“. Die Menschen früher glaubten, die Kraft der Erde geht durch die Füße auf den Menschen über. Hier lauert aber zugleich auch Gefahr:

Die Wesen, die sich unter der Erde verbergen, die erschienen den Menschen als Teil der Unterwelt und damit des Bösen. In der alttestamentlichen Schöpfungsgeschichte der Bibel bringt eine Schlange Adam und Eva dazu, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu kosten. Auch im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird die aus der Erde kriechende Schlange ein Bild des Bösen: „Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist.“ (Offenbarung, 20,2).

Die Schlange wird am Ende der Zeiten mit Füßen getreten und damit für alle Zeiten besiegt. Der Fuß ist ein Zeichen der Macht, der Herrschaft und des Rechts. Wer „den Fuß in der Tür hat“, der hat sich Zugang verschafft. „Treten wir etwas mit Füßen“, so gehen wir mit diesem respektlos um und missachten es. Die Römer setzten dem Sklaven den Fuß in den Nacken. Was man mit dem Fuß tritt, über das hat man eben Macht und Gewalt. Wer die Füße eines anderen küsst, der drückt dagegen größte Unterwürfigkeit aus.

Die Redewendung „mit den Füßen treten“ geht auch auf eine mittelalterliche Praxis zurück. Ehebrecher und Wucherer mussten nach geltendem Recht an drei Sonntagen hintereinander barfuß um die Kirche gehen. Im Anschluss mussten sie sich dann am Eingang niederlegen, sodass die Kirchenbesucher dann über sie traten. Die Büßer hatten „das Recht getreten“, und so sollte die alte Ordnung symbolisch wieder hergestellt werden.

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