Kirche

Der Toten gedenken

Der November gilt als der Monat des Totengedenkens. Etwas zu tun, damit Verstorbene nicht vergessen werden, das gehört weltweit und über Jahrtausende hinweg zum Menschsein dazu. Der Totenkult hat unterschiedlichste Ausprägungen.

Dass Toten regelmäßig und in besonderen Formen gedacht wird, ist seit der Antike üblich. Im Mittelalter bekamen das Totengedenken und die Ehrung der Verstorbenen eine bedeutende Ausprägung. Große steinerne Grabplatten oder die Blüte des Stiftungswesens zeugen davon.

Mit dem sich verbreitenden Christentum bekam das Totengedenken vor allem ab dem 5. Jahrhundert eine besondere Rolle. Nach christlichem Verständnis ist der Tod nicht das Ende des Lebens. Christen erwarten, am „Jüngsten Tag“ aufzuerstehen und das ewige, göttliche Heil zu erlangen. Bis dahin soll das Gedächtnis an die Verstorbenen bewahrt werden. Lebende und Tote zugleich sollen an der Erlösung teilhaben.

Die Ehepartner des Verstorbenen oder die Kinder waren für das Totengedenken verantwortlich. Im Mittelalter wurde die Pflicht auch kirchlichen Institutionen übertragen. Klöster, Geistliche oder Pfarreien sorgten dafür, dass der Verstorbenen gedacht und für sie gebetet wurde. Es wurden Messen gestiftet und das Totengedenken in Fürbitten miteinbezogen. Dazu wurden Altäre, Kirchenfenster oder monumentale Grablegen finanziert oder Gedenkbilder für das Andenken geschaffen.

Die Gläubigen gingen davon aus: Wer der Toten gedenkt, der trägt auch zum eigenen Jenseits und zu einer guten Tat im irdischen Leben bei. Schenkungen oder dauerhafte Stiftungen für das eigene Seelenheil oder das der Ahnen waren oft das einzige Einkommen der Geistlichen. Für zahlreiche klösterlichen Gemeinschaften waren die Gelder bedeutende wirtschaftliche Grundlage.

Viele staatliche Einrichtungen, Zünfte oder Bruderschaften haben das christlich geprägte Totengedenken übernommen. Noch heute werden „Messen“ gestiftet, Gedenkbilder gedruckt und in Gottesdiensten der Verstorbenen gedacht. Das Gedenken an die Verstorbenen hat sich gerade in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt, verschwindet zum Teil ganz. Anonyme Gräber, der Verzicht auf irgendwelche Andenken oder auch der deutliche Rückgang an Gebeten für Verstorbene zeugen davon.

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