Kirche

Die Augen offen halten

Wer mit offenen Augen unterwegs ist, der erkennt, was andere übersehen und ihnen daher verborgen bleibt. Viele Menschen leiden darunter, nicht gesehen und somit nicht beachtet zu werden. Dann wiederum gibt es eine Art von gesehen werden, die sich wohl niemand wünscht: Ständig beobachtet und kontrolliert zu werden. So droht man auch heute noch gern: Gott sieht alles. Blicke töten zwar nicht. Sie verunsichern aber und blockieren – und manchmal hinterlassen sie auch Schäden.

Ständig gesehen und beurteilt zu werden, das belastet und prägt auch die Beziehung eines Menschen zu Gott. Schon Moses bekennt: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Doch er betrachtet es wohl – wie viele andere biblischen Gestalten später – in einem anderen Licht: Gott kennt mich besser, als ich mich selbst kenne. Er schaut in die Tiefe. Er sieht auch auf das, was meine Identität prägte und mein Handeln bestimmt. Anstatt zu verurteilen, bringt er seinem Gegenüber Wertachtung entgegen.

Jesus sieht in seiner Zeit die Menschen mit den „Augen Gottes“ an. Die Evangelien berichten immer wieder davon, dass er bewusst hinschaut, die Menschen wahrnimmt, wo andere achtlos vorbeigehen oder nur verächtlich auf sie blicken. Der Aufruf an seine Jünger: Die Augen offen halten und vor der Realität nicht die Augen verschließen. Wer nach der Redensart „ein Auge für etwas hat“, der schenkt dem, was er in den Blick nimmt besondere Beachtung und Liebe und wird das Besondere wohl kaum wieder aus den Augen verlieren.

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