Kirche

Das Jahr steht auf der Höhe

Archivartikel

Das geistliche Wort

Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin!“ (Gotteslob 465). Diese Aussage der ersten Strophe eines Kirchenliedes können wir derzeit mit allen Sinnen in der freien Natur erfahren. Das Wachstum steht in seinem Zenit und die Sonne hat ihren Höchststand erreicht.

Mit diesem Wochenende werden die Tage nun wieder kürzer und die Natur fängt an zu reifen. Besonders in den nördlichen Ländern, wie beispielsweise Schweden, wird die Sommersonnenwende mit fröhlichen Festen im Freien begangen. Auch das Johannisfest in unseren Breitengraden fällt in diesen Zeitraum.

Johannes der Täufer

Das Johannisfest ist ein kirchliches Hochfest, das auf den 24. Juni, dem Geburtstag Johannes des Täufers, fällt. Johannes ist der einzige Heilige dessen Geburt gefeiert wird. Warum ist das so? Und in welchem Zusammenhang steht seine Geburt mit der Sonnenwende?

Die Datierung der Geburt des Johannes ist nicht zufällig. Genau sechs Monate liegen zwischen seiner und der Geburt Jesu am 24. Dezember. Johannes wird als Vorläufer und Wegbereiter des kommenden Jesus in allen Evangelien dargestellt. Die Lichtsymbolik spielt dabei eine herausragende Rolle. So weist die Geburt des Johannes bereits auf die Fülle des kommenden Lichtes an Weihnachten hin. „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens¨ (Lukas 1,78f.).

Rufer

Wie können wir uns diesen Johannes vorstellen? In den Evangelien wird Johannes als Asket beschrieben, der sich in der Wüste auf seine Aufgabe vorbereitet hat. Mit klaren, eindringlichen Worten ruft er den Menschen zu: Kehrt um, bewegt euch, lasst euer altes, verkrustetes und sündhaftes Verhalten, denn Gott kommt euch entgegen. (vergleiche Lukas 3, 7f.) Viele folgten seinem Ruf und ließen sich als Zeichen ihres Aufbruchs taufen. Für uns klingt dieser Ruf vielleicht wie aus einer fernen Welt und doch hat er nichts von seiner Aktualität verloren. Auch wir sind immer wieder eingeladen, Gott Raum in unserem Leben zu geben.

Wegweiser

Johannes muss auf die Menschen damals einen starken Eindruck gemacht haben. Manche dachten, er sei selbst der Messias. Doch Johannes nimmt sich ganz zurück: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Johannes 3, 30) Unermüdlich weist Johannes auf Jesus, den Sohn Gottes hin, der für ihn das wahre Licht der Welt ist. Von Anfang an ist sein Name mit seinem Auftrag verbunden. Johannes heißt nämlich wörtlich übersetzt „Gott ist barmherzig.“ Wie ein lebendiges Werbeplakat weist er auf die menschgewordene Liebe Gottes hin.

Somit erinnert uns das Johannisfest daran, dass Gott ein Freund des Lebens, ein barmherziger Gott ist. Wenn wir seiner Einladung folgen, sind wir auf einem guten Weg.

* Der Autor Hans-Peter Kohl ist Katholischer Pastoralreferent im Ruhestand und wohnt in Bensheim.

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