Kirche

Der Nächste, bitte!

Ich stehe vorne in der Schlange und höre endlich: „Der Nächste bitte!“ Dann bin ich der, der unmittelbar eintreten darf. Der „Nächste“ ist eben das, was unmittelbar folgt oder als Erstes ansteht – räumlich oder zeitlich gesehen. Seinen Ursprung hat das Wort „Nächster“ im althochdeutschen „nahist“, was nichts anderes bedeutet wie „nahe ist“.

Unter dem Nächsten wird daher gerne auch der Mitmensch verstanden, der im unmittelbaren Umfeld Hilfe sucht. In diesem Sinne sprechen wir auch von „Nächstenliebe“, wenn wir diesen Menschen etwas Gutes tun. Schon im Alten Testament der Bibel wird der Begriff des „Nächsten“ verwendet. Nach Levitikus, dem 3. Buch Mose, sind die „Nächsten“ Angehörige der eigenen Sippe, des eigenen Volkes – auch die Fremden, die im Land wohnen. Später wurden unter „Nächste“ oft nur die Religionsgenossen betrachtet. Für andere waren sie die, die das Gesetz halten wollten, oder man verstand unter den Nächsten Mitglieder der eigenen Gemeinschaft.

Nach den Evangelien fordert ein Gesetzeslehrer Jesus mit der Frage heraus: „Und wer ist mein Nächster?“ Jesus antwortet mit der Geschichte des Barmherzigen Samariters, der anders wie Menschen vor ihm einem von Räubern überfallenen Menschen am Straßenrand hilft. Interessanterweise fragt Jesus abschließend: „Wer hat sich als Nächster erwiesen?“

Er dreht damit die Perspektive. Für ihn zählt nicht, wen ich von mir aus als Nächsten beurteile und diesem dann meine Unterstützung zukommen lasse. Göttlicher Wille scheint es vielmehr zu sein, all den anderen zum „Nächsten“ zu werden – diesen also ganz nahe zu sein. Wer andern diese Nähe bietet, wird „das Leben“ finden.

Der geläufigen Strategie „Jeder ist sich selbst der Nächste“ – also, jeder denkt zuerst an sich – wäre damit ein Ende bereitet.

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